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Orgel: Halle (Saale) / Nördl. Innenstadt – Löwengebäude (Aula)

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Gebäude oder Kirche

Löwengebäude der Universität

Konfession

konfessionslos

Ort

Halle (Saale) / Nördl. Innenstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

Außenansichten

Ansichten des zentralen Treppenhauses

Innenansicht der Aula

Orgelgehäuse (bzw. -fassade)

Spieltisch

Orgelinneres

Johannes Richter spielt Moritz Brosig – Praeludium c-Moll Op.46/5



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1926 Neubau durch die Firma W. Sauer Inh. Dr. Oscar Walcker, Opus 1333 – Taschenladenorgel mit pneumatischer Traktur und freistehendem Spieltisch, II/19 + 3 nach den Idealen der Praetorius-Reform-Orgel von W. Gurlitt / O. Walcker (Freiburg i. Br., 1921) nach einer Musterdisposition von M. Praetorius.
Um 1928 rege Nutzung der Orgel für Feiern aller Art – daher entstand der Wunsch, das Instrument klanglich wesentlich zu verstärken.
1928 Erweiterung um 9 Register und eine weitere Transmission durch die Firma Sauer – II/28 + 4.
Um 1945 Schäden durch Löschwasser und Kriegseinwirkung.
1946 Spielbarmachung mit einfachen Mitteln – die Orgel war wieder nutzbar.
Um 1975 Höherstimmung der Orgel von 435Hz auf 440Hz.
Um 1980 ist die Orgel noch spielbar und wird als Übeorgel, u.a. für die KMS, genutzt.
Nach 1990 Schäden an der Orgel durch Schmitz und Staub im Rahmen der Sanierung des Gebäudes, insbesondere der Aula.
1994 erste Besichtigung und Bestandsaufnahme durch Fa. Sauer/Müllrose.
2006 Beginn der Sanierungsarbeiten – nach Abtransport der Orgel wurde auch das Gehäuse und das Innere der Orgelkammer grundlegend saniert und die elektrische Anlage überholt.
2007 Intonation und Abnahme der Orgel durch Universitätsorganist KMD Prof. Wolfgang Kupke, Rektor der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik.
21.10.2007 Einweihung mit einem Konzert von Universitätsorganist Prof. Wolfgang Kupke.

