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Orgel: Kabelsketal / Dieskau – Schlosskirche St. Anna

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Gebäude oder Kirche

Schlosskirche St. Anna

Konfession

Evangelisch

Ort

Kabelsketal / Dieskau

Postleitzahl

06184

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

Außenansicht

Innenraum, Blick nach Osten

Kanzelaltar

Grabkapelle

Buntglasfenster, Taufgestell, Epitaph

Glockenstube&Glocke

Orgelprospekt

Spieltisch

Orgelinneres

 

JRorgel: Kabelsketal/Dieskau (D-ST) – ev. Schlosskirche St. Anna – Läuten der Glocke (Turmaufnahme)

Johannes Richter spielt Paul Blumenthal (1843 – 1930) – Zwanzig Orgel-Vorspiele Op.69



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

um 1740 berichtet Dreyhaupt, dass noch keine Orgel in Dieskau stünde.
1749 wurde eine Orgel durch Heinrich Andreas Contius (Sohn von Christoph Contius, Erbauer der Orgel der Marktkirche zu Halle) in Einzelteilen nach Dieskau geliefert.
1750 Aufstellung der Orgel durch H.A.Contius, Schleifladenorgel mit 22 Stimmen und zwei Manualen.
1761 letzte Pflege durch den Erbauer, der bis dahin die Wartungen ausgeführt hatte.
1789/90 Reparaturen durch Orgelbauer Johann Gottfried Krug/Merseburg für 25 Taler. Krug arbeitet bis 1799 regelmäßig an der Orgel, seine Arbeiten gelingen nicht zur Zufriedenheit der Auftraggeber in Dieskau.
Um 1800 übernimmt Johann Friedrich Leberecht Zuberbier die jährlichen Revisionen und listet Mängel auf: Becher von Posaune und Trompete sind aufgrund schlechter Befestigung hinuntergefallen, ebenso teilweise das Schnitzwerk am Gehäuse. Wind geht dem Werk verloren, eine Transmission arbeitet nicht richtig und die Prospektpfeifen sind teilweise eingesunken.
Es ist nicht bekannt, ob diese Mängel durch Reparaturen behoben worden sind.
1909 Kostenvoranschlag durch Wilhelm Rühlmann/Zörbig für Reparatur des Werkes, dabei soll Trompete 8′ gegen Gambe 8′ und Spitzflöte 1′ gegen Aeoline 8′ getauscht werden. Ob dieser Anschlag zum Auftrag und zur Ausführung wurde, ist nicht bekannt.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken.
1931 brannte die Contius-Orgel (mit Prospekt) durch den Brand des Turmes mit aus und ging tragischerweise dadurch verloren.
1931 Einbau einer Walcker-Orgel, Opus 1894 mit I/15 aus Privathand, dabei wurde das einstige Barockgehäuse in den Grundzügen nachempfunden.

Derzeitige Orgel
1916 Neubau einer pneumatischen Taschenladenorgel I/12 mit frontalem Spieltisch als Salonorgel für B. Herbst in Halle/Saale, Opus 1894 der Fa. E.F.Walcker&Cie/Ludwigsburg – 862 Pfeifen.
Die Orgel verfügt über einen „Organola-Apparat“, der für Orchesterrollen eingerichtet ist – die Orgel kann also durch den (pneumatischen) Apparat selbstständig Lochkartenrollen abspielen.
Das Gehäuse war in „Mahagoni matt“ gehalten. Eine weitere Besonderheit ist weiterhin die Unterteilung des Werkes in zwei Schwellwerke auf einem Manual.
1924 Ergänzung um drei Register durch die Erbauerfirma, die in den Schwellkasten II kamen.
1931 Umsetzung des Werkes nach Dieskau in die evangelische Kirche in einen neuen Prospekt, der dem Gehäuse der Contius-Orgel nachempfunden wurde. Die Orgel verfügte von Anfang an über ein elektrisches Gebläse. Im Zuge des Umbaus wurde auch der Schwellkasten I entfernt, der Tritt am Spieltisch stillgelegt. Die Organola wurde im Instrument belassen.
2001 Sanierung der Orgel durch Fa. Hüfken/Halberstadt.
2022 die Orgel ist mit einigen Ausfällen spielbar.

