FACEBOOK   INSTAGRAM   YOUTUBE

Orgel: Weida-Land / Göhrendorf – St. Nicolai

Gebäude oder Kirche

St. Nicolai

Konfession

Evangelisch

Ort

Weida-Land / Göhrendorf

Postleitzahl

06268

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

Vermutlich 1748 Neubau einer Orgel durch Julius Heinrich Papenius (Stolberg) mit I/13 – vermutlich die erste Orgel der Kirche, der Erbauungszeitpunkt kann nur anhand umliegender Orgeln vermutet werden. Der Prospekt dieser Orgel ist bis heute erhalten (Mittelteil des heutigen Prospektes, das untere Flachfeld und die seitlichen Pedalfelder entstanden später).
1775 Erweiterung durch Johann Gottfried Krug (Merseburg) II/18 (Oberwerk mit 5 Registern wurde ergänzt, ebenso eine Manualkoppel) – Kostenpunkt: 88 Taler.
1828 Reparatur durch Gottlieb Schönburg (Schafstädt) – Arbeitsumfang ist unbekannt.
Um 1870 Erweiterung und Umbau der Orgel durch Gottfried Hellermann (Querfurt) mit mechanischen Schleifladen und fest eingebautem Spieltisch III/29.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen und Ersatz durch Zinkpfeifen durch Fa. Rühlmann (Zörbig), dabei Änderung der Disposition (2 Register, erkennbar an der anderen Schrift auf den Registerschildern).
Seither keine wirklich weiterführenden Instandsetzungsmaßnahmen – spielbar sind lediglich Hauptwerk und Pedal. Das Echowerk ist ebenso wie das Oberwerk nicht spielbar, obgleich im Oberwerk mehr Tasten noch Töne erklingen lassen.

Die Hellermann-Orgel in Göhrendorf, obgleich nur noch ein Schatten ihres ursprünglichen Glanzes, präsentiert sich als ein eindrucksvolles Instrument der Hochromantik. Die Einzelstimmen sind plastisch und charaktervoll und fein schattiert. Das volle Werk, falls man davon sprechen kann, spart nicht an Glanz, Fülle und Gravität.
Bemerkenswert ist der Prospekt, der eine Einheit bildet und doch bei genauerem Betrachten seine Geschichte erzählt: Der Mittelteil oben mit den Rundtürmen stammt von der um 1748 erbauten Papenius-Orgel, das Flachfeld darunter dürfte von Krug gefertigt worden sein, die seitlichen Flachfelder des Gehäuses durch Schönburg oder Hellermann, wobei die seitlichen Schnitzwangen des alten Prospektes an die Erweiterung wieder angefügt wurden. Holzwurmbefall, sowie mangelnde Pflege und Probleme mit der Windanlage machen dem Instrument zu schaffen. Eine technische Überholung dieses eindrucksvollen Instrumentes, welches im Gegensatz zu Barnstädt auch noch den Schweller (mit horizontalen Jalousien!) besitzt, wäre mehr als wünschenswert und würde die Region um eine weitere bedeutende Orgel bereichern.

Disposition

Disposition Stand 2021

I. Hauptwerk C – f”’

Bordun. 16 Fuß.

Principal. 8 Fuß.

Hohlflöte. 8 Fuß.

Stark=Gedakt (sic!) 8 Fuß.

Viola d. Gamba. 8 Fuß.

Octave. 4 Fuß.

Hohlflöte. 4 Fuß.

Quinte. 3 Fuß.

Octave. 2 Fuß.

Terz. 1 ³/5 Fuß.

Mixtur. 4 fach.

II. Oberwerk C – f”’

Liebl.=Gedakt. 16 Fuß.

Geigenprincipal. 8 Fuß.

Flauto travers. 8 Fuß.

Gedakt. 8 Fuß.

Dolce. 8 Fuß (R)

Principal. 4 Fuß.

Rohrflöte. 4 Fuß.

Mixtur. 3 fach.

 

III. Echowerk (schwellbar) C – f”’

Liebl.=Gedakt. 8 Fuß.

Salicional. 8 Fuß.

Voix celeste 8 Fuß. (R)

Gemshorn. 4 Fuß.

Flauto amabile. 4 Fuß.

Pedal C – d’

Subbaß. 16 Fuß.

Violonbaß. 16 Fuß.

Principalbaß 8 Fuß.

