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Orgel: Halle (Saale) / Nördl. Innenstadt – Schlesisches Konvikt (Aula-Orgel)

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Gebäude oder Kirche

Schlesisches Konvikt - Aula

Konfession

Divers

Ort

Halle (Saale) / Nördliche Innenstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891 – 1971) – Choralpartita “Befiehl du deine Wege”

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891-1971) – Norwegische Variationen II – Skjeberg-Variationen (1938)

 

Johannes Richter spielt Moritz Brosig (1815-1887) – Vorspiel zu “O Haupt voll Blut und Wunden” (a 5 voc.) Op.4/5

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891 – 1971) – Choralfantasie “Wie schön leuchtet der Morgenstern” (1929)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1939 Bau und Errichtung der Orgel als Unterrichts- und Übeorgel für die Kirchenmusikschule (KMS), welche das Gebäude seit 1938 gemietet hatte, durch “W.Sauer Inh. Dr. Oscar Walcker Frankfurt a/Oder” (Inschrift auf der Firmenplakette am Spieltisch links) als Op.1626, dies vermerkt die Plakette am Spieltisch rechts: Op.1626 Erbaut 1939, als vorderspieliges Werk mit pneumatischen Schleifladen (!) und 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal – hierfür wurde ein Fenster zur Errichtung einer Orgelkammer vermauert.
2016 nach Verschlechterung des Zustandes fachgerechte Sanierung durch Thomas Schildt (Halle).

Heutige Nutzung als Übungsinstrument für die Einwohner des Wohnheims und als Unterrichts- und Prüfungsinstrument für das C-Seminar.

Die Sauer-Orgel Opus 1626 in der Aula des Schlesischen Konviktes ist ein (nicht nur in Halle) bemerkenswertes Zeugnis des Übergangs von Romantik zur Orgelbewegung. Die Orgel ist eine der ersten, die Sauer wieder mit mechanischer Spieltraktur baute. Die Traktur ist dabei aus Aluminium, die Führungen der Wellen auf den Wellenrahmen sind aus Aluminiumhülsen gefertigt, die Abstrakten aus Holz, wodurch das Spielgefühl etwas schwammig ist. Der sachlich-nüchterne Prospekt deutet dabei mit den tiefen Pfeifen des Gemshorn 8′ und denen des Prinzipal 4′ einen Werkaufbau an. Der Balg ist unter den erhöht stehenden Manualladen befindlich. Die Manuale stehen dabei hintereinander, vorne das Hauptwerk, dahinter im Schwellkasten das zweite Manual, beide C/Cis-geteilt – das Pedal steht links seitlich daneben. Bemerkenswert an dieser Orgel ist die Verquickung der Strömungen aus Orgelbewegung und Romantik. Zugeständnisse an die vergangene Zeit sind dabei die Intonation der Grundstimmen, das Schwellwerk mit seinem 16′, die pneumatische Registratur sowie die diversen Spielhilfen, die teilweise auch Einflüsse Albert Schweitzers wie die Anlage der Pedalkoppeln als Fußtritte aufgreifen. Aus der Orgelbewegung übernommen ist dabei nicht nur die Disposition mit drei jeweils Plenum fähigen Werken, wobei das Schwellwerk durch Position und Registerauswahl doch noch deutlich zurückgesetzt ist, sowie das Ladensystem. Erstmals wurden wieder Schleifladen verbaut, aber pneumatisch angesteuert, und dies teilweise recht geräuschvoll. Klanglich weiß die Orgel dabei durchaus zu überzeugen. Die Grundstimmen sind durchaus noch recht massig, jedoch recht obertonreich intoniert, und mischen sich recht gut, doch mit deutlichen Abstufungen. Für allerhand Solomöglichkeiten sind diverse Stimmen (auch im Pedal mit gleich zwei Vierfüßen) disponiert. Die Zungen, durch Raumhöhe und Größe der Aula recht schmal mensuriert, geben Kraft im Plenum, schnarren jedoch bereits recht stark mit teilweise recht wenig Grundton. Das Plenum der Orgel zeigt sich glitzernd, teilweise spitz, jedoch stets geglättet und von beträchtlicher Stärke. Romantische Charakterstimmen sucht man hier vergebens, die vorhandenen Grundstimmen erlauben jedoch auch die Wiedergabe hochromantischer Musik. Den klanglichen Möglichkeiten sind dabei keine Grenzen gesetzt, die Mischungen sind schier unendlich und laden zum Experimentieren auch mit moderner Musik ein, zusätzlich erweiterbar durch die Tremulanten für die Manuale. Der Schweller ist sehr wirkungsvoll, mechanisch ausgeführt, und erlaubt auch “Closed Swell”-Effekte aus der englischen oder “Récit”-Effekte aus der französischen Musik. Damit ist die Orgel ein wertvolles Zeugnis aus der Orgelbewegung auf dem Weg zur orgelbewegten Universalorgel und eines der hervorstechendsten und bedeutungsvollsten Instrumente der Stadt Halle.

