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Orgel: Schkopau / Hohenweiden-Neukirchen – Dorfkirche

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Gebäude oder Kirche

Dorfkirche

Konfession

Evangelisch

Ort

Schkopau / Hohenweiden-Neukirchen

Postleitzahl

06258

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Schkopau/Hohenweiden-Neukirchen (D-ST) – ev. Dorfkirche – Einzel- und Vollgeläut (Turmaufnahme)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

Um 1700 Anschaffung eines Positives eines unbekannten Meisters.
1819 Neubau einer vorderspieligen mechanischen Schleifladenorgel I/13 durch Carl Heinrich Albrecht von Knoblauch/Halle, gebaut wurden 12 von den geplanten 13 Registern.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn.
Um 1920 Ersatz der Prospektpfeifen durch Zinkpfeifen durch Rühlmann.
Um 1950 Überholung der Orgel – dabei Tieferstimmung und Umstellung des Pfeifenwerkes.
Ab 2000 Verschlechterung des Zustandes.
2019-2021 Sanierung der Orgel durch Thomas Schildt aus Halle. Der Einbau einer Posaune 16′ ist geplant. Rekonstruktion der originalen Stimmtonhöhe durch Anlängen der Pfeifen.

Die Knoblauch-Orgel in Hohenweiden-Neukirchen ist eines der wertvollsten Instrumente in der Region, da sie eines der wenigen original erhaltenen Werke ihres in seiner Zeit sehr produktiven Erbauers ist, dessen Wappen übrigens die gleichnamige Gewürzknolle gleich dreimal ziert. Eine weitere Orgel hat sich in Tagewerben erhalten, eine dritte in Wansleben am See. In Stedten baute Knoblauch eine Posaune ein. Diese Posaune wurde in Hohenweiden zwar geplant, aber nie gebaut – der Pfeifenstock ist nicht besetzt.
Das Instrument steht hinter einem gedrungenen, dreifeldrigen Prospekt, der zwei runde Seitentürme und ein sanft vorschwingendes (durch Labienverläufe sehr lebendiges und elegantes) Mittelfeld besitzt. Die Pfeifenfelder sind reich mit Schleierwerk verziert. Geschnitzte Wangen befinden sich seitlich am Instrument, darauf bekrönen zwei ein Instrument blasende Putti beidseitig die Schnitzwangen. In der Mitte ist ein goldener Strahlenkranz angebracht, der die Erhabenheit der “Königin der Instrumente” unterstreicht.
Der Spieltisch ist als Spielschrank in das Gehäuse integriert und besitzt zwei seitliche Türen. Die Registerzüge aus gedrechseltem, schwarzen Holz sind beidseitig angebracht und besitzen Porzellanschilder. Als Reminiszenz an den Spätbarock wirkt der Klaviaturumfang ohne Cis in Manual und Pedal, sowie die Bauweise der Klaviaturen mit Obertasten aus Knochen und Untertasten aus Ebenholz. Die 47 Prospektpfeifen bestehen in den Seitentürmen aus Pfeifen des Principal 4′, im Mittelfeld abwechselnd Pfeifen der Quinte 3′ sowie Blindpfeifen. Die Balganlage aus zwei Keilbälgen steht im Turmraum samt Motor, kann aber noch über zwei fußgetriebene Schöpfer manuell betrieben werden. Diese Keilbalganlage versorgt das Werk mit Winddruck in Höhe von 68mmWs. Im Inneren der Orgel stehen vorne zwei Windladen für das Manualwerk, je eine für C- und D-Seite. Die Pfeifen sind nach außen hin ansteigend aufgestellt und werden über ein vertikal unter der Lade stehendes Wellenbrett angesteuert. Das Pedal steht hinter dem Stimmgang als Rückwand der Orgel. Die Pfeifen dieses Werkes stehen ebenfalls auf zwei Laden, welche die Pfeifen von C- bzw. D-Seite tragen – in der Mitte zwischen den Laden läuft der Windkanal hindurch.
