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Orgel: Nebra (Unstrut) / Reinsdorf – St. Johannes Baptista

Gebäude oder Kirche

St. Johannes Baptista

Konfession

Evangelisch

Ort

Nebra (Unstrut) / Reinsdorf

Postleitzahl

06642

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1740 Neubau einer Orgel durch Johann Christoph Mocker (Roßleben ?). Der Prospekt ist heute leicht verändert erhalten.

Derzeitige Orgel

1828 Orgelneubau im vorhandenen Gehäuse durch Gottlieb Schönburg (Schafstädt) mit II/24 auf mechanischen Schleifladen mit fest eingebautem Spieltisch.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen, Ersatz durch Zinkpfeifen.
1994 Sanierung und Überholungdes Werkes mit Einbau neuer Prospektpfeifen durch Orgelbau Voigt (Bad Liebenwerda).

Die Schönburg-Orgel in Reinsdorf, von deren Erbauer nicht einmal die Geburtsdaten bekannt sind, zeigt sich als typisches Instrument am Übergang des mitteldeutschen Spätbarock zur Romantik. Nicht nur Gravität und Kraft des Vollen Werkes, sondern vor allem die reichlichst disponierten Grund- und Charakterstimmen aller Bauarten und Farben (Gedackte, Flöten, Streicher, Quintaden, Principale) zeichnen dieses Instrument aus.
Jede Stimme zeigt sich dabei als einzigartig und charaktervoll, dabei aber neben hoher Transparenz auch von durchaus guter Mischfähigkeit gezeichnet (wobei die Mischung aller Grundstimmen dabei noch nicht jene warme romantische Wucht beinhaltet, welche bereits 30 Jahre später vielfach zu finden und zu spüren ist). Alle Grundstimmen zusammen klingen hier doch noch etwas gläsern, verletzlicher und kühler als in der klassischen Hochromantik. Zusammen mit den strahlenden gemischten Stimmen, noch ganz im barocken Gestus verhaftet, eignet sich das Instrument damit ganz besonders für die Frühromantik, wie auch für barocke Musik, da beide Manuale zwar reichlichst Grundstimmen besitzen, diese aber nicht unbedingt additiv einzusetzen sind. Das Oberwerk, zwar ein ebenbürtiger Gegenspieler zum Hauptwerk, aber ohne Klangkrone und “nur” mit Diskantprincipal versehen, ist doch deutlich zurückgenommen. Das Pedal fungiert ganz klassisch als Grundierung. Das Registerschild der Pedalkoppel scheint später gefertigt worden zu sein. Leider ist der Zustand durch weniges Nutzen der Orgel etwas eingeschränkt – leichter Holzwurmbefall ist ebenfalls festzustellen.

Disposition

I – Hauptwerk C – d”’

Bordun 16 F.

Principal 8 F.

Gedact 8 F.

Gemshorn 8 F.

Quintatön 8 F.

Octave 4 F.

Rohrflöte 4 F.

Quinte 3 F.

Waldflöte 2 F.

Mixtur 3 fach

Cornett 3 fach

II – Oberwerk C – d”’

Princ=Discant 8 F. (ab c’)

Flauto traver 8 F.

Gedact 8 F.

Viola du Gamb. 8 F.

Principal 4 F.

Flauto trav. 4 F.

Octave 2 F.

Quinte 1 1/2 F.

Flageolett 1 F.

 

Pedal C – d’

Subbaß 16 F.

Violonbaß 16 F.

Principalb. 8 F.

Posaunbaß 16 F.

 

 

Spielhilfen

Als Registerzüge links – von oben nach unten und außen nach innen:
Tremuli [Tremulant I (!)], Sperv. O. [Sperrventil OW], Pedal Coppel. [I/P, neues Registerschild in Capitalis, nicht Schreibschrift]

Als Registerzüge rechts innere Reihe unten – von oben nach unten:
Sperv. H. [Sperrventil HW], Man.Cop. [II/I], Sperv. Ped. [Sperrventil Pedal]

Gebäude oder Kirchengeschichte

1135 Fertigstellung und Weihe einer großen romanischen Basilika mit zwei Westtürmen, Querhaus, dreischiffigem Langhaus und Chor als Klosterkirche.
14. Jahrhundert gotische Verlängerung / Umgestaltung des Chores mit rechteckigem Grundriss, geradem Abschluss und einem großen Maßwerkfenster (heute noch vorhanden).
1540 Auflösung des Klosters durch den Herzog von Sachsen – in der Folge Verfall der großen romanischen Kirche und Nutzung des Langhauses als Steinbruch.
Ende des 17. Jahrhunderts (nach dem Dreissigjährigen Krieg) Umgestaltung zur Pfarrkirche des noch erhaltenen Querhauses samt Chorraum – das Langhaus existiert nicht mehr. Aus dieser Zeit stammen das heutige Westportal, die Fenster und der achteckige Turm über der ehemaligen Vierung.
1740 Umbau und Umgestaltung im barocken Stil.
2004 Guss dreier neuer Glocken als Ersatz für ein Eisenhartgussgeläut durch die Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer mit der Tonfolge g’- h’- d”.

Das Innere der etwas kurios anmutenden Kirche zeigt sich als ein typisch barock gestalteter Raum mit hohen Fenstern, bestehend aus Querhaus und Chor. Die Kanzel wurde sehr weit nach vorne gerückt, um auch aus den Seitenarmen eine gute Verständlichkeit zu gewährleisten. Der Raumeindruck des Bauwerkes aus Querhaus und Chorraum ist ein durchaus ungewöhnlicher und bemerkenswerter, wird der Blick doch sofort auf den Altar gelenkt. Jener zeigt, von ionischen Säulen gerahmt, eine große gemalte Gethsemanedarstellung – darüber über einem Gesims ist der auferstandene Christus (gerahmt von zwei geschnitzten Engelsfiguren) zu sehen, während die Predella des großen hölzernen Altares eine Abendmahlsdarstellung zeigt. Die schlichte polygonale Kanzel samt Schalldeckel ruht auf einer gewundenen Laubwerkssäule, während der geschnitzte Taufengel aus der Kirche Vitzenburg stammt. Herausragend ist die Stuckverzierung der Decke, welche außergewöhnlich aufwändig und qualitätvoll ist. Die Deckengemälde, welche Szenen aus dem Leben Christi sowie verschiedene Engelsfiguren zeigen, werden u.a. von Lorbeermotivik gerahmt. Ähnlich mit Stuck versehen ist auch die ehemalige Herrschaftsloge. Die Empore, welche in das Querhaus hinein verläuft, ist mit aufwändigem Schnitzwerk versehen. Die heutige Farbgebung stammt aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, sodass der dunkel lasierte Orgelprospekt, sowie der farbige Hochaltar und die Deckenspiegel die Farbakzente im ansonsten weiß getünchten und hellen Innenraum bleiben.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Bilder Dateien Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter mit Informationen von H. Rotermund
Kirchengeschichte: Wikipedia mit Quellen von Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt 2, Regierungsbezirke Dessau und Halle. Deutscher Kunstverlag München Berlin, ISBN 3-422-03065-4, S. 712 und Informationen von H. Rotermund

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