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Orgel: Teutschenthal / Angersdorf-Schlettau – Dorfkirche

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Gebäude oder Kirche

Dorfkirche

Konfession

Evangelisch

Ort

Teutschenthal / Angersdorf-Schlettau

Postleitzahl

06179

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Teutschenthal/Angersdorf-Schlettau (D-ST) – Ev.Dorfkirche Schlettau – Glocke



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1743 erste Erwähnung der Aufstellung einer (gebrauchten?) Orgel in der Kirche Angersdorf – es war ein kleines Positiv.
1841 Neubau einer einmanualigen vorderspieligen Schleifladenorgel I/10 durch Friedrich Wilhelm Wäldner/Halle.
1917 Abgabe der Zinn-Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken.
Um 1930 Ersatz der Prospektpfeifen durch Zinkpfeifen.
1937 Pflege des Werkes durch Kühn/Merseburg.
1980er Jahre Errichtung eines Schutzdaches über der Orgel, bestehend aus Spanplatten.

Die Orgel auf der Westempore der Dorfkirche Angersdorf/Schlettau ist eines der wertvollsten Werke der Region, stammt sie doch aus dem recht geringen Oeuvre Friedrich Wilhelm Wäldners. Die Orgel verbirgt sich hinter einem klassizistischen Prospekt mit drei Flachfeldern. Das mittlere Feld ist etwas vorspringend angefügt, Pilaster gliedern den Prospekt. Das Mittelfeld wird von einem Dreiecksgiebel bekrönt, der die Jahreszahl 1841 trägt. Auf den Seitenfeldern sind bekrönende florale Schnitzwerke aufgesetzt. Grün gefärbtes Laubschnitzwerk gestaltet die Schleierbretter.
Der Spielschrank ist frontal am Prospekt angebracht und besitzt seitliche Türen, die Registerzüge befinden sich beiderseits des Notenpultes einreihig angeordnet. Die gedrechselten Manubrien besitzen weiße Porzellanschilder mit schwarzer Kursivschrift. Die Klaviatur des Manuals besteht aus schwarzen Ebenholz gefertigten Untertasten und weißen Obertasten mit Beinbelag.
Im Orgelinneren steht auf Höhe der Prospektöffnungen die Windlade des Manualwerkes in C- und Cis-Seite geteilt – die Pfeifen sind nach außen hin aufsteigend angeordnet. Die Pedallade steht hinten als Rückwand der Orgel. Beide Laden werden über Wellenbretter angesteuert. Im Turmraum hinter der Orgel steht die Balganlage, bestehend aus zwei übereinander angeordneten Keilbälgen, die in jüngerer Zeit neu beledert wurden. Über dem Orgelinneren befindet sich ein Holzgestell mit schützenden Spanplatten vor Rieselwerk aus dem Dach.
Die Orgel, die heute interessanterweise einen Ganzton höher gestimmt ist, zeigt sich klassisch disponiert – noch mit barocken Anleihen versehen. Ein Bordun 16′ gibt dem Werk Gravität und Fülle, drei Grundstimmen als dunkles Gedeckt, perlend offene, etwas spuckende Flöte und schneidende Gambe stehen ihm zur Seite und ersetzen in der Gesamtheit einen Principal 8′.
Die Principalpyramide wird durch einen hell strahlenden Principal 4′, eine etwas spitze Octave 2′ sowie eine golden strahlende Mixtur gebildet. Eine Flöte 4 von stillem, aber lauffreudigem Klange steht dem Ganzen zur Seite. Das Pedal mit seinen zwei Registern trägt den Klang angemessen – der Subbass 16′ ist füllig und rund, nicht sehr obertonreich, aber auch nicht zu dumpf. Das Violoncello ist etwas weiter und weicher als der Manualstreicher und gibt dem Pedalklang gute Kontur. Die Pedalkoppel ist aber oft zu nutzen, um den Pedalklang aufzufüllen und adäquat zu halten. Der Klang der Orgel ist vielfarbig und edel, kraftvoll und gravitätisch, aber auch melancholisch und still – trotz der Einmanualigkeit ist die Orgel erstaunlich vielseitig. Die Trakturen spielen sich dank der zu erwartenden kurzen Wege sehr leicht und angenehm weich, ohne dabei einen Druckpunkt vermissen zu lassen.
Der Zustand der Orgel ist heute sehr gut – Heuler und Verstimmungen waren bei der Besichtigung nicht festzustellen. Es ist eine große Freude, dass dieses edle Werk heute so erhalten ist und zum Lobe Gottes erklingen darf.