Disposition

I – Hauptwerk C – g”’

Gemshorn 8′ (teilw. Prospekt, konisch, Zink)

Rohrflöte 8′

Prinzipal 4′ (teilw. Prospekt, Zink)

Nachthorn 4′

Flachflöte 2′ [konisch]

Sesquialter 2f. [2 2/3’+1 3/5′]

Scharff 4-6f. [1 1/3′]

Helltrompete 8′ (halbe Becherlänge, C-H Viertel Länge)

 

II – Schwellwerk C – g”’

Quintade 16′

Sing. Gedackt 8′

Blockflöte 4′

Oktave 2′

Quinte 1 1/3′

Jauchz. Pfeif. 1′

Zimbel 2f. [ 1′]

Regal 8′

Pedal C – f’

Subbass 16′

Bassflöte 8′

Choralbass 4′

Gedackt 4′

Nachthorn 2′

Mixtur 2f. [2 2/3′]

Stillposaune 16′(Viertel Becherlänge)

 

Spielhilfen

Über den Registerschaltern: zwei Reihen Züge für freie Kombinationen 1 (weiß) und 2 (grün – die Züge zu den Koppeln in Komb.2 weiß)

Als kleine Züge links neben den Manualen:
Ausschaltungen [Zungenabsteller] von außen: Pos.16′, Tromp.8′, Regal 8′

Mittig über Manual II zwischen den Registerschaltern:
Anzeige (Uhr) für Walze (Rollschweller) in 14 Stufen

Als Registerschalter rechts außen, von innen nach außen:
I/Ped., II/Ped., II/I, Tremolo I, Tremolo II

In der Vorsatzleiste unter dem ersten Manual als Kollektivdrücker, von links:

Fr.Komb. 1 (Drücker weiß), Fr.Komb. 2 (Drücker grün), Auslöser (aus Metall, flach, nach unten zu drücken), Tutti, Handreg. ab

Als Fußtritte über dem Pedal links, aus Metall zum einhaken, nicht wechselwirkend, von außen:

I/P, II/P, II/I

Mittig über dem Pedal, von links: Rollschweller (Walze), Balanciertritt für Jalousieschweller II, Walze ab (unbeschriftet, als Fußtritt zum einhaken aus Metall)

Gebäude oder Kirchengeschichte

1866 Gründung des Konviktes als Wohnheim für Theologiestudenten aus Schlesien.
1868 Fertigstellung des heutigen Gebäudes – 8 Personen beziehen das Haus unter der Schirmherrschaft des Breslauer Adligen Graf von Harrach.
1937 zwangsweise Schließung des Hauses und Übernahme durch die Universität im Zuge des Kirchenkampfes bzw. der “Ring”-Affäre.
1938 Einzug der Kirchenmusikschule aus Aschersleben
1939 Aufnahme des Lehrbetriebes und Einbau der Aula-Orgel.
2000 – 2002 Umzug der KMS in das neue Gebäude im Händelkarree, das Gebäude bleibt “wildes Wohnheim”.
2005 Beschluss der Wiederaufnahme des Konviktbetriebes.
2008 feierliche Neueröffnung des Konviktes.
2018 Feier des 150jährigen Jubiläums mit großen Feierlichkeiten.
2020 – 2021 Sanierung des Treppenhauses im Gebäude Emil-Abderhalden-Strasse.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Aula und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter – basierend auf eigener Sichtung
Hausgeschichte: Internetauftritt des Konviktes

Orgelvideos von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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