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Orgel: Querfurt / Grockstädt-Spielberg – Dorfkirche

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Gebäude oder Kirche

Dorfkirche

Konfession

Evangelisch

Ort

Querfurt / Grockstädt-Spielberg

Postleitzahl

06268

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Querfurt/Grockstädt-Spielberg (D-ST) – ev. Dorfkirche – Einzel- und Vollgeläut (Turmaufnahme)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1786 Beschluss der Ortsgemeinde eine neue Orgel zu erbauen, bisher wurde die Musik auf einem „schlechten Positiv“ gemacht.
1786 Vertragsabschluss mit Christoph Mocker (nicht Johann Christoph Mocker!) aus Roßleben, die Orgel sollte 125 Reichstaler kosten.
1787 geplante Fertigstellung – dieser Termin wurde nicht eingehalten.
1788 Beginn der Orgelbauarbeiten.
Ostern 1790 Fertigstellung der Orgel, Kosten letztendlich 214 Reichstaler plus Verpflegung und Bauholz für den Orgelbauer.
1790 Bescheinigung der Orgel als „vortrefflich geraten“.
Die Orgel wurde erbaut als vorderspielige mechanische Schleifladenorgel I/8.
In folgender Zeit u.a. Pflege durch Hellermann und Apel/Querfurt
Um 1900 Erneuerung der Registerschilder, dabei auch teilweise Umbenennung.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn und Ersatz durch Zink
Nach 1945 keine weitere Pflege des Instrumentes mehr
Ab 1970 durch Schäden am Dach erleidet das Orgelinnere schwere Beschädigungen.

Das Instrument ist zwar erhalten, aber beschädigt und unspielbar.

Die Orgel in der kleinen Dorfkirche in Spielberg ist ein bemerkenswertes Instrument und schien schon damals eine besondere Bedeutung zu haben, da extra wegen des Neubaus die Kirche um etwa 4 Meter nach Westen verlängert wurde, um dem neuen Werke Platz zu geben. Ebenso interessant ist sein Erbauer – Christoph Mocker. Die beiden bekannten Anverwandten, Johann Christoph Mocker und sein Vater Christoph Mocker, starben beide 1770 bzw. 1753, die Orgel in Spielberg ist aber nachweislich 1790 erbaut. Der Name Christoph Mocker ist aber
bisher nicht bekannt, wird aber in den Akten eindeutig genannt – zusammen mit der Jahreszahl Ostern 1790 als Neubau – vorher wird nur ein „schlechtes Positiv“ erwähnt. Dort wird eine weitere Forschung sicher interessante Ergebnisse hervorbringen.
Die Orgel besitzt einen Prospekt, wie er für die Region typisch ist. Ein überhöhter, halbrund vorspringender Mittelturm wird von zwei kleinen Flachfeldern sowie zwei außen angebrachten spitz zulaufenden Türmen gerahmt – oben durch einen mehrfach vorspringenden Giebel abgeschlossen. Das Schleierwerk ist schlicht und mit floraler Motivik versehen. Der Spieltisch ist frontal als Spielschrank ins Gehäuse eingelassen und besitzt seitliche Flügeltüren. Die Manualuntertasten sind aus Ebenholz, die Obertasten mit Knochenbelag gefertigt. Die Registerzüge befinden sich symmetrisch zu beiden Seiten des Notenpultes und besitzen heute Registerschilder aus Papier, die in Schreibschrift, nicht in Sütterlin, beschriftet sind.
Im Inneren befindet sich eine in Terzen geteilte Manualwindlade. Hinter einem geräumigen Stimmgang stehen die beiden Pedalregister ebenerdig in C/Cis-Teilung und ragen oben durch die darüber liegende Empore, sodass dort ein dreieckiges Schutzdach über die Pfeifen erbaut wurde, um sie vor rieselndem Schutt, Schmutz und Witterung durch das Dach zu schützen. Beide Windladen besitzen Wellenbretter. Bemerkenswert ist die Lage der Balganlage: Diese befindet sich unter der Orgel, ebenerdig im Kirchenschiff in der heutigen Winterkirche in einem Holzverschlag, der heute leider als Abstellkammer dient und die Bälge mit als Abstellfläche nutzen lassen. Jene Bälge sind als übereinander angeordnete Keilbälge gebaut, der Windkanal verläuft vertikal durch die Decke in die Orgel. Die Orgel besaß nie einen elektrischen Winderzeuger – auf eine Betätigung der Balganlage wurde während der Dokumentation verzichtet.
Die Disposition liest sich durchaus ungewöhnlich, eventuell bedingt durch die geringe Deckenhöhe über der Orgelbühne. Ein Achtfußregister grundiert das Manual, darauf ist eine reich aufgefächerte Vierfußpalette aufgebaut, bestehend aus Principal, dessen Pfeifen teilweise im Prospekt stehen, Quintatön sowie einer Gambe. Eine Oktave 2′ sowie eine dreifache Mixtur runden die Klangpyramide nach oben ab. Das Pedal besitzt zwei Register für die Grundierung der Klänge sowie eine gewisse Zeichnungsfähigkeit. Der Violon als Substitut eines Principalbasses war damals im mitteldeutschen Raum nicht unüblich. Ein Sperrventil für das Pedal sowie eine Pedalkoppel sind vorhanden. Zur Klanglichkeit des Werkes kann der Autor leider keine Worte verlieren, das Werk ist unspielbar und hätte ob der vielen beschädigten Pfeifen wohl auch nicht besonders viele Klänge gebracht – die Disposition wäre aber allemal hörenswert!
Der Zustand des Inneren des unspielbaren Werkes ist schlecht. Die Metallpfeifen sind zum Großteil beschädigt, umgeknickt, verbogen und verbeult oder ganz verloren. Besonders schlimm ist dieses Bild in der dreifachen Mixtur, deren Rest eher an ein Trümmerfeld erinnert. Die Holzpfeifen sind zum Großteil noch vorhanden – die des Pedalwerkes sind komplett erhalten. Das Innere der Orgel wird teilweise als Abstellkammer genutzt. Die Abstrakten und Döckchen auf den Wellenbrettern sind aber alle erhalten und nicht beschädigt. Das gesamte Innere des Werkes ist verstaubt und verschmutzt. An der Kanalanlage, sowie vor allem an der Windlade des Pedals und an den Pedalpfeifen bzw. am Spieltisch (dort vor allem am Vorsatzbrett des Pedals und an den Pedaltasten selbst) ist aktiver Holzwurmbefall festzustellen. Das gilt teilweise auch für die das Gehäuse umgebende Empore, nicht aber für das Gehäuse selbst, soweit dies zum Zeitpunkt der Dokumentation ersichtlich war. Dennoch könnte das Werk, wenngleich auch mit viel, eventuell nicht den Verhältnissen, wohl aber dem Wert des Werkes entsprechenden Aufwande rekonstruiert und wieder spielbar gemacht werden. Dies wäre angesichts der interessanten Disposition, der Ermangelung eines anderen Instrumentes in der Kirche, sowie dem Wert dieser Spätbarockorgel mehr als wünschenswert und angemessen – auch wenn es in Anbetracht der seltenen Nutzung des Raumes wohl ein ferner Traum bleiben wird…

