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Orgel: Wernigerode – St. Marien

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Gebäude oder Kirche

St. Marien (Unbefleckte Empfängnis Mariens)

Konfession

Katholisch

Ort

Wernigerode

Postleitzahl

388555

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Johannes Richter: Orgelvorstellung 3 – Wernigerode, St. Marien-Kirche

 

User „GlockenM“ – Wernigerode (HZ) – Pfarrkirche St. Marien (Unbefleckte Empfängnis): Glocken



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1906 Neubau einer pneumatischen seitenspieligen Kegelladenorgel II/15 als Opus 149 durch die Orgelbauanstalt Feith/Eggert aus Paderborn.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn.
1920er Jahre Ersatz der Prospektpfeifen durch Zink.
1970er Jahre Erweiterung und Barockisierung mit neuen Registerschaltern durch E. Lägel/Zittau, jetzt II/18, Ausbau des Schwellers u.a. Einbau zweier neuer Pedalregister auf einer Zusatzlade auf der linken Gehäuserückwand.
2013 Überholung der Orgel und Ausbau einer Untergehäusefüllung um den Diskantklang zu verbessern.

Die Orgel in der Marienkirche Wernigerode ist eine von drei pneumatischen Instrumenten in der „Bunten Stadt am Harz“. Auch an diesem Instrument ging die Zeit nicht spurlos vorüber – in den 1970er Jahren wurde die Orgel durch den damals in der Christuskirche Wernigerode tätigen Erwin Lägel, Orgelbauer bei der Firma Schuster aus Zittau, umdisponiert, dabei erweitert und „barockisiert“. Vor allem das Pedal wurde durch zwei weitere Stimmen in hoher Lage auf einer Zusatzlade ergänzt. Dabei wurden auch neue Registerwippen eingebaut. Typisch für die Erbauerwerkstatt wären großformatige Kippschalter gewesen, die Jetzigen zeigen sich als runde Schalter, wie sie auch bei Rühlmann und Röver verwendet wurden. Die Registerschilder selbst sind flach und bestehen aus Plastik. Der Spieltisch mit seinen geschnitzten Außenwangen ist seitlich am Prospekt angebracht. Unten rechts über dem Pedal findet sich ein Spalt im Vorsatzbrett – ein Hinweis darauf, dass sich dort einstmals ein Schwelltritt befand. Der
Schwellkasten für das zweite Manual wurde allerdings entfernt, ebenso die freie Kombination – bei Feith/Eggert stets als „ad libitum“ bezeichnet – an ihre Stelle trat eine fest eingestellte Kombination, die ein „kleines Plenum“ beinhaltet.
Im Inneren steht unten die Windlade des ersten Manuales, darüber die des zweiten Manuales, beide chromatisch aufgeteilt. Die Lade des Pedals mit den großen Pedalstimmen steht hinten als Rückwand der Orgel direkt hinter dem runden Westfenster, ebenfalls chromatisch aufgestellt. Die hohen Register des Pedals – Vier- und Zweifuß – stehen auf einer abkonduktierten Zusatzlade erhöht über der anderen Pedallade. Der Balg steht im Rücken des Organisten in der Turmkammer zusammen mit dem Motor.