Disposition

Manual C – c“‘

Bourdon. 16 Fuß.

Viola da Gamba. 8 Fuß.

Gedackt. 8 Fuß.

Flauto traverso. 8 Fuß.

Principal. 4 Fuß.

Flauto amabile. 4 Fuß.

Octave. 2 Fuß.

Mixtur 3 fach.

Pedal C – c‘

Subbaß. 16 Fuß.

Violon=Cello. 8 Fuß.

 

Spielhilfen

Als Registerzug links unten: Pedal=Coppel.
Als Registerzug rechts unten: Calcanten,,Klingel.

Gebäude oder Kirchengeschichte

Um 1150 Errichtung einer ersten Steinkirche im Ort, der Turm ist heute noch zum Teil erhalten.
1506 Guss der heutigen Glocke (Nominal: f‘) durch den Halleschen Gießer.
1708 Umbau der Kirche – eine Tafel am Chorraum verkündet: Gott zu Ehren ist diese Kirche nebst den [sic!] Turm erbauet worden AO M D CC VIII.
1756 weitere Arbeiten an der Kirche nach Brand des Dorfes, dies ist auf jener Tafel durch die Inschrift „R AO 1756“ angegeben.
1869 erneute Umgestaltung, dies betraf vor allem den Turm, der ein neues Dach und neue Schallfenster erhielt.
1917 Abgabe zweier Glocken zu Rüstungszwecken.
Nach 1960 Umhängung der Glocke an ein geschweißtes gekröpftes Stahljoch.
1990er Jahre Elektrifizierung der Anlage durch Laszlo Szabo/Atern.
2010 Sanierung der Kirche.

Die Kirche in Angersdorf steht eigentlich im Ortsteil Schlettau, dessen slawischstämmiger Name 1936 zugunsten des „deutschen“ Namens Angersdorf aufgegeben wurde. Heute heißt der Ort insgesamt Angersdorf. Die Kirche, auf einer kleinen abfallenden Anhöhe gelegen, zeigt sich als typischer einschiffiger Bau mit Westquerturm und flachem, dreiseitigem Chorabschluss. Das Bauwerk ist durchweg aus Bruchsteinmauerwerk errichtet. Die Glockenstube besitzt vier rundbogige Biforien und der Turm wird durch ein abgewalmtes Satteldach mit Dachreiter samt Turmknopf und Wetterfahne bekrönt. Das Kirchenschiff besitzt rundbogige Fenster mit Sandsteinlaibungen. Der sehr flache Chorraum besitzt ebenfalls drei Rundbogenfenster – an der Stirnseite prangt ein Stein mit eingemeißelter Inschrift der Umbaujahre.
Das Innere des Gotteshauses zeigt sich kompakt, aber nicht eng. Eine flache Decke überspannt den Raum, sie ist mit gelblichen geometrischen Formen, welche eine blaue mit Sternen versehene Fläche umspielen, verziert und symbolisiert somit das weite Himmelszelt. Der Kanzelaltar an der Stirnseite zeigt sich von zwei mehrfach durchbrochenen Pilastern flankiert. In der Predella ist eine Abendmahlsdarstellung zu sehen. Der dreiseitige Kanzelkorb zeigt in seinen drei Rundbogenfeldern biblische Szenen. Über dem Schalldeckel ist (flankiert von zwei gedrehten Säulen) eine Kreuzigungsdarstellung in einem Rundbogen zu sehen. Das bekrönende Gemälde, flankiert von den gleichen Säulen, zeigt die Auferstehung. Über dem Schalldeckel sind die seitlichen Pilaster mit zwei geschwungenen, schlichten Schnitzwangen ersichtlich. Beiderseits des Altars befinden sich zwei schlichte Logen, die auf der Südseite ist dabei mit Gitterwerk geziert. Die Empore umfasst den Raum vollständig. Links und rechts des Altars sind zwei Balustraden angebracht. Die Felder der Empore sind rechteckig und in blau gehalten mit geometrischen und floralen Mustern verziert. Der Taufstein auf rundem Schaft ist kelchförmig und stammt noch aus romanischer Zeit. Unter der Orgel sind Gedenktafeln für die Gefallenen der Kriege angebracht. Der Raumeindruck insgesamt ist freundlich, kompakt, geborgen und erhaben.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Informationen aus: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964 sowie Informationen von der Wäldner-Webseite, abgerufen am 13.12.2021
Kirchengeschichte: Eigene Sichtung vor Ort, 08.03.2020

Video von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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