Die Walcker-Orgel in Dieskau nimmt in den hiesigen Gefilden eine Sonderstellung ein, gibt es doch kaum Instrumente der Ludwigsburger Firma, die hier in den Regionen stehen.
Das Werk wurde ursprünglich als Salonorgel erbaut und 1931 dem einstigen Besitzer bzw. Auftraggeber abgekauft und in der Dieskauer Kirche hinter einem Prospekt aufgestellt, der in den Grundzügen wohl dem Prospekt der Contius-Orgel nachempfunden wurde und in der Kirche daher unauffällig wirkt, sich gut in das barocke Raumbild einfügt.
Die Schaufront zeigt sich durch drei rund vorspringende Türme und dazwischen befindlichen schmucklosen Holzverblendungen gegliedert. Der Mittelturm ist zu den anderen Pfeifenfeldern überhöht gestaltet. Alle drei Türme tragen je 21 Zinkpfeifen, die nicht klingend, also nur Attrappen sind, durch den geschwungenen Labienverlauf dem Gehäuse aber eine Eleganz verleihen. Die seitlichen „Ohren“ sind mit von floralem Schnitzwerk umgebenem Gitterwerk verziert, die Pfeifenfelder besitzen reliefgeschnitztes Schleierwerk mit dezenten Vergoldungen, die sich so auch an den seitlichen Schmuckelementen und an den horizontalen, schmalen Zierbändern des Prospektes finden. Über dem Spieltisch befindet sich eine vergoldete Zierkartusche.
Die helle Schaufront zeigt sich überaus elegant, geschwungen und edel, eine gelungene Adaption des alten Barockprospektes, dessen Wirkung wir heute dadurch nachempfinden können.
Der Spieltisch ist frontal angebracht und besitzt ein Rollverdeck. Hinter dem Notenpult befindet sich eine verglaste Öffnung, durch welche die Lochkarten für die Organola eingesetzt werden können. Eine Organola, das sei hier noch erklärt, ist eine Selbstspieleinrichtung, welche hier rein pneumatisch gesteuert wird. Die Noten bestimmter Musikstücke (in Dieskau z.B. diverse Werke von Wagner, was durchaus auf den Musikgeschmack des Auftraggebers schließen lässt) sind in als Löcher in Papierstreifen eingestanzt. Wird der Mechanismus in Bewegung versetzt, spielt die Orgel von alleine in einem durch die Schieber am Spieltisch regelbaren Tempo die Musikstücke ab, ohne dass jemand tatsächlich am Spieltisch sitzen muss. Diese Einrichtung war bis vor einigen Jahren noch funktionstüchtig und ist in der hiesigen Orgellandschaft ein absolutes Unikum. Zugleich ist es als Besonderheit und großes Glück zu betrachten, dass die Organola bei der Umsetzung des Werkes beibehalten und übernommen wurde. Zurück zur Orgel:
Im schmalen Fuß des Gehäuses befindet sich die komplette Pneumatik des Spieltisches. Das eigentliche Gehäuse darüber erstreckt sich bis zur Rückwand der Kirche und beinhaltet das Pfeifenwerk. Von unten gesehen links befindet sich das Schwellwerk, an der rechten Wand des Schwellwerkes stehen die 12 Pfeifen des Subbass 16′, rechts dann auf zwei Laden (Baß/Diskant) aufgeteilt dann die Pfeifen der Sektion „Schwell I“.
Die Disposition zeigt sich reichhaltig und grundstimmenbetont, aufgeteilt in einst zwei schwellbare Abteilungen, wobei die Abteilung „Schwell I“ ihren Schwellkasten einbüßte. Schwell I beinhaltet die Grundstimmen, Schwell II Charakterstimmen wie Quintatön, Voix celeste, Harmonia aeth. und Solotrompete, die tatsächlich noch in einem Schwellkasten stehen. Die in einigen Datenbanken erfolgte Angabe als zweimanualige Orgel ist selbstredend falsch, das Werk besitzt nur ein Manual mit zwei Abteilungen.
Das „Grundstimmenwerk“ Schwell I fußt auf einem singend-weichen, aber sonoren Principal 8′, daneben stehen hier ein stilles, warmes, etwas hohles Gedeckt 8′, ein sanft streichendes, zurückhaltendes Gemshorn (welches leider in der großen Octave sehr stark geraten ist, da es sich hier die Pfeifen mit Principal 8′ teilen muss), sowie eine perlend-weiche Konzertflöte mit sehr orchestralem Charakter. Die Vierfußlage ist durch eine weich-zurückhaltende, etwas kullernde Flöte 4′ sowie eine geschärfte, hell glitzernde Fugara 4′ vertreten.