Das Klangbild zeigt sich heute typisch neobarock, aber dennoch in einzelnen Stimmen noch romantisch-weich. Im Hauptwerk bildet ein breiter Principal 8′ eine singend-weiche, dennoch tragfähige und raumfüllende Basis. Ein weiches, etwas dunkles Gedackt gesellt sich in der Äquallage dazu. Die Vierfußlage wird durch die schlanke, helle, nicht aufdringliche Octave 4′ sowie die sanft perlende Rohrflöte vertreten. Eine leuchtend-weiche Waldflöte 2′ bildet eine sanfte Klangkrone – der hier eigentlich zu vermutende 2′-Principal ist (wie damals vor allem von Walter Supper propagiert) im Nebenwerk zu finden, um diesem eine Principalstimme zu geben. Eine vierfache, silbrige und sich gut mischende Mixtur bildet die Klangkrone des Hauptwerkes. Durch den zurückhaltenden, aber leuchtenden Charakter der Mixtur und durch den flötigen 2′ ist das erste Manual durchaus warm, weich und edel. Das zweite Manual basiert auf einer offen tragfähigen, perlend-singenden, manchmal etwas „rauchigen“ Holzflöte, noch original von Feith/Eggert. Ein spritziges Gedeckt 4′, ein strahlender, leicht spuckender Prinzipal 2′ und eine sehr helle, glitzernd-gleißende Zimbel bilden weitere Stimmen, die durch eine flötig-herbe Quinte und eine runde, melancholische Terz eingefärbt werden können. Vor allem die Zimbel geht nahezu an die Grenze des Erträglichen, ist hell, grell und gleißend, mischt sich nicht gut mit dem restlichen Klang, gibt dem Werk aber im Forte einen kraftvollen Schub. Die Sifflöte 1′ mit ihrer leuchtend präsenten, aber nicht dominanten Intonation wäre durchaus ausreichend gewesen, meint zumindest der Autor.
Das Pedal basiert auf einem gedeckten, etwas dumpfen, aber tragfähigen Subbass, ergänzt durch eine runde, sehr weiche Baßflöte. Pommer 4′ mit quintierender, melancholischer Intonation und eine leuchtende Flöte 2′ lassen Cantus-Firmus-Stimmen darstellbar werden, wirken aber durch die Lage auf der Oberlade und die damit verbundene große Präsenz sehr dominant und wenig einschmiegsam – für eine Solostimme sind beide Register aber durchaus wirkungsvoll. Eine schnarrende, sehr kräftig kratzige Trompete 8′ gibt dem ganzen Werk Kraft und Fundament, ist aber oft zu stark und zu durchdringend – wenig edel. Ein Tremulant kann den Klang der Orgel charakteristisch färben, vor allem das „steile“ zweite Manual gewinnt als Sesquialtera-Solo mit dem Tremulanten an Eleganz und Noblesse. Der Gesamtklang füllt den Raum gut aus, lässt dem Organisten die Auswahl aus eher romantisch-weichen oder barock-spitzen Farben, melancholische oder spritzig-freudige Soli sind ebenso möglich wie terzhaltige Mischungen oder strahlende Plena, wobei die hohen Register hier mit Vorsicht einzusetzen sind. Vor allem die drei Grundstimmen der Manuale zusammengekoppelt zeigen sich als Reminiszenz an die Romantik, getragen vom Pedal, welches im Raum in der Baß-Lage etwas mehr Präsenz besitzen dürfte. Hilfreich und gut war das Ausbauen einer Gehäusefüllung, sodass der Diskant des ersten Manuales mehr Präsenz erhält. Die Orgel zeigt sich in gutem Zustand, alles funktioniert – Heuler oder Aussetzer sind keine festzustellen. Die Klaviaturen spielen sich recht leicht, das Pedal ebenso, dabei sind sie recht weich eingestellt. Die pneumatische Anlage funktioniert
präzise und ohne Aussetzer. Die Orgel ist ein farbiges und dem Raum angemessenes Instrument, welches ein hervorragender Diener der Liturgie ist – dennoch wäre eine Restaurierung auf den Zustand der Erbauung sicher interessant, zumal die Akustik der Kirche eine überaus tragfähige ist.

