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Orgel: Salzatal / Zappendorf-Köllme – St. Marien

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Gebäude oder Kirche

St. Marien

Konfession

Evangelisch

Ort

Salzatal / Zappendorf-Köllme

Postleitzahl

06198

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Salzatal/Zappendorf-Köllme (D-ST) – ev. Kirche St.Marien – Einzel- und Vollgeläut (Turmaufnahme)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1740 Neubau einer nicht näher definierten Orgel.
1803 Bericht über einen “Lehrer und Organist”.
1818/19 erste Erwähnungen von Kalkantengeld
1816 Schenkung einer Orgel mit einem Manual und Pedal an die Kirche Köllme, Disposition und Erbauer unbekannt, Heinrich Tiensch kommt in Frage.
1896 Neubau einer einmanualigen pneumatischen Kastenladenorgel mit acht Registern als Opus 185 von Orgelbauer Wilhelm Rühlmann (Zörbig) als vorderspielige Werk mit fest angebautem Spieltisch.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken.
1950er Jahre Ersatz der Prospektpfeifen durch Zinkpfeifen, hergestellt aus Innenpfeifen unbekannter Herkunft.
1980 Die Orgel ist noch sehr gut spielbar und ist mit einem elektrischen Winderzeuger ausgestattet.
2021 Das Instrument ist durch schwere Störungen und Schäden nur noch partiell spielbar.

Schaut man sich den Raum der Kirche in Köllme an, so sticht in dieser barocken Pracht der schlichte neoromanische Orgelprospekt mit seinen vier durch Pilaster getrennten Flachfeldern mit Rundbögen und dem aufgesetzten Zinnenkranz auf der 1896 im Zuge des Neubaus erweiterten, halbbogigen Orgelempore doch deutlich hervor. Der schlichte holzsichtige Spieltisch ist vorne am Gehäuse angebracht, die Balganlage steht hinten im Turmraum. Die Windlade des Manuals ist chromatisch aufgeteilt, hinterständig an der Rückwand steht das Pedal, die Windladen sind als Kastenladen ausgeführt.
Die Disposition zeigt, dass Rühlmann sich bei den Planungen für einen Neubau stehts auf den Raum einließ, ihn akustisch erfasste und nach diesen Gegebenheiten seine Instrumente erschuf. Der kleine Raum mit seiner reich aus Holz geschaffenen Ausstattung ist akustisch sehr trocken – einen Nachhall gibt es quasi nicht. Hohe und mehrchörige Register klingen in diesen Räumen oft spitz, scharf und schrill. Wichtig ist vielmehr eine kräftig obertonreiche Disponierung und Intonation von Grundstimmen, da das Holz viel “Kraft” des Klanges schluckt und absorbiert. Diese Spezifikationen des Raumes setzte Rühlmann in der Gestaltung um und disponierte in der Orgel nur Acht- und Vierfußstimmen, dafür sorgt das Pedal mit zwei Registern jedoch für ein kraftvolles Fundament. Andere Orgeln dieser Größe in weniger akustisch trockenen Räumen besitzen dann wieder einen 2′, hier jedoch kommt die Kraft und der Glanz aus den abgestuften Grundstimmen. Die Anlage der Orgel als einmanualiges Instrument entspricht den Bedürfnissen der Gemeinde nach Führung bzw. Unterstützung ohne konzertanten Anspruch und richtet sich damit nach den vor Ort vorhandenen Kräften und ihrem musikalischen Können, sowie der Aufgabe der Orgel als Begleitinstrument der Gemeinde.
Die Grundstimmen sind reich abgestuft in allen Facetten, als Streicher, lyrisch-dunkles Gedeckt, offen starke Flöte und machtvoll-singender Principal – aufgehellt durch eine spritzig-helle Flöte und eine starke bzw. sehr obertonreiche Octave 4′. Oktavkoppeln besitzt das Werk nicht. Das Pedal, bei acht Registern immerhin ein Viertel der Stimmen umfassend (in Müllerdorf sind es bei 4 Registern mehr ebenfalls nur 2 Pedalstimmen!) grundiert den Klang kraftvoll und tragfähig, der Principalbaß schafft Klarheit und Linienführung im Pedal.
Der Zustand der Orgel ist heute, wohl auch durch die sehr seltene Nutzung der Kirche bedingt, nicht besonders gut. Nur noch wenige Töne im Baß- und Discantbereich lassen sich spielen, einzelne Register gar nicht mehr einschalten. Die Mittellage ist gar nicht spielbar, was auf ernsthafte Defekte in der pneumatischen Anlage schließen lässt. Die Windanlage ist undicht, der Motor geräuschvoll und undichte Stellen in Kanälen und Windladen erzeugen ein immer vorhandenes Rauschen bei laufendem Motor. Der Verfall des Instrumentes muss rapide gewesen sein, denn noch in den 80er Jahren ist die Orgel laut Martin Rost in einem sehr guten Zustand gewesen. Genau diese Orgeln sind es, die wichtige Zeugnisse über das musikalische Arbeiten in kleineren Orten und über die Ausführung der Musik der damaligen Zeit ablegen. Hoffen wir, dass trotz aller Widrigkeiten und trotz der schlecht stehenden Zeiten der Köllmer Orgel dennoch eine Zukunft beschieden ist.