Schwell II beherbergt die Charakterstimmen der romantischen Orgel, durch einen Schwellkasten nach Belieben in der Klangstärke variierbar: Eine sonore, melancholisch-herbe Viola, eine ätherisch schwebende, entrückt wirkende Voix celeste sowie eine sehr herb quintierende, scharfe Quintatön, die durch den starken Quint-Klang schwebend, bodenlos, entrückt wirkt. Dazu tritt eine sehr tief liegende Streicher-Mixtur (Harm. aeth.), die klanglich sehr, fast zu still ist und durch die tiefe Quinte und Terz den Klang eher füllt, denn aufhellt. Zusammen mit dem Quintatön ergibt sich hier ein flirrendes Klangbild, mit der Viola ein leicht glitzerndes, sehr leuchtendes Gebilde. Mit der Superkoppel wirkt die Mixtur aber durchaus als dezente Klangkrone, wobei ihre geringe Lautstärke hier sehr ansprechend ist. Die drei 1924 ergänzten Stimmen fügen sich gut in den Charakter ein: sanft und zurückhaltend, mit deutlichem Strich zeigt sich die Violine, die zusammen mit Voix celeste und Viola einen veritablen Streicherchor bildet. Hell und freundlich perlend ist die Rohrflöte, leuchtend-weich, aber groß und präsent im Klang ist die sehr sanft ansprechende Bachflöte 2′, die die eigentliche Klangkrone des Werkes bildet – vor allem mit der Superkoppel. Die Solotrompete ist schmetternd und stark, dominiert den Klang der Orgel sehr, spricht aber prompt an und verleiht der Orgel durchaus auch sinfonisch-französische Qualitäten im Rahmen der Möglichkeiten. Durch die recht zurückhaltende Intonation der anderen Stimmen ist die Bezeichnung „Solo-Trompete“ mehr als berechtigt! Der Subbaß 16′ besitzt aus Platzgründen nur 12 eigene Pfeifen, der Rest wird aus dem Gedackt 8′ von Schwell I gewonnen. Er trägt den Klang souverän und sicher, klangvoll und grundtönig, die Pedalkoppel wird aber oft gebraucht. Die Superoctavkoppel Man/Ped. ist eine sehr nützliche Einrichtung, die auch (in einem gewissen Rahmen) Pedal-C.f. möglich macht.
Der Gesamtklang der Orgel verleugnet seine Herkunft als Salonorgel, also für einen deutlich kleineren Raum gedacht, nicht: Das Werk ist sehr zurückhaltend intoniert, füllt den Raum zwar, kommt aber schnell an Grenzen. Wirklich kraftvolle Stimmen außer der dominanten Solo-Trompete gibt es nicht, auch der Principal 8′ ist zurückhaltend und eher still. Es ist der Orgel deutlich anzumerken, dass eine Kirche nicht ihr Bestimmungsort war. Die Stärke liegt ganz klar im Farb-Bereich, die Mischungen sind vielfältig, nur die Tatsache, dass die Orgel einmanualig ist, setzt Grenzen. Durch den Schweller und die Walze sind viele interessante Effekte möglich, trotz der Organola ist die Orgel doch deutlich mehr als nur ein Notbehelf bzw. ein Kuriosum – wer angesichts des Firmennamens und der puren Disposition aber ein klangstarkes, markant den Raum füllendes Werk erwartet, irrt aber. Besonders qualitätvoll im Klang ist die Quintatön, in Verbindung mit der Voix celeste und der Bachflöte ergeben sich hier flirrend-himmlische Klangmischungen.
Der Zustand der Orgel ist gut, das Werk ist spielbar. Einige Tasten funktionieren in einigen Registern nicht, ebenso die Superoktavkoppel, was unschöne „Löcher“ ergibt, da manche Register wie die Konzertflöte aufgrund der fehlenden Töne nicht alleine gebraucht werden können, obgleich die Schönheit der Stimmen dies verdient hätte! Die Suboktavkoppel funktioniert gar nicht mehr, als der Autor sie das letzte Mal gebrauchte, war eine deutliche Steigerung der Gravität spürbar, das Pedal war aber dann auch mit beiden Koppeln mit dem Tragen des Klangs überfordert, da die Oktavkoppeln des Manuales nicht durchkoppeln. Melodie- und Baßkoppel funktionieren nicht mehr, ebenso wie der Tremulant. Freie Kombination, M.F., Tutti und der Auslöser tun ihren Dienst ohne Tadel, auch die Walze und der Schweller (mechanisch!) funktionieren problemlos. Diverse Tasten, vor allem des Pedals, müssen reguliert und die Federn erneuert, die Manualklaviatur muss neu ausgetucht werden. Das Werk ist ausreichend windstabil und zeigt keine Windstößigkeit, die Pneumatik ist ausreichend präzise, wäre aber deutlich verbesserungswürdig, vor allem im Vergleich mit anderen pneumatischen Orgeln der Region.
Insgesamt zeigt sich hier ein Instrument mit Vor- und Nachteilen, aber einem ausgeprägten, teilweise etwas gewöhnugnsgbedürftigen Charakter, welcher für die Region aber ein deutlicher Gewinn ist. Es wäre zu wünschen, dass das interessante Werk in den nächsten Jahren eine gründliche Überholung erfährt.