Disposition

Manual C, D – c“‘

Lieblich Gedackt 8 Fuß

Principal 4 Fuß

Quintatön 4 Fuß

Viola Gam,,be 4 Fuß (sic!)*

Oktave 2 Fuß

Mixtur 3 Fuß (sic!, meint wohl 3fach)

Pedal C, D – c‘

Subbaß 16 Fuß

Violonbaß 8 Fuß

*das Zeichen ,, ist als Zeilenumbruch zu lesen. 

Spielhilfen

Als Registerzüge links: Sperrventil [für Pedal], Klingel [Kalkantenklingel]
Als Registerzüge rechts: Vacat [Symmetriezug], Pedalcoppel

Gebäude oder Kirchengeschichte

Um 1000 Errichtung einer hölzernen Kapelle als Filiale des Klosters Vitzenburg bzw. der Pfarre Liederstädt.
13. Jahrhundert Errichtung einer romanischen steinernen Chorturmkirche.
1486 Guss der heutigen großen Glocke.
1570 erster evangelischer Pfarrer für Spielberg, die Kirche wird evangelisch genutzt.
1633 im Dreißigjährigen Krieg Schäden an der Kirche durch kaiserliche Truppen, u.a. Zerschlagung der Kirchentür.
1689 Angliederung der Kirche zur Pfarre Reinsdorf.
1712 „Neubau“ der Kirche (meint: Kirchenschiff) für 487 Taler.
1727 Sprung einer Glocke, Umguss im selben Jahre.
1763 Sprung der Glocke von 1727 beim Trauerläuten anlässlich des Todes des Königs.
1767 Neuguss durch Johann Georg Ulrich in Laucha.
Um 1780 Verlängerung des Kirchenschiffes nach Westen anlässlich des Orgelneubaues.
1830 Neuausstattung des Innenraums, Einbau einer Kanzel „mit seitlichen Verschlägen“ (Kanzelaltar?) neue Farbfassung der Wände und des Innenraums, Einbau eines hölzernen Gewölbes über dem Chor.
Nach 1970 Schäden an Bauwerk und Dach.
1989 Erneuerung der Farbgebung des Innenraumes durch Spenden einiger Familien aus dem Ort auf die wohl originale Fassung von 1790.
1997 Reparatur des Turmuhrwerkes.
2010 Gründung eines Fördervereins für die Kirche.
2015 Sanierung des Daches und der Fenster.