Die Disposition zeigt sich noch von der spätbarocken Tradition inspiriert und schafft einen interessanten Bogen in die Richtung der Frühromantik. Ein runder, etwas quintadenenartiger Bordun mit sattem Grundton trägt den Klang. Drei 8′-Register – eine sanfte, edel helle Traversflöte (die als Doppelgedackt bzw. Doppelflöte gebaut ist) und feine, herbe Ansprachegeräusche von sich gibt – ein warmes, rundes, etwas dumpfes Gedackt 8′ sowie eine sehr schmal mensurierte, gläsern-fragile Gambe, die Mensur technisch eher einem Salicional gleichkommt. Die Vierfußlage ist durch einen kantablen, strahlenden Principal 4′ sowie ein etwas zurückhaltend schmales und obertonreiches Gemshorn vertreten. Darauf bauen sich eine herbe (den Klang recht “bunt” färbende) Quinte 3′ von eher schmaler Mensur, eine glitzernde Octave 2′, eine kräftige Terz 1 3/5′ (nicht 2′, wie an manchen Stellen angegeben – das Registerschild vermerkt eindeutig AUS 2′, also 1 3/5′!) für ein cornettartiges Gepräge, sowie eine Sifflöte 1’als spätbarock-runde, nicht zu starke, deutliche und edel klingende Krone auf. Eine Mixtur ist nicht vorhanden, diese muss der Spieler sich “zusammensuchen”. Dies hat den Vorteil, dass man einen Plenumklang nach Belieben gestalten und färben kann – ohne Aliquote – nur mit Quinte (eher grundtöniger und mächtiger), nur mit Terz (strahlender, durchdringender) oder mit beiden, oder ohne den glitzernden 1′. Diese Zusammenstellung ist zu Gunsten einer maximalen Farbigkeit bei gleichzeitig recht geringer Registerzahl sehr sinnvoll und gut durchdacht. Orgeln ohne Mixturen bzw. mit zerlegten Mixturen haben im Saalekreis in der Barockzeit eine nachweisbare Tradition, in der sich Meister von Knoblauch hier sehr ansprechend bewegt. Das Pedal besitzt zwei Register – einen gedeckten 16′ mit recht fülliger, jedoch nicht romantisch-intransparenter Intonation, sowie einen gut zeichnenden Principalbass 8′. Das Instrument offenbart eine Vielzahl klanglicher Möglichkeiten trotz der Einmanualigkeit. Weiche und zurückhaltende Klänge der eher frühromantischen Art sind ebenso vorhanden wie strahlend spätbarocke Plena, melancholische Farben, herbe Klänge. Geplant ist die Posaune (wie sie Knoblauch in Stedten mit belederten Kehlen nachträglich einfügte) zu rekonstruieren und dem Werk damit die größtmögliche Gravität (wie vom Erbauer angedacht) zu verleihen.
Der Zustand der edlen Orgel ist heute sehr gut. Das Werk war zum Zeitpunkt der Besichtigung frisch saniert. Dabei wurde die Orgel ausgereinigt und komplett in allen Teilen überholt. Die früher unelegante Beleuchtung am Spieltisch wurde erneuert und der unschöne Motorschalter entfernt. Die 47 Prospektpfeifen wurden rekonstruiert. Das Pfeifenwerk im Inneren wurde komplett saniert, die Stimmtonänderung wurde revidiert und der originale Stimmton a’=470Hz wiederhergestellt. Diverse Pfeifen mussten in diesem Zusammenhang angelängt, die Kleinsten teilweise neu gebaut werden. Die Arbeiten führte der Hallenser Orgelbauer Thomas Schildt in liebevoller und gediegener Arbeit aus. Die Intonation ist edel und ausgewogen. Eine besondere Preziose stellt die Gambe in ihrer sehr engen Mensur dar, die – keinesfalls selbstverständlich – sauber anspricht, wobei jeder Ton seinen eigenen Charakter hat und trotzdem sich gut im Gesamtklang einfügt. Hier ist dem Orgelbauer als auch dem Restaurator und Intonateur ein wirkliches Meisterwerk gelungen, dem nur das beste Zeugnis auszustellen ist. Die Gemeinde kann sich glücklich schätzen, solch ein edles Werk zur Verfügung zu haben. Zur Sanierung ist herzlichst zu gratulieren und allen Beteiligten der höchste Respekt auszusprechen!