Disposition

Disposition der Orgel von E.F.Walcker & Cie., Opus 1894 ab 1924 (=Stand 2022)

Schweller I (auf Manual C – a“‘)

Prin-cipal 8′ (C-H mit Gemshorn 8′, ab c° Principal 8′ eigenständig, c°-g° Zink, offen, ab g#° Zinn, offen)

Konzert-flöte 8′ (C-H aus Gedeckt 8′, ab c° offen, Holz, ab b“‘ Zinn, offen)

Gedeckt 8′ (C-H Holz, gedeckt, ab c° Rohrgedackt (!!), Zinn, ab b“‘ Zinn, offen)

Gems-horn 8′ (C-D# gedeckt, Holz, ab E offen, Principalmensur, ab c° als Gemshorn, c°-g° konisch, Zink, ab g#° konisch, Zinn)

Flöte 4′ (durchg. Metall, offen)

Fugara 4′ (durchg. Metall, offen)

Schweller II (auf Manual C – a“‘)

Quin-tatoen 8′ (C-H Zink, gedeckt, ab c° Zinn, gedeckt)

Viola 8′ (C-H als Quintatön, gedeckt, ab c° offen, c°-g° Zink, ab g#° Zinn)

Voix celeste 8′ (ab c°, Zinn offen)

Violine 4′ (1924, C-H Zink, offen, ab c° Zinn, offen)

Rohrflöte 4′ (1924, C-H Zink, als Rohrflöte, ab c° Zinn, Rohrflöte, ab a“ offen)

Bachflöte 2′ (1924, Zinn offen)

Harm. aeth. 3f. (2 2/3’+2’+1 3/5′, rep. c“‘, durchg. Metall offen, Streichermensur)

Solo-Tromp. 8′ (aufschl., Stiefel Holz, Becher Zinn, ab c‘ Stiefel Zinn, ab c#“‘ labial)

Pedal C – f‘

Subbass 16′ (C-H eigene Pfeifen, gedeckt, Holz, ab c° aus Gedeckt 8′)

Die Register von Schwell. I sind bis a““ in der Superkoppel ausgebaut.