Gedaktbaß. 8 Fuß.

Octavbaß. 4 Fuß.

R=Register von Rühlmann

Disposition Papenius 1748 (?) I/13

Manual (Umfang unbekannt)

Grob Gedackt 8′

Quintathon 8′

Principal 4′

Gedackt 4′

Quinte 3′

Octave 2′

Sesquialter 2fach

Mixtur 3fach

Trompet 8′

Pedal (Umfang unbekannt)

Subbass 16′

Principalbass 8′

Quintbass 6′

Posaunenbass 16′

Disposition nach dem Umbau durch Krug (Merseburg) II/18 (OW komplett neu)

I. Hauptwerk

Grob Gedackt 8′

Quintathon 8′

Principal 4′

Gedackt 4′

Quinte 3′

Octave 2′

Sesquialter 2fach

Mixtur 3fach

Trompet 8′

II. Oberwerk (neu)

Viola di Gamba 8′

Quintadena 8′

Spielflöte 4′

Octave 2′

Terz 1 3/5′

Pedal

Subbass 16′

Principalbass 8′

Quintbass 6′

Posaunenbass 16′

Dazu kamen an Spielhilfen eine “Englische Schwebung” (Tremulant), eine Manualkoppel und ein Sperrventil für das neue Oberwerk – es ist davon auszugehen, dass auch mindestens das Pedal ein Sperrventil besaß.

 

Spielhilfen

Linke Seite als Registerzüge links, von oben nach unten und außen nach innen:
Oberwerk Sperrventil., Hauptwerk Sperrventil., Klingel [Kalkant], Pedalkoppel. [I/P]

Rechte Seite als Registerzug links unten: Manualcoppel. [II/I]

Über dem Pedal mittig zwischen e° und f° Schwelltritt [Löffeltritt] aus Metall für Jalousieschweller III

Gebäude oder Kirchengeschichte

11./12. Jahrhundert: Neubau der Kirche (vermutlich als Ersatz für einen hölzernen Vorgängerbau) als Ostturmkirche in romanischen Formen. Die Kirche war bis ins 16. Jahrhundert Filiale von Barnstädt.
Später erfolgte eine Erhöhung des Turmes sowie die Anfügung eines kleinen gotischen Chors statt der romanischen Apsis mit Kreuzgewölbe und Sakramentsnische, welcher sich hinter der heutigen Altarwand befindet und als Winterkirche genutzt wird.
1732 Umbau der Kirche, Vergrößerung des Kirchenschiffs nach Westen mit großen Rechteckfenstern, Erhöhung des Turms, Einbau der neuen Innenausstattung zum heutigen Zustand.
1909 Guss dreier Glocken mit den Gewichten 1300-700-365kg durch Ulrich (Laucha) – die kleinste Glocke ist bis heute erhalten geblieben.

Das Innere zeigt sich durch den hierzulande üblichen Kanzelaltar dominiert, der an der Wand zum Ostturm in einer Nische steht. Flankiert wird der reich mit Glöckchen-Hängewerk und einer Zierkartusche samt Inschrift verzierte Kanzelkorb von zwei korinthischen Säulen – auf dem Baldachin des Altars ist eine Kreuzigungsgruppe mit dem Kruzifix zu sehen. An den Seiten trägt der Altar reiches Akanthusschnitzwerk in den Wangen mit Puttenköpfen – desgleichen wird der Kanzelkorb davon gestützt. Hinter der Altarnische folgt der Turmraum, an welchen sich der kleine Chor anschließt, der von einem Spitzbogenkreuzjoch überspannt wird und mit der unverputzten, steinsichtigen Wand mit im Norden eingelassenem gotischen Sakramentshäuschen sowie großem Taufstein den Geist der vergangenen Zeiten spürbar zu atmen scheint.
Der helle und hohe Kirchenraum wird von einer Flachdecke mit dezenter Stuckatur überspannt – u-förmig umfassen zweigeschossige, barocke Emporen den Raum. Im Westen steht der ebenfalls figürlich reich gestaltete Orgelprospekt – gleichsam ein Gegenspieler zum Altar.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter mit Informationen von H. Rotermund
Kirchengeschichte: Wikipedia -Artikel St. Nikolaus Göhrendorf

IMPRESSUM | Datenschutz | Cookie-Richtlinie (EU) | designed by st-reway.de