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Orgel: Tarasp – Schloss Tarasp (Salonorgel)

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Gebäude oder Kirche

Schloss Tarasp

Konfession

konfessionslos

Ort

Tarasp

Postleitzahl

7553

Bundesland / Kanton

Kanton Graubünden

Land

Schweiz

Bildergalerie + Videos

 

 

 

Ergänzt mit Aussenbild des Schlosses:

 

Adrian MichaelSchlossTarasp1.pgCC BY-SA 3.0



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1916 pneumatische Taschenladenorgel, erbaut in mehrere Räume verteilt auf zwei Etagen des Schlosses ohne sichtbaren Prospekt mit freistehendem Spieltisch in einer kammerartigen Nischenvorrichtung/Nebenzimmer (6 Windladen und das Pfeifenwerk befinden sich auf insgesamt 3 Ebenen, Motor und Balganlage sind in einem separierten Raum untergebracht) durch Orgelbau Gebrüder Jehmlich / Bruno & Emil Jehmlich (Dresden) III/39 + 3 Transmissionen (2’594 Pfeifen). Der Transport der Orgel geschah mitten im ersten Weltkrieg.
Auf dem oberen Geschoss befindet sich das Pfeifenwerk und in einer Nische des Ganges das Fernwerk (2 Register), darunter die Pedalladen und Transmissionsvorrichtungen und zu unterst im ehemaligen Verliessbereich die Balganlage, das Glockenspiel und der Motor. Im Nebenraum befindet sich ein Fenster und zwischen diesem Fenster und dem Gewölbe ist eine 40cm grosse Öffnung, aus welcher die Klänge des Fernwerks ins Musikzimmergelangen.
Insgesamt sind 3.5 Km pneumatische Leitungen verbaut. Der Spieltisch befindet sich in einem kleinen Nebenraum im Musikzimmer. Der Besucher kann den Organisten sehen, jedoch kann auch eine Tapetentür geschlossen werden, dann sieht man nur die Wand und die gespielte Musik erklingt wie von Geisterhand. Es handelt sich um das grösste private Instrument in Europa.
Durch Nischen und Wandöffnungen gelangt der Klang der Salonorgel in die Räumlichkeiten des Musiksaales. Einzig das Glockenspiel wurde beim Neubau noch nicht realisiert.
Die Abnahme erfolgte durch den Organisten des Zürcher Grossmünsters Paul Hindermann, welcher die Farben und Klangwirkung dieses speziellen Instrumentes in den grössten Tönen lobt.
1920 ist das Werk durch die defekte Windmaschine bereits unspielbar und wird fortan 59 Jahre lang nicht mehr gewartet. Es finden keine Veränderungen statt.
1979 Instandsetzung als Vorstufe zu einer Gesamtrestaurierung durch Orgelbau Richard Freytag Felsberg AG. Bei den Massnahmen wurden nicht alle Funktionen wieder spielfähig hergerichtet, da eine Gesamtrestaurierung für spätere Zeit vorgesehen wurde. Einbau eines neuen Balges und einer neuen Windmaschine. Am Tag der Inbetriebnahme wurde so viel Staub durch die Klanggitter gelöst, dass der Motor zunächst wieder ausgeschaltet werden musste.
1991 Gründung einer Stiftung zur Restaurierung der Schlossorgel.
1992 – 1993 Restaurierung des Werkes und Einbau des vorhergesehenen Glockenspiels (39 Glocken) durch die Erbauerfirma Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH. Das Werk wird neu intoniert und die Lederteile ersetzt.
2015 neue Belederung des Balges durch Orgelbauer Roland Koch (Martina/GR).
2022 wird die Orgel vorwiegend im zwischen April bis Ende Oktober für Konzerte und Führungen genutzt. Während der Wintermonate ist das Werk meistens kaum bespielbar.

Dem Betrachter fällt auf, dass die Registerschilder in unterschiedlicher Weise beschriftet sind. Vermutlich mussten einige dieser Bezeichnungen auf Grund der langjährigen Nichtnutzung ersetzt werden. Ansonsten befindet sich das Werk im Originalzustand.