 

Disposition der Contius-Orgel 1909 nach W. Rühlmann (aufgezeichnet bei W. Stüven)

Manual I – Hauptwerk C,D – c“‘

Bordun 16′

Principal 8′

Gedact 8′

Rohrflöte 8′

Octav 4′

Gemshorn 4′

Octav 2′

Spitz-flöte 1′

Mixtur 3 fach

Trompete 8′

Manual II – Oberwerk C,D – c“‘

Gedact 8′

Quintathön 8′

Principal 4′

Rohr=flöte 4′

Octav 2′

Waldflöte 1′

Cimbel 3 fach

 

Pedal C,D – c‘

Sub=baß 16′

Octave 8′

Gedactbaß 8′

Posaunenbaß 16′

 

Disposition der Salonorgel von E.F.Walcker & Cie. Opus 1894 zur Erbauung 1916

Schweller I (auf Manual C – a“‘)

Prinzipal 8′ (C-H gedeckt)

Konzertflöte 8′ (C-H aus Gedeckt 8′)

Gedeckt 8′

Gemshorn 8′

Flöte 4′

Fugara 4′

Schweller II (auf Manual C – a“‘)

Quintatoen 8′

Viola 8′ (C-H aus Quintatoen 8′)

Voix celeste 8′ (von 4’=c° an)

Harmonia aetheria 3fach

Solotrompete 8′ (aufschl.)

Pedal C – f‘

Subbass 16′ (C-H, ab c° aus Gedeckt 8′)

 

Spielhilfen

Walcker-Orgel Op.1894
Als Registerschalter mittig: Sub Octav [Koppel, nicht ausgebaut], Super Octav [Koppel, teilw. ausgebaut]
Als Registerschalter ganz rechts: Melodie-koppel, Tremolo, Bass-koppel
Als Registerschalter ganz links: Super Man/Ped. [Superoktavkoppel Man/Ped.], Man/Ped. [Pedalkoppel]
Über den Registerschaltern als kleine farbige Züge: Freie Kombination
Links am Spieltisch: Horizontale Anzeige für Rollschweller (14 Stufen)
Mittig rechts über den Registerschaltern: NORM., ab/an als horizontale Schieber für Einstellungen der Organola
In der Vorsatzleiste unter dem Manual als Drücker, von links: Fr.Komb., Auslöser, M.F., Tutti, Cresc. ab [Walze ab], Org. an [Organola an]
Ganz rechts unter dem Manual: Horizontaler Schieber für Geschwindigkeit Organola mit Stufen 0, 1, 40, 80, 130
Über dem Pedal mittig: Walze [Rollschweller]
Über dem Pedal mittig rechts als Balanciertritte: Schwell I [außer Funktion, Schweller ausgebaut], Schwell II

Orgel von Heinrich Andreas Contius, Aufzeichnung Rühlmann 1909 laut W. Stüven
Manualcoppel, Pedalcoppel [I/P], Kalkantenzug (als Registerzüge)

