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Orgel: Salzatal / Beesenstedt-Schwittersdorf – St. Vitus

Gebäude oder Kirche

St. Vitus

Konfession

Evangelisch

Ort

Salzatal / Beesenstedt-Schwittersdorf

Postleitzahl

06198

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Salzatal/Beesenstedt-Schwittersdorf (D-ST) – ev. Kirche St.Vitus – Läuten der Glocke (Turmaufnahme) – Kanal JRorgel Youtube



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1891 Neubau der Orgel mit pneumatischen Kegelladen als Opus 114 durch Wilhelm Rühlmann (Zörbig). Es handelt sich dabei um ein vorderspieliges Werk mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal hinter einem neogotischen Gehäuse. Die Orgel entstand zusammen mit dem Bau der Kirche.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn, später Ersatz durch Zinkpfeifen durch die Erbauerwerkstatt.
1930er Jahre Einbau eines elektrischen Winderzeugers.
1978 letzte Wartung der Orgel (Inschrift am Windkanal hinten).
Später Verschlechterung des Zustandes der Orgel durch mangelnde Nutzung der Kirche. Die Orgel ist heute nicht mehr spielbar, einige wenige Töne lassen sich ihr noch entlocken.

Die Rühlmann-Orgel in Beesenstedt-Schwittersdorf zeigt sich im typischen Stil ihrer Erbauerwerkstatt um die Jahrhundertwende – zwei Manuale, fein abgestuft, das Hauptwerk auch bei wenigen Registern auf 16′ basierend mit reichen Grundstimmen, welche im zweiten Manual nochmals weiter aufgefächert und durch einen leisen 4′ erweitert werden. Das Pedal übernimmt die klassische Stützfunktion. Bemerkenswert ist das Fehlen des 2′ im Hauptwerk, der eigentlich für diese Zeit bei Rühlmann typisch war – doch scheint die Akustik in der Kirche für die Orgel sich so verhalten zu haben, dass die Integration der 2′-Reihe in die Mixtur als ausreichend erschien. Die Gravität und Kraft kommt aus den reichen Grundstimmen, ergänzt durch Mixtur und Principal 4′. Leider ist das Werk nicht mehr spielbar, gleichwohl sich einige Heuler hören und einige Tasten betätigen lassen. Der Zustand des Instrumentes ist, im Gegensatz zu dem der Kirche, als bedenklich zu bezeichnen. Fehlende Pfeifen waren durch den Autor aber nicht festzustellen.
Das Instrument ist damit ein klassisches Beispiel für den Rückgang der Kirche in dieser Region. Die Kirche wird kaum genutzt, da der Ort heute zu Beesenstedt gehört und die Gemeinde die dortige Kirche nutzt, sodass Kirche und Orgel in Schwittersdorf stiefmütterlich, wenn nicht sogar ignorant behandelt werden – leider ist dies hier traurige Realität geworden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser nicht unbedingt besonderen oder herausragenden, aber doch wertvollen und handwerklich hervorragend gearbeiteten Orgel angenommen und sie gerettet wird.

Disposition

I – Hauptwerk C – f”’

Bordun 16′

Principal 8′

Hohlflöte 8′

Gambe 8′

Principal 4′

Mixtur 3fach

II – Oberwerk C – f”’

Lieblich Gedackt 8′

Flauto trav. 8′

Salicional 8′

Flauto amab. 4′

Pedal C – d’

Subbaß 16′

Violon 8′

 

Spielhilfen

Als Registerschalter mittig über dem 2. Manual:
Manual Coppel [II/I], Pedal Coppel [I/P]

Als Registerschalter ganz rechts:
Calcant (heute funktionslos)

In der Vorsatzleiste unter dem 1. Manual:
Auslöser, 3 feste Kombinationen p, mf, ff (ausgeführt als Drücker aus Metall)

Gebäude oder Kirchengeschichte

Um 1200 Bau einer ersten Kirche im Ort.
Im 17. Jahrhundert diverse Umbauten.
1637 Entstehung des Taufsteins
1699 Guss der heutigen Glocke durch Johann Jacob Hoffmann (Halle). Schwittersdorf hatte zu dieser Zeit noch eine eigene Pfarrstelle.
1890 – 1891 Neubau der heutigen Kirche im Stil des Historismus mit vorrangig neogotischen Elementen und einer Innenausstattung aus der Werkstatt für Kirchliche Kunst G. Kuntzsch (Wernigerode).
1960er Jahre Entfernung des neogotischen Altaraufsatzes, Ersatz durch ein sehr schlichtes Holzkreuz.
Heute wird die Kirche sehr selten genutzt, ist aber in gutem baulichen Zustand.

Die Kirche St. Vitus in Schwittersdorf zeigt sich heute als wahres Kleinod im Stil des durch Neogotik dominierten Historismus. Das einschiffige Saalbauwerk mit dreiseitigem Chorabschluss ist aus gelben Klinkersteinen erbaut, die Fenster sind als Spitzbogenfenster ausgeführt, im Westen steht der Turm auf rechteckigem Grundriss mit hoher Spitze. Der (heute) schlichte Innenraum wird von einer mit Querbalken abgesetzten spitzbogigen Holztonne überwölbt. Der Chor ist mit einem steinernen Spitzbogengewölbe versehen und zeigt hinter dem schlichten Holzkreuz drei ebenso dezente Buntglasfenster. Die Empore umgibt u-förmig den Raum, auf ihr befindet sich die Orgel mit ihrem dreifeldrigen neogotischen Prospekt mit dezenten neogotischen Elementen. Die polygonale Kanzel zeigt spitzbogige Felder ohne weitere Zier auf einem reich verzierten Fuß. Die Kirche zeigt sich als durchaus heller und freundlicher Raum, dem eine häufigere Nutzung nur zu wünschen wäre.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter – basierend auf eigener Sichtung und Angaben vor Ort
Kirchengeschichte: Johannes Richter – basierend auf eigener Sichtung und Angaben vor Ort

Glockenvideo von Johannes Richter auf dem Kanal JRorgel

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