Orgel: Mücheln (Geiselt.) / Gröst – St. Kilian
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Gebäude oder Kirche
St. KilianKonfession
EvangelischOrt
Mücheln (Geiselt.)/GröstPostleitzahl
06632Bundesland / Kanton
Sachsen-AnhaltLand
DeutschlandBildergalerie + Videos
Orgelgeschichte
1765 (ca.) Errichtung einer ersten Orgel in der neu erbauten Kirche, aufgrund der Bauweise der Empore kann angenommen werden, dass es sich hierbei bereits um ein zweimanualiges Werk handelte.
1803 wird das Instrument nur noch als „Überrest der in der ehemaligen Gröster Kirche gestandenen Orgel“ bezeichnet, war also offenkundig unspielbar und nur noch fragmentarisch vorhanden. Ob der Hinweis auf die ehemalige Kirche darauf deutet, dass das Instrument älter als 1765 war, ist ungewiss.
In diesem Jahr war bereits ein Aufriss und Kostenvoranschlag von Trampeli (Adorf) eingeholt worden, welcher für den am 2. Mai 1803 erteilten Auftrag zugrunde gelegt wurde. Es wurde festgelegt, „daß derselbe für die Summe von 1015 Thirn. eine Orgel, welche in allen Stücken der in der St. Ulricher Kirche [Mücheln, Anm. d. Autors] befindlichen Orgel gleich komme, in der Kirche zu Gröst neu erbauen solle“. Es ist durchaus bemerkenswert, dass sich die Gemeinde an dem Instrument in Mücheln orientieren, dieses vielleicht gar übertreffen wollte.
1805 Beginn der Bauarbeiten – dazu vermerkt eine Aufschrift in der Manualwindlade HW: „Johan Conrad Wiegleb Hoforgelbauer aus Bayreuth hat diesen Orgelbau von Trampeli aus Adorf übernommen Ano 1805 den 28 Decemb“
1806 Aufbau einer mechanischen Schleifladenorgel II/25 [dem Bericht Trampelis zufolge 24 Register] durch Johann Gottlob Trampeli (Adorf/Vogtl.) und dessen Mitarbeiter Johann Conrad Wiegleb, Heinrich Schlembach und Friedrich Trampeli. Dazu wurde eine Aufschrift im Balg gefunden: „ Diese Orgel hat geferdiget Johan[n] Conrad Wiegleb Orgelbauer aus Bayreuth den 8 Juny 1806 mit Friedrich Trampl [sic!] und einem Tischler Gesell[Heinrich] Schlembach“.
1807 Vollendung des Instrumentes.
1817/18 Ausreinigung der Orgel bzw. Reparatur durch den Erbauer. Möglicherweise liegt hier die Begründung für das lange angenommene Baujahr 1817.
19. Jahrhundert Austausch der Vox Humana 8′ im Oberwerk gegen Flauto traverso 8′ durch unbekannten Orgelbauer aus der Region, vermutlich August Apel oder Gottlieb Schönburg (Schafstädt).
1917 Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken, hernach Ersatz durch Zinkpfeifen aus der Werkstatt von W. Rühlmann (Zörbig).
um 1975 ist die Orgel nicht mehr spielbar. Durch eindringendes Wasser und herabfallenden Putz wird das Instrument schwer beschädigt.
1984/85 wird eine Umsetzung in die dazumal abgebrannte Kirche St. Laurentius in Halle erwogen. Die Ortsgemeinde verhinderte dieses Vorhaben mit großem Engagement. Die Orgel ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr spielbar.
2006 Besichtigung der Orgel durch Dr. Holger Brülls (Landesamt für Denkmalschutz) und Feststellung des hohen Denkmalwertes.
ab 2022 Restaurierung der Orgel durch Orgelbau Kristian Wegscheider (Dresden) – Rekonstruktion der Zinn-Prospektpfeifen nach originalem Vorbild, Restaurierung von Prospekt, Windladen, Pfeifenwerk, Spieltisch, Trakturen und Balganlage, Arbeiten als Op.118 von Wegscheider nummeriert.
2022 umfassende Restaurierung des Orgelprospektes, Rekonstruktion einiger Schnitzteile und farbliche Neufassung.Mehr als 30 geschnitzte Blumen wurden rekonstruiert.
2023 Montage der restaurierten Windladen und Trakturen in Gröst, Rekonstruktion des Kanaltremulanten nach dem Vorbild von Trampeli in Zitzschen (1795). Die Orgel wurde schlussendlich auf a’=465Hz gestimmt, dafür wurden die Pfeifen durchweg behutsam angelängt. Als Stimmung wurde Neidhardt „Kleine Stadt“ gewählt, der Winddruck beträgt etwa 65 mmWs.
15. August 2023 Abnahme der Orgel
2024 Einbau einer Vox Humana 8′ auf die vakante Schleife der Flauto traverso 8′ im Oberwerk. Vorbilder für dieses Register waren die Pfeifen von Matthias Friese in Zettemin sowie Heinrich Andreas Contius in Libau.