Gebäude oder Kirchengeschichte

13. Jahrhundert Errichtung einer romanischen Steinkirche im Zusammenhang mit der Belehnung Dieskaus.
1473 Guss einer Glocke mit „Mönchsschrift“
1624 Guss einer Glocke durch Georg Dors und Hans Vetter/Halle
1632 wurde im Zusammenhang mit der Schlacht bei Lützen das Kircheninventar um „bewegliche Gegenstände“ wie Kelche, Messgewänder etc. geplündert.
1634 brannte der Kirchturm.
1636 völlige Verwüstung der Kirche durch kroatische Truppen, nur die Seitenmauern des Kirchenschiffes bleiben bestehen.
Nach 1648 notdürftige Instandsetzungen an der Kirche, u.a. wird die Mutter von Georg Friedrich Händel als Tochter des Dieskauer Pfarrers 1651 hier geboren und getauft.
1649 Guss einer Glocke durch Johann Jacob Hoffmann/Halle
1665 wird laut Inschrift auf der heutigen Glocke eine neue Glocke gegossen.
1728 Errichtung einer einschiffigen Saalkirche nördlich des Schlosses Dieskau u.a. als Schlosskirche.
1728-1730 Fertigung des Kanzelaltares.
Um 1760 Errichtung der „Hoffmannschen Grabkapelle“ für Johanna Theresia Augusta von Hoffmann (+1771), Ehefrau vom Universitätskanzler von Hoffmann.
19. Jahrhundert Restaurierung des Innenraumes.
1917 Abgabe zweier Glocken zu Rüstungszwecken.
1931 brannte der Kirchturm vollständig nieder, eine weitere Glocke (1665) wurde dabei zerstört.
1931 Guss dreier neuer Glocken durch die Gießerei Ulrich – Zweigniederlassung Kempten, Nominalfolge d‘-f‘-g‘. Alle Glocken hingen in einem dreigefachigen Glockenstuhl aus Stahl.
1942 Abgabe der größten und der kleinsten Glocke (an der Größe der Gefache ersichtlich) – die Joche und Klöppel sind noch im Turm vorhanden!
1947 Einbau neuer Buntglasfenster durch die Firma Ferdinand Müller/Quedlinburg.
1989-2019 wurde die Kirche jeden Sommer für den Dieskauer Musiksommer auf Initiative von Pfr. Günther Baumgarten, eine Konzertreihe von Veranstaltungen unterschiedlichster Art, genutzt.
Nach 1990 umfassende Sanierung der Kirche.
2022 die Kirche ist in gutem Zustand und wird regelmäßig genutzt.