Disposition

Manual C, D – d”’

Bordun 16. Fuß. (ab c°, c°-h° Holz, gedeckt ab c’ Zinn, gedeckt)

Gedackt. 8. Fuß.  (durchg. Holz, gedeckt) 

Flûte=travers: 8. Fuß. (ab c°, Metall, gedeckt)

Viola da Gamba 8. Fuß. (C-A Holz, offen, ab B Zinn, offen) 

Principal 4. Fuß. (teilw. Prospekt, Zinn)

Gemshorn 4. Fuß. (durchg. Metall, konisch, offen) 

Quinte 3. Fuß. (Metall, offen, teilw. Prospekt)

Octave 2. Fuß. (Metall, offen) 

Tertie aus 2. Fuß. (1 3/5′, Metall, offen

Suiflöthe 1. Fuß. (sic!, Metall, offen)

Pedal C, D – c’

Subbass 16.Fuß. (Holz, gedeckt)

Principal=Baß 8. Fuß. (Holz, offen)

Posaune 16. Fuß. (nicht vorhanden, wurde nie gebaut, leere Schleife vorhanden) 

 

Spielhilfen

Als Registerzug links: Calcanten=klingel.
Als Registerzug rechts: Coppel. ins Manual. [Pedalkoppel]

Gebäude oder Kirchengeschichte

12. Jahrhundert Errichtung einer ersten romanischen steinernen Kirche im Ort.
13. Jahrhundert Guss der kleinen Glocke durch einen unbekannten Gießer – Nominal b”.
15. Jahrhundert Guss der mittleren Glocke durch einen unbekannten Gießer – Nominal b’.
1507 Guss der großen Glocke durch den Halleschen Gießer – Nominal es’.
1523 Umbau des Kirchenschiffes im gotischen Stil – Anbau des dreiseitigen Chorabschlusses.
1610 Anbau der nördlichen Vorhalle.
1614 Fertigung des Taufsteins im Zuge eines Kirchenumbaus.
Um 1750 Fertigung des Kanzelaltars.
Um 1810 Nutzung der Kirche als Stall durch die Truppen Napoleon Bonapartes.
Ab 1816 Nutzung als Kirche – Herrichtung des Bauwerkes.
1897 Sanierung der Kirche und Aufsatz einer neuen Turmhaube.
1942 Abgabe der beiden großen Glocken.
Um 1950 Rückkehr der beiden großen Glocken aus Merseburg vom Glockenfriedhof.
Um 1960 Umgestaltung des Innenraumes und Umbau des Altars.
1991 Sanierung der Kirche.
2013 Schäden an der Kirche durch Saalehochwasser.
Nach 2013 Reparatur und Sanierung der Kirche.

Die Dorfkirche in Hohenweiden wurde im 12. Jahrhundert in einem damals eigenständigen Dorf neu erbaut, welches passenderweise den Namen Neukirchen erhielt. Das Bauwerk liegt eingebettet im Ort auf einer durch die ehemalige Friedhofsmauer malerisch umschlossenen Wiese, die durch Buschwerk und Bäume gesäumt wird. Die Kirche zeigt sich als regional typischer einschiffiger, recht großer Saalbau mit dreiseitigem Chorabschluss und Westquerturm. Dieser besitzt romanische Doppelarkaden an den Seiten und eine Dreifacharkade im Westen. Eine weitere Öffnung nach Osten ist durch die Erweiterung des Kirchenschiffes vermauert worden (s. Bilder). Auf das Satteldach des Westturmes ist ein barocker Dachreiter mit Laterne und Turmknopf mit Wetterfahne aufgesetzt worden. Das Kirchenschiff besitzt im Osten einen dreiseitig spätgotischen Chorabschluss, der an beiden Seiten ein Rundbogenfenster und zentral eine vermauerte rundbogige Öffnung zeigt. An der Chornordseite ist außen eine breite Vermauerung erkennbar, durch die zu napoleonischen Zeiten (als die Kirche als Stall genutzt wurde) die Pferde hinein und heraus gebracht wurden. Auf der Nordseite ist ebenfalls eine Vorhalle angebaut, welche früher in den hiesigen Gefilden auch als Aufbahrungshalle bei Beerdigungen genutzt wurde. Die Fenster des Kirchenschiffes sind als hohe Rundbogenfenster mit Sandsteinlaibungen ausgeführt, die sich auf dem unverputzten Bruchsteinmauerwerk absetzen. Das Innere zeigt sich hell und weit, die Wände sind in Weiß verputzt. Der Raum wird von einer flachen, in dunklem Holz gehaltenen Tonne überwölbt, die einen Kontrast zu den hellen Wänden erzeugt und dem Raum ein geborgenes Gepräge gibt. Im Zentrum des Blickes liegt die mächtige (die gesamte Raumbreite einnehmende) Altarfront mit angedeuteten Säulen samt ionischen Kapitellen, die in drei Felder untergliedert sind. Die beiden äußeren Felder zeigen barockes Reliefschnitzwerk und florale Ornamentik sowie zwei Jakobsmuscheln. Das Mittelfeld, wo einstmals der Kanzelkorb war, zeigt eine Zierkartusche mit eingeschriebenem Bibelwort. Der Schalldeckel ist noch erkennbar. Der Giebel besteht aus zwei sich zur Mitte hin aufschwingenden Teilen – in der Mitte ist ein einem angedeuteten Strahlenkranz ein Puttenkopf zu sehen. Zwei Zierpokale links und rechts schließen die Altarfront ab. In der Nordwand des Altarraumes hat sich ein schlichtes, gotisches Sakramentshäuschen erhalten. Der ehemalige Kanzelkorb mit vorspringendem, halbrunden Mittelfeld steht heute ebenerdig, besitzt ein florales Relief. Legenden besagen, dass er einst durch einen beleibten Pfarrer Schäden erlitt, sodass er zur Sicherheit des Altars und des Pfarrers ebenerdig aufgestellt wurde… Der Altar selbst ist als schlichter, steinerner Block ausgeführt. Der Taufstein besitzt einen breiten, quadratischen Schaft auf dem sich das kelchförmige Becken befindet, welches mit vier Reliefs von geflügelten Puttenköpfen verziert ist und eine eingemeißelte Jahreszahl trägt. Die Empore ist hufeisenförmig ausgeführt, eingeschossig und besitzt eine hölzern durchbrochene Balustrade. Der Raum wirkt edel und weit – durch die holzsichtige Ausstattung geborgen und warm und wird viel und gern genutzt.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen von Th. Schildt.
Kirchengeschichte: Johannes Richter mit mündlichen Informationen des Vorsitzenden des GKR

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