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Orgel: Rangsdorf – Dorfkirche

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Gebäude oder Kirche

Dorfkirche

Konfession

Evangelisch

Ort

Rangsdorf

Postleitzahl

15834

Bundesland / Kanton

Brandenburg

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Rangsdorf (D-BB) – ev. Kirche – Einzel- und Vollgeläut (Turmaufnahme)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1855 Neubau einer seitenspieligen mechanischen Schleifladenorgel durch Wilhelm Remler/Berlin I/8.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen, Ersatz durch Zinkpfeifen.
Um 1970 Reparatur, Überholung und Dispositionsänderung durch Ulrich Fahlberg/Eberswalde, dabei auch Einbau neuer Prospektpfeifen aus Zinn.

Die Remler-Orgel in Rangsdorf ist eines der vielen Instrumente, welches die produktive Werkstatt in Berlin verließ. In der Region Teltow-Fläming finden sich noch einige weitere Orgeln dieses Meisters. Es handelt sich dabei meistenteils um kleine, mechanische Instrumente, deren Fokus auf der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste, weniger auf großem konzertanten Spiel liegt. Das Werk in Rangsdorf wurde von Ulrich Fahlberg einst im neobarocken Stile umdisponiert.
Die Orgel steht auf der Westempore in einem wirkungsvoll-dezenten, dunkel lasierten Gehäuse, welches durch das geheimnisvolle Silberspiel der Prospektpfeifen akzentuiert wird. Drei Pfeifenfelder – umrahmt von Rundbögen – bilden die Schaufront. Das Mittelfeld ist das Größte und besitzt einen dreieckigen Giebel als Bekrönung. Der Spieltisch ist wie bei vielen Orgeln der Firma Remler seitlich angebracht und besitzt in einer Reihe angeordnete Registerzüge über dem Notenpult mit recht kurzen Zugwegen. Im Inneren befindet sich eine chromatische Windlade für das Manualwerk und hinter dem Stimmgang eine Weitere für die beiden Pedalregister.
Die Disposition zeigt sich heute quasi neobarock, aber dennoch angemessen für den Raum. Ein rundes, grundtöniges, tragfähiges Gedackt bildet die Basis auf der sich ein strahlend heller Principal 4′, eine perlende, etwas spuckende Rohrflöte 4′, ein herber Nasard 2 2/3′ von flötiger Mensur, eine glitzernd, leicht hart ansprechende Octav 2′ sowie eine silbern glänzende, jedoch nicht harte oder gleißende Mixtur aufbauen. Das Pedal besitzt zwei Register: einen tragfähigen, füllig-vollen Subbass und einen starken, leider etwas fundamentlosen Choralbass 4′, der sich gut für hervorgehobene Cantus-Firmus-Stimmen eignet, sonst im Pedalklang aber wenig Daseinsberechtigung hat. Die Pedalkoppel sei also dringend empfohlen.
Der Gesamtklang ist farbig, vielfältig und für Gottesdienste gut geeignet – für den Raum durchaus angemessen. Die Orgel spielt sich wie viele Remler-Orgeln eher rustikal, sprich mit deutlichem Druckpunkt und recht schwergängigem Spielgefühl, welches durch die langen Tastenarme hervorgerufen wird. Der Zustand des Werkes ist gut. Eine Restaurierung mit Dispositionsrückführung wäre der Orgel dennoch sehr zu wünschen.

Disposition

Disposition bei Besichtigung 2020

Manual C – f“‘

Gedackt 8′

Prinzipal 4′

Rohrflöte 4′

Nasard 2 2/3′

Oktav 2′

Mixtur 1′ 3 fach

Pedal C – d‘

Subbass 16′

Choralbass 4′

 

Disposition bei Erbauung der Orgel 1855

Manual C – f“‘

Principal 8′

Gedact 8′

Salicional 8′

Octav 4′

Flöte 4′

Octav 2′

Pedal C – d‘

Subbass 16′

Violon 8′

 

Spielhilfen

Als Fußtritt zum Einhaken mittig über dem Pedal: Pedalkoppel

Gebäude oder Kirchengeschichte

12./13. Jahrhundert Bau einer ersten Kirche in Rangsdorf.
1695 brannte die Kirche nieder.
1700 Errichtung eines neuen Kirchbaus unter Ernst Adam von Hake.
1706 Fertigung des barocken Altars durch Detloff Maschmann/Potsdam.