Das Löwengebäude ist nicht nur Zentrum einer der ältesten und bedeutendsten Universitäten Deutschlands (und auch nicht nur das erste im 19. Jahrhundert neu errichtete Universitätsgebäude deutschlandweit), es beherbergt, den Meisten sicherlich unbekannt, einen großen musikalischen Schatz – die letzte vollständig original erhaltene Praetorius-Orgel Deutschlands. Drei dieser experimentellen, sich auf eine in Praetorius’ “Syntagma musicum” angegebene Musterdisposition stützenden Instrumente wurden nach 1926 u.a. auf Betreiben von Oscar Walcker und Willibald Gurlitt in Deutschland errichtet, um den seit 400 Jahren vergangenen Klängen nachzuspüren. Dass dabei trotzdem pneumatische Trakturen, reiche “romantische” Spielhilfen, Schwellwerke, Walzen und eine im Grunde romantische Intonation und Stimmung mit einbezogen wurden und damit nicht ganz den richtigen Weg wiesen, lässt der Autor hier außen vor – der erste Schritt zur Wiederentdeckung Alter Meister mit authentische(re)n Klängen als bislang möglich, war getan. Davon erzählen nicht nur die Registernamen, sondern auch die teilweise etwas kuriosen Bauformen der Register, wo “Alt” und “Neu” aufeinander treffen – so besitzt die Bärpfeife 8′ sehr große Schallkörper aus Zink, welche eher an Tellerminen oder außerirdische Flugobjekte erinnern. Neben dem hallenser Instrument gab es noch zwei weitere dieser zukunftsweisenden Instrumente: Eines stand in Freiburg im Breisgau, ein Weiteres in Berlin. Diese beiden Werke wurden im zweiten Weltkrieg vollends zerstört, das Freiburger Instrument später nach einer anderen Disposition von Praetorius und mit mitteltöniger Stimmung sowie mechanischen Trakturen wieder hergerichtet. Übrig aus dieser interessanten Epoche blieb deutschlandweit lediglich ein Instrument – jenes im Löwengebäude zu Halle an der Saale, weshalb diese Orgel in der Geschichte der Orgelbewegung und in der Orgellandschaft der Region eine herausragende, besondere Stellung einnimmt.
Das Instrument befindet sich direkt über dem Podium der reich ausgemalten Aula im zweiten Obergeschoss des Gebäudes. Auf der Empore oben steht ein kleiner Prospekt mit einem breiten Pfeifenfeld und reicher, klassizistischer Gold-Zier. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine Schaufront, klingende Pfeifen beherbergt diese Fassade nicht. Die Orgel befindet sich quasi unter der Empore in einer weiträumigen Kammer, vom Raum durch eine stoffbespannte, unauffällige Öffnung abgetrennt. Der Spieltisch steht von unten gesehen links auf der Empore, der Organist thront also quasi über dem Instrument.
Das Innere der Orgel beherbergt nicht nur das Pfeifenwerk, sondern auch die komplette Windanlage inkl. Doppelfaltenmagazinbalg und Gebläse. Von der Aula aus gesehen zentral vorne stehen die Register des ersten Manuales, hinter dem Stimmgang das Pedal. Links um 90 Grad gedreht befindet sich der Schwellkasten des zweiten Manuales. Die 1928 ergänzten Pfeifen wurden auf Zusatzladen dorthin verteilt, wo eben noch Platz war. Die Windladen sind als pneumatische Taschenladen ausgeführt und chromatisch aufgeteilt. Durch die Aufstellung unter der Empore und die recht geringe Tiefe der Orgelkammer sind die Platzverhältnisse in der Orgel beengt und nicht zwingend für groß gewachsene Menschen geeignet.
Der Spieltisch zeigt sich im typischen Kleide der unter der Ägide Oscar Walckers agierenden Firma Sauer – Registerschalter mit farbig abgegrenzten Beschriftungen, welche die Zuordnung der Stimmen zu einzelnen Werken schon visuell deutlich machen. Dazu finden sich mittig über den Registerschaltern leicht bedienbare Züge für die Zungenabsteller. Einige wichtige Spielhilfen sind über dem Pedal auch als Fußtritte angeordnet, Weitere finden sich als Druckknöpfe in der Vorsatzleiste unter dem 1. Manual. Die Anordnungen sind intuitiv und schnell erfassbar, sodass keine lange Eingewöhnungszeit erforderlich ist.