9.9.2024 Einweiung des Registers – II/25.
Disposition
Manual I – Hauptwerk C – d“‘Bordun 16 Fus Holz gedeckt Principal 8 Fus. C-D# Holz offen innen, Gedackt 8. Fuß. Registerschild um 1850, Pfeifenwerk Trampeli – Holz gedeckt Viola da Gamba 8. Fus C-H Holz, ab c° Metall zylindrisch mit Kasten-/Spangenbärten Octave 4 Fus. C-D# Prospekt Zinn 2023, ab E innen, Metall zylindrisch Rohrfloete 4 Fus. Rohrflöte bis c“, ab c#“ Metall offen-konisch Quinte 3. Fus Metall zylindrisch Octave 2. Fus. Metall zylindrisch Flageolet 1. Fus. Metall, weite Mensur, rep. bei c“ auf 2′ Mixtur 4. Fach. rep. c°, c‘, c“, g“, bis 2023 nur dreifach (Stockbohrungen verschlossen) Cornetti 3 Fach. ab a°, 2 2/3′ |
Manual II – Oberwerk C – d“‘Principal Disc: 8 Fus. ab a°, Zinn neu 2023, a°-c“‘ Prospekt, ab c#“‘ innen Liebl: Gedackt 8 Fus. Holz gedeckt Quintatoen 8 Fus. C-H Holz gedeckt, ab c° Metall gedeckt mit Kastenbärten Principal 4 Fus. C,C# Holz innen, ab D im Prospekt Zinn 2023, ab a° innen, Metall. zylindrisch Flauto amab: 4. Fus. Holz offen, mit Stimmdeckeln Octave 2 Fus Metall zylindrisch Quinte 1 1/2 Fus. Metall zylindrisch, rep. bei c“ auf 3′ Sisfloete 1. Fus. sic, rep. bei c“ auf 2′, Metall offen in weiter Mensur Mixtur 3 Fach. 1 1/3′, rep. c°, c‘, c“, g“ Vox humana 8′ 2024, Registerschild: Flaute = traverso. 8 Fuß., dieses in der Typografie identisch zu Gedackt 8′ HW*
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Pedal C – c‘Subbaß 16 Fus Holz gedeckt Violonbaß 16. Fus. Holz offen Octavenb: 8. Fus. Holz offen Posaunbaß 16 Fus. rechteckige Stiefel aus Holz, Kehlen aus Blei mit Messingzungen und -krücken, Holzbecher in voller Länge |
* Vorgängerregister Flauto traverso: C-H Holz gedeckt, ab c° Holz offen mit Stimmdeckeln
Spielhilfen
Registerzüge links unten: Calcant, Pedal Coppel [I/P]
Registerzug rechts unten, innen: Tremulant.
Klaviaturrahmen Manual II: Schiebekoppel mit Handgriffen aus Messing
Gebäude oder Kirchengeschichte
7. Jahrhundert möglicherweise erste Kirchengründung durch den Hl. Kilian während dessen Missionszeit in der Region. Darauf deutet das Patrozinium hin.
um 1200 Errichtung einer romanischen Steinkirche.
1612 Guss einer Glocke durch Melchior Moeringk (Erfurt) mit 91cm Durchmesser
1614 Guss einer zweiten Glocke durch Melchior Moeringk (Erfurt) mit 71cm Durchmesser
1751 wird der Kirchturm als sehr marode beschrieben, ein Neubau der Kirche sei unbedingt erforderlich.
1765 Baubeginn für den Kirchenneubau im barocken Stil auf den Fundamenten der alten Kirche unter Leitung von Andreas Hieselhahn.
1816 Guss und Aufzug einer großen Glocke mit 114cm Durchmesser durch Gebr. Ulrich (Laucha)
um 1900 Entfernung der Patronatsloge, Einbau einer Heizungsanlage.
1917 Abgabe zweier Glocken (jene von 1614 und 1816)
nach 1970 wird die Kirche kaum noch genutzt und gerät allmählich in schlechten Zustand. Zum Schutz vor herabfallendem Putz von der Decke wird ein Netz gespannt.
um 1989 droht der vollständige Verfall der Kirche.
1990 Neueindeckung des schadhaften Kirchturms.
1992 Erneuerung des Mansardendaches der Kirche.
2005 Gründung eines Fördervereins zum Erhalt der Kirche zu Gröst.
2011/12 Verputz der Innenwände, Erneuerung des Fußbodens und Aufarbeitung der Kirchenbänke.
2014 grundhafte Erneuerung der Elektrik.
2015-17 Anstrich der Kirchenbänke, Großteil in Eigenleistung.
Anfahrt
Quellenangaben
Orgelbeitrag erstellt von: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Sichtung vor Ort 2026,
-Ev. Kirchspiel Roßbach-Gröst (Hrsg.): „Die Trampeli Orgel ist zurück. Festschrift zur Wiedereinweihung der restaurierten Trampeli Orgel in der St. Kilian Kirche zu Gröst.“ 2. Auflage 2024
-Aushänge zur Orgelrestaurierung in der Kirche, Inaugenscheinnahme vor Ort 2026
Kirchengeschichte: Sichtung vor Ort,
-Ev. Kirchspiel Roßbach-Gröst (Hrsg.): „Die Trampeli Orgel ist zurück. Festschrift zur Wiedereinweihung der restaurierten Trampeli Orgel in der St. Kilian Kirche zu Gröst.“ 2. Auflage 2024
-Bruns, Steffan: Die Geiseltalchroniken. Geschichtliches und mehr zu den Orten an Geisel, Laucha, Leiha und Schwarzeiche. Verlag TWENTYSIX, 2020




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