Disposition

I Hauptwerk C – a”’ (a””)

Bordun 16′

Prinzipal 8′

Gambe 8′

Konzertflöte 8′

Salicional 8′

Gemshorn 8′

Octave 4′

Spitzflöte 4′

Octave 2′

Mixtur 3-4 fach ohne Terz

Trompete 8′

II Schwellwerk C – a”’ (a””)

Gedackt 16′

Principal 8′

Fugara 8′

Traversflöte 8′

Dolce 8′

Gedackt 8′

Schweb.-Flöte 8′ (Traversflöte mit verbundenem Tremulant)

Viola 4′

Rohrflöte 4′

Harmonia aetheria 3 fach

Oboe 8′

III Schwellwerk C – a”’ (a””)

Gedackt 16′ Tr. II

Geigenprincipal 8′

Doppelflöte 8′

Violine 8′

Quintatön 8′

Aeoline 8′

Vox coelestis 8′ ab c°

Vox angelica 8′ Fernwerk

Flute d’ amour 4′

Salicet 4′

Piccolo 2′

Clarinette 8′

Vox humana 8′ Fernwerk mit separatem SW und verbundenem Tremulant

Glockenspiel c’-a”’ 1993

Pedal C – f’

Violon 16′

Subbass 16′

Gedacktbass 16′ Tr. II

Octavbass 8′

Violoncello 8′

Posaune 16′

Trompetenbass 8′ Tr. HW

 

Disposition Anordnung Register links nach rechts Spieltisch (Beschriftungen mit Trennungen)

I Hauptwerk C – a”’ (a””)

Trompete 8′

Bordun 16′

Mixtur 3-4 fach ohne Terz

Octave 2′

Octave 4′

Spitzflöte 4′

Prinzipal 8′

Gambe 8′

Konzert-flöte 8′

Sali-cional 8′

Gemshorn 8′

II Schwellwerk C – a”’ (a””)

Gedackt 8′

Dolce 8′

Travers-flöte 8′

Fugara 8′

Principal 8′

Rohr-flöte 4′

Viola 4′

Harmonia aetheria 3 fach 2′

Gedackt 16′

Oboe 8′

Schweb.-Flöte 8′ (Traversflöte mit verbundenem Tremulant)

III Schwellwerk C – a”’ (a””)

Vox-humana 8′ Fernwerk mit separatem SW und verbundenem Tremulant

Vox-angelica 8′ Fernwerk

Vox-coelestis 8′ ab c°

Aeoline 8′

Quintatön 8′

Violine 8′

Doppel-flöte 8′

Geigen-principal 8′

Salicet 4′

Flute d’-amour 4′

Piccolo 2′

Gedackt 16′ Tr. II

Clarinette 8′

Glockenspiel c’-a”’ 1993

Pedal C – f’

Trom-peten-bass 8′ Tr. HW

Posaune 16′

Violon-cello 8′

Octav-bass 8′

Violon 16′

Subbass 16′

Gedackt-bass 16′ Tr. II

 

Bei der Schlossorgelstiftung ist eine CD mit Rudolf Meyer an der Jehmlich-Orgel erwerbbar – Link zur Bezugsquelle

Ursula Hauser spielte im Jahr 2000 die CD “Die leichte Muse und die Königin der Instrumente” mit Werken von Josef Franz Wagner, John Philip Sousa, Enrico Toselli und Johann Strauss d.J. ein – Bezugsquelle mit Klangbeispiel

Spielhilfen

4 freie Kombinationen (4 Reihen mit weissen Schaltungen oberhalb der Registerwippen), Einzelabsteller für jedes Register und alle Koppeln (schwarze Schaltungen unterhalb der Registerwippen), Generalabsteller (Auslöser) für jede Register- und Spielhilfenreihe (runde weisse Schaltung seitlich der Registerwippen)
Oberhalb des dritten Manuals befinden sich seitlich des Firmenschildes die Crescendo-Anzeige und der Anzeiger für den Gebläsestand

Linke Seite als Registerwippen
Generalkoppel, Pedal-Koppel I, Pedal-Koppel II, Pedal-Koppel III, Manual-Koppel III/II, Manual-Koppel III/I, Manual-Koppel II/I

Rechte Seite als Registerwippen
Obere Reihe: Crescend.-Aus-schalter, Druck-register-Aus-schalter, Koppel-Aus-Schalter, Rohr-werks-Aus-schalter, Pedal-Umschalt., Pedal-Octav-Koppel, Melodie-Koppel III-II
Untere Reihe: Super-Oct.-Koppel I/I, Sup.Octav-Koppel II-II, Super-Octav-Koppel III-II, Super-Oct.-Koppel III/III, Sub-Octav-Koppel II-I, Sub-Octav-Koppel III-II, General-Octav-Koppel

Spieltisch unter Manual I als Druckknöpfe: Koppel Ausschaltung, I, II, III, IV, Auslöser, Auslöser, P, MF, F, FF, Druckregister-Ausschaltung

Fuß: Generalkoppel, Pedalkoppel I. Manual, Pedalkoppel II. Manual, Pedalkoppel III. Manual, Manualkoppel III/II, Manualkoppel III/I, Manualkoppel II/I als Tritte, Crescendo-Ausschaltung (Einhaktritt), Walze, Schweller III. u. II. Man. (Tritt), Schweller Vox humana 8′ (Tritt), Tutti, Auslöser, P, MF, F, FF als Tritte

