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Orgel: Querfurt / Vitzenburg – St. Johannes der Täufer

Gebäude oder Kirche

Schlosskirche St. Johannes der Täufer

Konfession

Evangelisch

Ort

Querfurt / Vitzenburg

Postleitzahl

06268

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1718 Neubau einer einmanualigen Orgel durch Johann Christoph Mocker im erhaltenen Gehäuse – Mocker baute u.a. zu dieser Zeit auch in Weißenschirmbach.
1929 nach mehreren Revisionen der Mocker-Orgel Neubau mit pneumatischen Kegelladen durch Wilhelm Rühlmann (Zörbig) als Op.43? und neun Registern auf zwei Manualen und Pedal – die Opusnummer kann aufgrund des Fehlens des Firmenschildes und widersprüchlicher Angaben nicht mehr genau rekonstruiert werden.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn und Ersatz durch Zinkpfeifen durch die Erbauerwerkstatt
1945 Aufgabe von Kirche und Orgel – seitdem keine weitere Pflege, sondern Plünderung und Zerstörung des Instrumentes.

Die Rühlmann-Orgel in Vitzenburg ist wohl als verloren zu bezeichnen, ihr Zustand ist, ebenso wie der des Bauwerkes, von jahrzehntelanger Nichtnutzung und Nichtbeachtung geprägt. Der Zustand des Instrumentes bzw. des noch erhaltenen Torsos ist mehr als bedenklich – sämtliche Registerschilder und Schalter fehlen, teilweise wurden die Prospektpfeifen gestohlen, sämtliches Metallpfeifenwerk wurde geplündert, lediglich große Teile der Holzpfeifen, u.a. Hohlflöte II und Flauto traverso I sind noch vorhanden, die Rasterbretter wurde teils gewaltsam abgebrochen. Die Windladen sowie der technische Unterbau sind erhalten, aber stark beschädigt, verschmutzt durch herabfallenden Putz und Schilf von der Decke, das ganze Innere ist stark beschädigt, die Windanlage quasi nicht mehr vorhanden. Im gleichen bedauerlichen Zustand präsentiert sich der Spieltisch. Gleichwohl der Zustand bejammernswert ist, so ist es wohl dem Betrachter auch geboten, sollte nicht noch ein Wunder geschehen, diese Orgel als verloren zu bezeichnen. Leider finden sich auch diese Beispiele traurigen Niedergangs in der reichen Orgellandschaft Mitteldeutschlands, obschon diese Orgel doch ein interessantes Beispiel des Orgelbaus in kleinen Kirchen zwischen ausgehender Romantik und beginnender Orgelbewegung gewesen wäre.

Disposition

I – Hauptwerk C – g”’

Principal 8′

Flauto trav. 8′

Octave 4′

Mixtur 3fach

II – Oberwerk C – g”’

Hohlflöte 8′

Quintadena 8′

Aeoline 8′

Nachthorn 4′

Pedal C – f’

Subbass 16′

 

Spielhilfen

Als Registerschalter mittig über Manual II (Schreibweisen angeglichen):
Manualkoppel [II/I], Pedalkoppel z.M.I, Pedalkoppel z.M.II, Oberoctavkoppel II/I