Disposition

Manual C – f”’

Principal 8′ (C-H gedeckt, ab c° offen)

Gamba 8′ (C-H Holz, gedeckt, ab c° offen)

Hohlflöte 8′ (Holz, ab c° offen, ab c” Zinn)

Gedact 8′ (durchg. Gedeckt, ab g” Zinn)

Octave 4′ (Zinn)

Flauto traverso 4′

Pedal C – d’

Subbaß 16′ (durchg. Holz, gedeckt)

Principal bass 8′ (Holz, offen) 

 

Spielhilfen

Als Registerschalter rechts: Pedal coppel, Volles Werk [Collectivschalter], Calcant [außer Funktion]

Gebäude oder Kirchengeschichte

Um 1150 Errichtung einer Kirche als Ersatz für eine hölzerne Missionskapelle.
1598 Guss der der großen Glocke durch Eckhart Kucher (Erfurt)
1601 Guss der kleinen Glocke durch Georg Wolters aus Halle.
17. Jahrhundert Schäden im Dreißigjährigen Krieg und durch Brand im Ort – anschliessende Restaurierung.
Um 1650 Errichtung der Empore und Schaffung des damals noch freistehenden Kanzelkorbes.
1740 Errichtung des Kanzelaltares unter Einbeziehung des alten Kanzelkorbes.
Um 1740 Schaffung von Taufgestell und Lesepult, dabei auch Vergrößerung der Kirche.
1860 Neubau des Glockenstuhls.
19. Jahrhundert Erweiterung der Orgelempore im Westen durch eine bogenförmige Brüstung.
1917 Abgabe einer Glocke zu Rüstungszwecken.
2011 Einbau einer neuen Steuerung und neuen Klöppeln für beide Glocken.

Die Dorfkirche in Köllme liegt eingebettet in eine kleine Erhöhung, umgeben von hohen Bäumen (u.a. von einer uralten Buche) und ist somit nicht auf den ersten Blick zu entdecken, liegt dafür aber umso malerischer – vor allem im Herbst, wenn die Blätter der Buche durch das Sonnenlicht golden leuchten und den ganzen Kirchhof in ein warmes Licht tauchen. Die Kirche selbst ist ein einschiffiger Bruchsteinbau mit geradem Ostabschluss, der durch zwei kleine, schießschartenartige Fenster durchbrochen wird. Die Wände umfassen hohe ummauerte Fenster mit flachem Halbbogen im Norden und halbbogige Fenster auf der Südseite. Im Westen schließt der breite Westquerturm mit einem Satteldach und romanischen Schallarkaden mit Pilastern und Würfelkapitellen in der Glockenstube den Kirchsaal ab. Auf der Nordseite befindet sich ein romanisches Portal mit zweigeteiltem Tympanon und Rosetten, sowie ein Türflügel mit schlichten romanischen Beschlägen. Das Gotteshaus überrascht beim Betreten mit einer hochwertigen und reichen barocken Ausstattung. Eine flache Holzbalkendecke überspannt den kleinen, warm und geborgen wirkenden Raum. Der Kanzelaltar nimmt die gesamte Ostseite ein – er besitzt einen schlichten, blockartigen Altartisch mit einteiliger Steinmensa, darüber im Altar in der Predella ist eine Darstellung des letzten Abendmahles zu sehen. Zwei mächtige korinthische Säulen mit farblich abgesetzten Kapitellen umrahmen den Kanzelkorb, der von einer früheren Kanzel stammt. Er ist mit vorschwingenden, sich nach unten verjüngenden Pilastern sowie floraler Schnitzornamentik in den Flachfeldern verziert. Die seitlichen Altarsäulen besitzen Akanthusschnitzwerk. Der schlichte Schalldeckel besitzt Vorhangdekor aus Holz geschnitzt – darüber befindet sich ein gerader Sims. Darauf bekrönt eine Zierkartusche, umgeben von Wolkenzier, den Altar, flankiert von zwei aufblickenden Putten, die die Gesetzestafeln des neuen Bundes mit Mose sowie ein Kreuz halten. Der Kanzelaltar ist eine schmuckvolle, heute leider etwas verblichen hochwertige Arbeit – ebenso das in selbiger Zeit entstandene Taufgestell mit reichem Bandeldekor und Engelsköpfen, das gleichzeitig durch einen Aufsatz als Lesepult nutzbar ist. Rechts vom Altar befindet sich eine kleine Loge, ein kleiner Beichtstuhl mit vergitterten Fenstern, welcher ansonsten schmucklos ist. Die Empore ist als Hufeisenempore ausgeführt und ruht auf schmucklosen Stützen, ihre flachen Felder sind ebenso schmucklos, aber durch farbige Rahmen akzentuiert. Im Westen schwingt die Empore (deren Bauweise dort eindeutig auf das 19. Jahrhundert hinweist) in einem geschwungenen Bogen nach vorne aus. Der Turm trägt mit dem Duett der Renaissance-Glocken einen der wertvollsten Glockenbestände im Saalekreis. Eine häufigere und intensivere Nutzung dieses geborgen edlen und ernsten Raumes wäre sehr zu wünschen.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen aus: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964
Kirchengeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen eines Aushangs in der Kirche und mündliche Informationen von Martin Bröker

Glockenvideo von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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