Die kleine Dorfkirche in Spielberg ist als in dieser Region nicht unübliche Chorturmkirche, wie sie auch in Grockstädt oder Weißenschirmbach (verändert) zu finden ist. Das Gotteshaus wird oftmals als St. Martin bezeichnet, auch der Förderverein benannte sich so – tatsächlich gründet sich diese Bezeichnung der heute patroziniumslosen Kirche auf eine Verwechslung mit dem etwa 30km südöstlich gelegenen Ortes Spielberg bei Bad Sulza, dessen Kirche den Namen St. Martin trägt.
Das kleine Kirchlein liegt recht unscheinbar umgeben von Häusern, der Turm teils verdeckt durch einen hohen Baum, im Zentrum des Ortes und ist aus Bruchsteinen erbaut. Es handelt sich hierbei um eine kleine Saalkirche mit Ostturm in romanischem Baustil auf rechteckigem Grundriss, an den eine kleine, halbrunde Apsis mit Rundbogenfenstern, deren Laibungen aus Sandstein gemauert sind, anschliesst. Die Apsis hat gemeinsam mit dem Turm alle Zeiten überdauert und wurde, im Gegensatz zu den Pendants in Grockstädt und Weißenschirmbach, nie umgestaltet. Der Kirchturm besitzt romanische Dreifacharkaden mit Rundbögen und runden Kapitellen, sowie ein Satteldach. Auf der Westwand des Turms sind drei vermauerte Öffnungen zu erkennen, die beim Neubau des Kirchenschiffes 1712 verschlossen wurden. Das Kirchenschiff selbst ist barock geformt und rechteckig. Auf der südlichen Westseite ist ein deutlicher Absatz im Mauerwerk zu erkennen, der darauf hin deutet, um wie viel Raum das Kirchenschiff im Zuge des Orgelneubaus erweitert wurde. Die Fenster des Kirchenschiffes sind als Rechteckfenster ausgeführt.
Das Innere zeigt sich überraschend weit und durch die Farben weiß, rot und beige-gelb dominiert. Auffallend sind die mächtigen Turmbögen, die Turm- und Apsisraum spitzbogig vom Kirchenschiff abtrennen und dabei mit roter Steinmauerungen andeutender Malerei verziert sind. Die Apsis besitzt ein Tonnengewölbe, der Turmraum ein hölzernes Gratgewölbe, der Kirchsaal wird von einer weiß gestrichenen, hölzernen Muldendecke überspannt. Mauervorsprünge im Turmraum zeigen eindeutig an, dass dieser früher einstmals eine flache Decke besaß.
Das Innere ist heute im Blick nach Osten sehr schlicht. In der Apsis haben sich auf der Südseite zwei Sakramentsnischen erhalten, die Fenster zeigen schlichte Buntglasmuster. Der Altar selbst besteht aus einem steinernen Blockaltar samt Kruzifix. An der Turmwand zum Kirchenschiff ist weit oben ein Spruchband mit den Worten „Ehre sei Gott in der Höhe“ aufgemalt.
Die erwähnte Kanzel von 1830 ist nicht mehr vorhanden. Die Bezeichnung, dass sie mit seitlichen Verschlägen ausgeführt war, lässt aber die Annahme zu, dass es sich um einen vermutlich vor dem Turmraum aufgebauten Kanzelaltar gehandelt hat, der später verschwand. Die Empore ist doppelgeschossig, der Orgelprospekt ist in die hinter ihm umlaufende Empore integriert. Auf der oberen Ebene mit ihrer niedrigen Deckenhöhe fanden früher die Kinder Platz. Die Empore ruht auf mehrfach vorschwingenden Säulen – die einzelnen Felder sind mit farblich abgesetzten Rosetten verziert. Grüne und rote Zierbänder und -linien setzen auf dem beige-gelb interessante Akzente, die der Orgelprospekt wieder aufnimmt und gen Himmel führt. Der Raum ist edel und erhaben, etwas verspielt, doch von großer Wärme – eine häufigere Nutzung wäre ihm sehr zu wünschen.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen von H. Rotermund
Kirchengeschichte: Johannes Richter, eigene Sichtung vor Ort, ergänzt durch Informationen von H. Rotermund und Informationen aus:
H.H.Bobbe (Hrsg.): „Bruchstücke einiger Nachrichten von Spielberg“, ausliegend als Informationsblatt in der Kirche.

Glockenvideo von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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