Gebäude oder Kirchengeschichte

Um 1040 Erbauung des Schlosses Tarasp durch die Herren von Tarasp unter Graf Ulrich I.. Die Erbauer zogen aus der Region des Comer Sees ins Engadin.
1160 werden Teile des Schlosses dem Bistum Chur vermacht.
1239 wird die Festung von den Grafen von Tirol übernommen.
1464 wird das Schloss zur österreichischen Grafschaft durch den Kauf des Herzogs Sigismund von Tirol.
16. Jahrhundert Vergrösserung des Schlosses und Ausbau zur Grenzfestung.
1612 Plünderung und Verwüstung des Anwesens durch plündernde Bürger aus dem Umland.
1625 Beschädigung des Schlosses durch Blitzschlag.
Nach 1648 befindet sich Tarasp weiterhin in habsburgischen Besitz.
1687 wird das Schloss von Kaiser Leopold I. der reichsfürtlichen Familie von Dietrichstein geschenkt.
1722 – 1732 Instandsetzungsmassnahmen.
1803 wird die Enklave Tarasp durch Napoleon dem jungen Kanton Graubünden zugeteilt.
1829 Verkauf des Schlosses durch den Kanton an Men Marchi aus Scuol.
1856 konnte der Nationalrat Andreas Rudolf von Planta-Samedan das Schloss erwerben. Durch die vermehrten Eigentümerwechsel erlitt die Anlage durch mangelnde Pflege diverse Schäden.
1900 Erwerb des Schlosses durch den Begründer der Marke Odol (Mundwasser) Dr. Karl August Lingner (Dresden), welcher ein klingendes Schloss mit Kunstgütern erschaffen wollte. Er lernte das Schloss durch einen Kuraufenthalt in Vulpera kennen.
1900 – 1916 Renovierung und Wiederaufbau der Räumlichkeiten und Einbau einer Heizung. Aus verschiedenen Edelhöfen und Patrizierhäusern wurde das Inventar mit Vertäferungen zusammen erworben. Die Arbeiten werden durch Professor Rudolf Rahn als Burgenspezialist begleitet und unter der Leitung des Architekten Walter Türcke (Dresden) vollzogen.
1916 stirbt Dr. Lingner, das Schloss wird vom Grossherzog von Hessen erworben. Die frisch fertiggestellte Jehmlich-Orgel erlebte Dr. Lingner kaum noch spielend. Die Orgel (das grösste Werk in Privatbesitz in Europa) wurde im Musiksaal, der ehemaligen Waffenkammer, aufgebaut.
Der als Erbe eingesetzte Friedrich August von Sachsen (III) nahm das Erbe nicht an, so übernahm der Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen das Schloss Tarasp.
2016 wird die Anlage Teil der Stiftung Not Vital und weist eine bedeutende Kunstsammlung verschiedener Epochen auf. Das schloss besitzt circa 100 Räume.

Dr. Karl August Lingner wurde 1861 in Magdeburg geboren und verstarb 1916 in Berlin und erlangte weltweiten Ruhm durch die Erfindung und Herstellung des Mundwassers Odol und die Forschungsarbeit im Desinfektionswesen. Nach einem Aufenthalt in Paris von 1883 bis 1885 kehrte Lingner nach Dresden zurück und arbeitete zunächst als Korrespondent in einer Nähmaschinenfabrik, ehe er seine erste Firma “Lingner & Kraft” mit dem Techniker Georg Wilhelm Kraft gründete. 1892 nahm sein Unternehmen Dresdner Chemische Laboratorium Lingner den Betrieb auf und lief ab 1912 unter dem Namen Lingner-Werke. 1911 wurde das Sächsische Serumwerk Dresden von ihm begründet, welches zu zahlreichen Projekten Lingners gehörte wie z.B. Kinderpoliklinik in der Johannstadt, die Zentralstelle für Zahnhygiene und Desinfektion mit der verbundenen Desinfektorenschule. Die Dresdner Lesehalle und das Deutsche Hygiene-Museum entstanden auch durch Lingners Initiativen. Zu seinem Besitz zählte neben dem Schloss Tarasp auch die Villa Stockhausen.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Orgel: Gian Andrea Caratsch
Orgelgeschichte: Angaben auf der Seite der zuständigen Stiftung Not Vital – Link, Bericht des Orgelbauers Richard Freytag – Link, Eigene Sichtung und Arbeiten an der Orgel durch den Autor Gian Andrea Caratsch mit Orgelbauer Roland Koch am 07. März 2022 und Bericht “Orgeln im Engadin” – Geschichte und Gegenwart von Jutta Kneule
Geschichte des Schlosses: zitierte Angaben auf der Seite der zuständigen Stiftung Not Vital – Link und Wikipedia-Artikel zum Schloss Tarasp – Link, Angaben auf Wikipedia

Internetseite der Stiftung Not Vital

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