Heutige Kirche
1888 Beginn eines klassizistischen Neubaus der Kirche auf Initiative des Rittergutsbesitzers und Kirchenpatrons Richard Spiekermann.
1890 Fertigstellung und Kirchweihe.
1890 Guss zweier Glocken durch Gustav Collier/Berlin-Zehlendorf – Nominale cis“, e“.
1917 Abgabe einer Glocke zu Kriegszwecken.
1955 Guss einer neuen Glocke bei Schilling&Lattermann aus Eisenhartguss – Nominal cis“. Einbau eines neuen Glockenstuhles und gekröpfter Joche.
1986 Ausbau der Kirchenbänke.
2016-18 umfassende Sanierung der Kirche – dabei Erneuerung der Beleuchtung und Einbau einer Mikrofonanlage.

Die Dorfkirche in Rangsdorf liegt in der Nähe des Rangsdorfer Sees auf einer kleinen Wiese im Ort, die ehemals den Kirchhof beherbergte. Das Bauwerk zeigt sich in seiner heutigen aprikosenorangenen Farbe in äußerst schmucken und ästhetisch klassizistischen Formen. Die Rangsdorfer Kirche ist als einschiffige Saalkirche mit dreiseitig eingezogenem Chorraum im Osten und Turm im Westen erbaut. Die beiden Fenster im Chorraum und die Fenster des Kirchenschiffes sind als rundbogige Segmentbogenfenster mit verputzten Laibungen und Schlussstein in Form eines Puttenkopfes ausgeführt. Die Ostwand des Chores wird durch einen großen Segmentbogen mit Blende und darunter liegender Tür gebildet und gegliedert. Die Seitenwände des Kirchenschiffes stehen deutlich über Chor und Turm hervor. Der Turm erstreckt sich auf rechteckigem Grundriss im Westen beinahe über die gesamte Breite des Bauwerkes. Im Untergeschoss sind zwei Segmentbogenfenster mit Puttenkopf als Schlusstein angebracht – zwei Giebel lassen den quadratischen Turmaufsatz harmonisch in das rechteckige Untergeschoss münden. Über dem durch zwei eckige Pilaster flankierten Westportal ist eine Gedenktafel an den Kirchenpatron angebracht. Das Glockengeschoss besitzt an drei Seiten rundbogige Schallfenster. Darüber befindet sich, von Lisenen getragen, das Geschoss mit dem Uhrwerk. Alle vier Turmseiten tragen je einen Dreiecksgiebel mit Ziffernblatt. Darüber erhebt sich der Spitzhelm mit Turmknopf und Kreuz. Das Kirchenschiff besitzt ein schlichtes Satteldach.
Das Kircheninnere ist hell und freundlich. Eine flache verputzte Decke, getragen von einem mehrfach gegliederten Gesims, überspannt den Raum. Im Zentrum des Blickes liegt der durch die Buntglasfenster des Chorraumes geschmackvoll umrahmte Kanzelaltar, welcher erst seit 1890 solch einer ist – vorher stand die Kanzel separat und wurde erst im Zuge des Neubaus 1890 mit dem Altar zusammengeführt. Der Kanzelaltar ruht auf einem quaderförmigen Unterbau, der durch gold umrahmte Kassettenfelder verziert ist. Zwei Weinlaubsäulen mit in blau gefärbten Trauben flankieren den polygonalen Kanzelkorb, dessen rot gefärbte Kassettenfelder von blauen Weinlaubsäulen mit vergoldetetem Puttenkopf am oberen Ende gerahmt werden. Die flankierenden Säulen besitzen vergoldete korinthische Kapitelle über denen sich giebelgleich ein über die ganze Breite des Altars reichendes, florales und heute in Gold gefasstes Zierband erstreckt. Der Schalldeckel trägt einen Strahlenkranz in goldener Farbe. Zudem besitzt der Altar zwei dezent geschnitzte Akanthuswangen. Zwischen Kirchsaal und Altarraum befindet sich eine verzierte Voute als Durchgang. Die Flachdecke des Altarraumes ist mit stilisierten Sonnenstrahlen bemalt. Die Fenster des Kirchenschiffes besitzen eine Umrahmung aus Buntglas – statt der Kirchenbänke stehen heute Stühle im Raum. Die Empore ruht auf zwei zentralen Weinlaubsäulen und besitzt in der geschlossenen Brüstung gold gerahmte, breite Flachfelder, die sich wirkungsvoll auf dem weißen Untergrund abheben. Darüber liegt ein schmales goldenes Zierband. Der Orgelprospekt übt sich durch die dunkle Farbe in edler Zurückhaltung, schmückt den Raum aber angenehm aus. Der Raumeindruck ist hell, erhaben, freundlich und ernst – voll innig empfundener Freude.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter, 28.12.2020
Orgelgeschichte: Johannes Richter – eigene Sichtung vor Ort 28.12.2020, ergänzt durch Informationen zur Kirche Rangsdorf auf altekirchen.de, abgerufen am 02.12.2021
Kirchengeschichte: Georg Dehio (Bearb. Gerhard Vinken u. a.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4.

Glockenvideo von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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