In der Vorsatzleiste Manual I als Collectivdrücker:
Auslöser, Tutti

Gebäude oder Kirchengeschichte

991 Gründung eines Nonnenklosters in Vitzenburg, damit einhergehend auch Bau einer Kirche.
1121 Auflösung des Klosters nach Neugründung in Reinsdorf, die Kirche blieb bestehen.
13. Jahrhundert Umbau der Kirche, das Untergeschoss des Turmes wohl in diese Zeit zu datieren – die Kirche war damals Pfarrkirche u.a. für Pretitz, Gölbitz und Weißenschirmbach.
1713 – 1715 Umbau der Kirche im barocken Stil, dadurch Ausrichtung von Nordost nach Südwest – Innenausstattung (Kanzelaltar und Empore) aus dieser Zeit erhalten, ebenso wie das achteckige Glockengeschoss – fortan Nutzung als Schlosskirche – Interessanterweise steht der Altar unter dem Turm!
1573 Guss zweier Glocken durch Eckhardt Kucher aus Erfurt.
1868 erneute Veränderung von Turm und Kirchenschiff, dabei Aufsatz der heutigen Turmspitze und Schaffung der heutigen großen Spitzbogenfenster.
1898 Guss einer dritten Glocke durch Schilling (Apolda), 1917 Ablieferung dieser Glocke.
1930er Jahre Änderung der Farbfassung in der Kirche.
1945 Aufgabe der Kirche, danach jahrzehntelange Nichtnutzung, Plünderung und Beschädigung.
1995 Sicherung des Turmes.
1998 Reparatur der Dächer.
Bis 2000 Neuverfugung der Außenmauern.
2014 Reparatur einiger der großen Eisengussfenster, andere sind bis heute durch große Spanplatten verdeckt (siehe Bilder)

Die Kirche in Vitzenburg zeigt sich als gedrungener Saalbau mit Westturm samt kleinen Treppentürmchen, das Untergeschoss des Turmes ist quadratisch, der Turm wird bekrönt von einer achteckigen Glockenstube und einer hohen Spitze. Im Inneren zeigt sich das Bauwerk als eine heute stark ergraute, stark beschädigte Saalkirche, von hohen Spitzbogenfenstern beleuchtet, dominiert von einem großen barocken Kanzelaltar, dessen Kanzelkorb von zwei hohen ionischen Säulen flankiert wird. Über dem Schalldeckel findet sich ein großer, vergoldeter Strahlenkranz vor einem torartigen Aufsatz. Reste der einstmals prachtvollen Innenausstattung finden sich in Gestalt der Loge links vom Altar, darunter eine gusseiserne Platte in Gestalt eines gestauchten eisernen Kreuzes zum Gedenken der Opfer im ersten Weltkrieg. Rechts vom Altar befindet sich ein reich verziertes Epitaph, bekrönt von einer weinenden Putte, die die Hand vor das Gesicht hält. Fast ironisch weist der Kanzelkorb in Gold gefasst die Inschrift auf: Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit – das mag man angesichts des bedauernswerten Zustandes der Kirche, deren Innendecke, ausgeführt als Schilfdecke mit weißer Kalkung, fast vollständig zerstört ist. Im Turmraum hinter dem Altar, der wie eine kleine Kapelle von einem Spitzbogengewölbe gotischer Art überwölbt wird, findet sich ein weiteres reich gestaltetes Epitaph – auch hier ist die Bausubstanz stark angegriffen. Die Empore, einstmals u-förmig zweistöckig den Raum umfassend, ist heute nur noch einfach ausgeführt und deutlich verkürzt, sie wird ebenfalls von ionischen Säulen getragen. Auf ihr steht heute der Torso der Orgel. Die Farbfassung im Innenraum in ihren gedeckten Weiß- und Grüntönen trägt, neben der starken Beschädigung des ansonsten völlig schmucklosen Innenraums, zu einer gewissen Tristesse bei, welche durch die ergrauten Wände, das zerstörte Dach und die deutlich verblasste, aber noch zu spürende Pracht vergangener Tage noch verstärkt wird. Heute ist das Bauwerk trotz baulicher Sicherung in einem bedauernswerten Zustand und wird nicht mehr genutzt. Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit – möge dieses Wort am Kanzelkorb sprichwörtlich für den Zustand dieser Kirche stehen und auch dafür, dass Gottes Wort auch aus diesem Bauwerk nie ganz verschwinden möge.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter – ergänzt durch Informationen von H. Rotermund und aus: Hans-Joachim Falkenberg: Zwischen Romantik und Orgelbewegung – Die Rühlmanns – Orgelbau-Fachverlag Rensch, ISBN 3-921848-19-9
Kirchengeschichte: Wikipedia – ergänzt durch Informationen von H. Rotermund

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