Am Rande des malerischen Schlossparkes Dieskau liegt nördlich direkt neben dem Schloss die Kirche St. Anna, anmutig eingebettet in das umgebende Grün und die wellige Landschaft des auslaufenden Parkes, der sich hier in den Ort ergießt. Die Kirche mit ihrer wechselvollen Geschichte liegt leicht erhöht neben dem kleinen Schlösschen.
Das Gotteshaus zeigt sich als einschiffiger Saalbau mit rechteckigem Kirchenschiff und Westturm, der Ostabschluss ist gerade ausgeführt. Auf der Südseite ist eine ausschließlich von außen begehbare Patronatsloge sowie die auf ovalem Grundriss stehende Hoffmannsche Grabkapelle angefügt. Die gesamte Außenhülle des Bauwerkes ist verputzt. Hohe Segmentbogenfenster mit rötlichen, verzierten Sandsteinlaibungen durchbrechen die Seiten des Kirchenschiffes, im Osten ist mittig ein Fenster eingesetzt. Der Turm besitzt ein quaderförmiges Untergeschoss, welches über die gesamte Breite des Kirchenschiffes reicht, das Untergeschoss besitzt rechteckige Fenster mit rötlichen Laibungen. Nach oben hin mündet der Turm in ein oktogonales, in die Breite gezogenes Glockengeschoss mit rundbogigen, ziegelummauerten Schallfenstern. Die Westseite des Turmes weist dunkle Eckquaderungen auf, auch die Ostseite des Kirchenschiffes ist mit Eckquaderungen verziert. Eine geschwungene welsche Haube mit Schieferdeckung ist auf die Glockenstube aufgesetzt.
Das Innere ist hell, freundlich und weit, dabei auch recht schlicht gehalten. Eine weiß verputzte Holztonne überspannt den Raum, sie besitzt am Übergang zum Mauerwerk zwei ockerfarbene Zierstreifen. Im Zentrum des Blickes liegt der große Kanzelaltar mit seinen seitlichen Verschlägen, welche rechteckige Türöffnungen mit einem bekrönenden Rundgiebel samt Zierkartusche und Vasenzier besitzen. Der Altar wird von zwei mächtigen, dunkel marmorierten Säulen flankiert, welche vergoldete korinthische Kapitelle besitzen und freistehend sind. Der gedrungen geschwungene Kanzelkorb ist teilweise vergoldet und zeigt unter dem Lesepult ein flammendes Herz mit seitlichen, vergoldeten Flügeln. Im Schalldeckel ist in einem Dreieck der hebräische Gottesname, umgeben von Wolkenzier und Strahlenkranz, zu sehen. Der Schalldeckel ist mit Vorhangzierwerk versehen und besitzt eine aufgesetzte, floral verzierte Bügelkrone mit geflügelten Puttenköpfen. Die Bekrönung des Altars im Giebel wird durch einen Pelikan gebildet. Er streckt die Flügel seitlich aus und sitzt auf einem vergoldeten Nest, die aus seiner Brust steigenden, roten Blutfontänen münden in den Schnäbeln seiner vier Jungen, die vor ihm sitzen. Ein Wolken- und ein Strahlenkranz sind hinter dieser Altarbekrönung, einer tief christlichen Symbolik, angebracht. Ein derartig aufwändig gestalteter Pelikan mit geschnitzten, roten Blutfontänen ist hier in der Region einzigartig. Seitlich ist der hell gehaltene Altar mit geschnitzten, teilweise vergoldeten Akanthuswangen versehen. Durch seine helle, golddurchzogene Farbgebung wirkt der Altar sehr erhaben und edel. Lesepult und Taufgestell sind mit floraler, reicher, teilweise vergoldeter Schnitzzier versehen.
Rechts des Altars ist ein Buntglasfenster zu sehen, es zeigt eine Darstellung des stehenden Christus mit Strahlenglorie und Siegesfahne, der von einer knieenden Person angebetet wird.
Auf der Südseite des Kirchenschiffes ist die Hoffmannsche Grabkapelle angebracht, die hier in der Region einzigartig ist und als Hauptwerk des Leipziger Frühklassizismus gilt. Der Eingang zur Kapelle wird durch einen Rundbogen gebildet, der nach oben hin mit einer Inschriftentafel und bekrönendem Totenschädel, umrahmt von Vorhangwerk, geschmückt ist. Der Bogen wird durch je zwei toskanische Säulen getragen. Die ovale Kapelle besitzt eine Tambourkuppel mit Fenster und ist mit illusionistischer Malerei verziert – Pilaster, Wandnischen und Kassetten sind auf die Wände aufgemalt und erzeugen so einen gegliederten, reich geschmückten Raumeindruck. Im Zentrum steht das aus weißem Marmor gestaltete Grabmal der Anna Theresia Augusta von Hoffmann, der Gattin des Kanzlers der Universität Halle. Über der rechteckigen Inschriftentafel ist Vorhangzier sowie eine bekrönende Vase zu sehen, rechts davon steht eine trauernde Frauenfigur, vor der Inschriftentafel sind zwei weinende Putten zu sehen. Die Figuren beeindrucken durch eine überaus lebensnahe, emotionsbetonte Darstellung. Auf der Nordwand des Kirchenschiffes ist das aus Marmor gehauene Epitaph Carl von Dieskaus zu sehen, es ist von einem Wappenrahmen als Ahnenprobe (also Ahnengalerie) umgeben. Gegenüber durchbricht ein breites Segmentbogenfenster mit Butzenscheiben die Wand und zeigt damit die Position der heute nicht mehr genutzten, nur von außen begehbaren Patronatsloge an.
Die Empore umfasst hufeisenförmig den Raum und schwingt unter der Orgel leicht nach vorne, sie besitzt quadratische Zierfelder. Der Raum ist hell und edel und erhaben, dabei aber auch sehr andächtig. Durch die überaus gute Akustik wird er viel und gerne für Konzerte genutzt und besitzt eine angenehme Atmosphäre.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter – Sichtung vor Ort, ergänzt durch Informationen aus: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964.
Kirchengeschichte: Beitrag zur Kirche Dieskau als Veranstaltungsort auf der Seite www.halle365.de, abgerufen am 08.02.2022, eigene Sichtung durch Johannes Richter vor Ort, sowie Informationen aus: Georg Dehio – Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Sachsen-Anhalt II: Regierungsbezirke Dessau und Halle, Deutscher Kunstverlag München Berlin, Neuauflage 1999, darin S.153.

Historische Dispositionen in: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964, S.99f. und: Walcker Opusbuch 27 als Digitalisat auf der Webseite der Uni Hohenheim

Videos von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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