Disposition

Disposition Stand 2021 

Manual I – Hauptwerk C – f“‘

Prinzipal 8′

Gedackt 8′

Oktave 4′

Rohrflöte 4′

Waldflöte 2′

Mixtur 4fach (1 1/3′)

Manual II – Oberwerk C – f“‘

Holzflöte 8′

Gedackt 4′

Nasat 2 2/3′

Prinzipal 2′

Terz 1 3/5′

Sifflöte 1′

Zimbel 2fach (1/2′)

Pedal C – d‘

Subbaß 16′

Baßflöte 8′

Pommer 4′

Oktave 2′

Trompete 8′

 

Spielhilfen

Als Registerschalter ganz rechts, von links: OW/HW, HW/Ped, OW/Ped
Als Registerschalter mittig: Tremulant [für ganze Orgel], Vacat [Leerer Schalter]
Als Drücker in der Vorsatzleiste unter Manual I, von links: Ad libitum [heute feste Kombination forte, früher Fr. Komb.], Tutti, Auslöser

Gebäude oder Kirchengeschichte

1879 Errichtung einer ersten Notkapelle auf einem Grundstück an der Grünen Straße für die zugezogenen Katholiken.
1896 Beginn für Planungen einer eigenen Kirche aufgrund des steten Wachstums der Gemeinde.
1904 Erwerb des Grundstückes in der Nähe der Friedrichstraße.
31. März 1905 Beginn der Bauarbeiten.
12. Juni 1905 Grundsteinlegung.
1. Juli 1906 Segnung des fertiggestellten Bauwerkes.
1909 wurde die Gemeinde zur Pfarrvikarie erhoben.
1913 Weihe der Kirche durch den damaligen Paderborner Bischof Schulte.
1924 Einbau einer elektrischen Beleuchtungsanlage.
1927 Einbau einer ersten Heizung, dabei auch Umgestaltung des Inneren – Übermalung der Malereien etc.
1942 Abgabe zweier Glocken zu Kriegszwecken.
1944 Erhebung der Pfarrvikarie zur Pfarrei.
1956 Guss zweier neuer Glocken aus Eisenhartguss durch Schilling&Lattermann.
1971 wurden die Marienstatue und das Taufbecken geschaffen.
1972 Umgestaltung des Altarraumes nach den Gegebenheiten des zweiten Vatikanischen Konzils und der Kirche selbst – Purifizierung, sodass das Innere sehr schlicht wurde.
1977 Weihe eines neuen Altars.
1990er Jahre Einbau eines neuen Tabernakels, gestaltet durch Werner Nickel – Nienburg/Saale.

Die Kirche „Zur Unbefleckten Empfängnis Mariens“, im Volksmund kurz „Marienkirche“ genannt, ist die katholische Kirche der „Bunten Stadt am Harz“. Die Pfarrei, deren Pfarrkirche sie ist, erstreckt sich bis hoch zum Brocken nach Elbingerode, Zilly, Ilsenburg und Osterwieck. Die Kirche selbst ist ein in West-Ost-Richtung erbauter, dreischiffiger Bau, der als Basilika auf kreuzförmigem Grundriss mit Querhaus und halbrundem Ostabschluss ausgeführt ist. Die Querhäuser des neoromanischen Gotteshauses sind als Rundfenster ausgeführt – im Westen zwischen den beiden 28m hohen Türmen befindet sich ein weiteres Rundfenster. Die Außenmauern sind mit rundbogigen Blendfriesen und Lisenen verziert. Die Fenster der Seitenschiffe und des Chores sind als Rundbogenfenster ausgeführt, die Oberfenster des Mittelschiffes sind als Halbrosetten ausgeführt, zeigen sich also halbkreisförmig. Das Außenbild ist schlicht, erhaben und mächtig – vor allem durch die beiden Türme überaus eindrucksvoll. Die Glocken hängen im nördlichen Turm, also von vorne gesehen links. Die Türme tragen, ebenso wie der Giebel des Mittelschiffes, ein Kreuz mit Strahlenkranz. Beide Türme besitzen achteckige Spitzhelme, die Schallfenster sind als Rundbogenfenster ausgeführt und in den unteren Turmgeschossen zeigen sich Lisenen.
Das Innere zeigt sich hell und schlicht. Die Wände sind durchweg weiß gestrichen, die flache Holzbalkendecke des Kirchenschiffes bildet einen warmen Kontrast dazu. Auch der Chorraum besitzt solch eine Balkendecke. Die Seitenschiffe öffnen sich in breiten Rundbögen zum Hauptschiff, die von viereckigen Säulen getragen werden. Links und rechts im Querhaus zeigen sich gen Osten zwei kleine halbrunde Apsiden. In der Nördlichen ist eine Marienstatue samt Kerzenständer zu finden, in der Südlichen Seitenapsis befindet sich das Taufbecken – die Apsiden dienen quasi als Seitenkapellen im schlichten Raum. Der Altarraum ist auf zwei Stufen erhöht und besitzt einen Boden aus schwarzem Marmor. Die drei Buntglasfenster zeigen die Hl. Barbara, Maria Mutter Gottes und den Hl. Hubertus (von links) in der typischen Art des beginnenden 20. Jahrhunderts. Der Altar ist als schlichter Blockaltar ausgeführt, der Tabernakel im Zentrum der Chorapsis dahinter ist mit stilisierten Nägeln als Erinnerung an das Leiden Jesu in Verbindung mit dem Abendmahl gespickt. Der Kreuzweg wurde als Mosaikapplikation gestaltet. Der Raum ist sehr schlicht und ganz auf das Wort und Wirken Gottes konzentriert und als Solches sehr wirkungsvoll und eindrucksvoll, da hier die Schlichtheit, nicht der Überfluss das Wirken Gottes verkörpert. Jedem Besucher sei dieser wunderbare Raum herzlichst zum Besuche anempfohlen!

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: J. Richter – eigene Sichtung vor Ort am 26.12.2021
Kirchengeschichte: J. Richter mit mündlichen Informationen aus der Kirchengemeinde sowie: Katholische Kirchengemeinde St. Marien Wernigerode (Hrsg.): 100 Jahre St. Marien Wernigerode. Wernigerode 2006.

Webauftritt der Pfarrei

Glocken-Video von User „GlockenM“ auf Youtube, 30.5.2021

Orgelvideo von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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