Die farbenreiche Disposition mit ihren vielen Zungenstimmen stammt weitestgehend aus der Feder von Michael Praetorius und zeigt auf, dass viele Ideale des Neobarock überspitzt, verschärft, überzogen und nahezu absurd waren. Natürlich muss dazu gesagt werden, dass die Orgeln vor 400 Jahren nicht auf Mischfähigkeit vieler Stimmen ausgelegt waren, sondern eher auf Farbigkeit der Einzelstimmen setzten. Die romantisierende Intonation und die eher weiten Mensuren dieses Instrumentes sorgen dafür, dass nicht nur die “Alte Musik” farbig und interessant erlebbar wird, sondern auch die Musik romantischer und postromantischer Zeit vollgültig darstellbar ist – man könnte von einer ersten Form der Universalorgel sprechen, denn durch die reichen Zungenstimmen sind durchaus auch französische Klänge möglich, stets getragen von der schönen, vollmundigen Akustik der Aula. Interessant ist das bis auf die Mixturen vollständige Fehlen von Aliquoten als Einzelstimmen!
Das erste Manual ist als klares Hauptwerk disponiert, erhält Klangkraft und Stärke durch eine bis auf die Mixtur bzw. das Kornett aliquotenlose Principalpyramide. Tragfähig, singend warm und weich ist der Principal 8′, schlank und edel-hell die Octave 4′, glanzvoll der Principal 2′. Silberner Glanz wird durch die mischfähige, eher weiche Mixtur gegeben, das Kornett verschafft hingegen herb-goldene Strahlkraft und ist eine edle Solostimme. Neben dem Principalchor ist hier auch ein kompletter Flötenchor zu 8′-4′-2′ vorhanden, welcher eher runde, perlend-verspielte, beim 2′ auch leuchtend-spritzige Klangfarben erzeugt. Die leuchtende Blockflöte 2′ mit ihrer leicht spuckenden Intonation ist eine schöne “kleine Klangkrone”, die Blockflöte 4′ ist hell und farbig-spuckend, das Gedackt 8′ eher murmelnd-hohl, aber tragfähig. Charaktervoll und interessant sind die reichen Zungen zu 16′-8′-4′. Hier stehen ein schnarrend-knarriges, trocken-flirrendes Rankett 16′ von eher stillem Charakter, die eingangs erwähnte Bärpfeife mit ihrem brummelig-dunklen, schnarrigen Klang, sowie ein schmetternder Clairon 4′, der allerdings charakterlich nicht wirklich zu den beiden von der Renaissance inspirierten Zungenstimmen passen mag. Bärpfeife und Rankett erzeugen zusammen einen eigentümlich trockenen, fast cembaloartig ansprechenden Klang, der wie von einer anderen Welt zu kommen scheint und herrlich archaisch wirkt, auch heute noch.
Das zweite Manual wird grundiert durch drei Farbstimmen. Als erstes sei hier das runde, tragfähig warme, sehr weich-orchestral ansprechende Kupfergedackt 8′ zu nennen. Daneben steht ein zart streichendes, durch und durch romantisches Gemshorn 8′ mit leicht flötiger Ansprache, welches mit dem Tremulanten fast den Charakter einer Vox celeste erreicht. Herrlich flirrend und quintierend, melancholisch-obertonreich und farbig als Solostimme zeigt sich die herbe Quintatön 8′. Ein heller, schlanker, leicht streichender Principal 4′ gibt Kraft und Stärke sowie ein Gegengewicht zum Hauptwerk. Die Principalpyramide wird durch eine helle, glitzernde, aber nicht scharfe dreifache Zimbel sowie eine schlanke, principalisch strahlende Sesquialtera mit lyrischem Charakter verstärkt. Die Sesquialtera ist als Solostimme vor allem zusammen mit dem Quintatön 8′ hervorzuheben. Auch Cornett-Charakter ist mit diesem Register möglich. Der Flötenchor wird durch ein leuchtend-liebliches, elegant-mischfähiges Nachthorn, eine leicht spitze, leuchtende Flachflöte 2′ sowie eine glitzernde, nicht aufdringliche Sifflöte 1′ komplettiert. Dadurch wird auch Gegengewicht zum Flötenchor des Hauptwerkes gebildet – Farbigkeit geschaffen, daneben bilden die fünf Flötenregister einen präsenten, herrlich leuchtenden Chor. Auch im zweiten Manual finden sich gleich drei Zungenstimmen – ein nasales, tragfähiges Krummhorn 8′, dessen Charakter eher in die Richtung einer Clarinette geht, eine schmetternde, eher dunkle Trompete 8′ sowie ein schnarrend-helles Geigenregal 4′ mit sehr feinem Klang, welches zusammen mit den beiden Zungen 16′-8′ im Hauptwerk cembaloartige Klänge erzeugt. Leider stehen einige Stimmen des zweiten Manuales nicht mehr im Schwellkasten, wodurch die Wirkung dessen deutlich abgemindert wird, zumal die Wirkung des eher dünnen Schwelljalousien ohnehin nicht besonders groß (aber spürbar!) ist.
Auch das Pedal ist plenum- und solofähig, besteht aber zum Teil aus Transmissionen. Der Untersatz 16′ bewegt sich im Klangspektrum eines romantischen Subbaß 16′ mit füllig-warmen Klang. Principal 8′ ist mit leichtem Strich versehen und eine gut zeichnungsfähige, tragfähige Stimme. Herb und farbig, bunt und präsent zeigt sich der Hintersatz 4fach, eine füllige, gravitätische Posaune 16′ gibt dem Pedal ein machtvolles Fundament und Präsenz im Raum. Ein schnell ansprechendes, präsentes Cornett 2′ dient als Solostimme und erzeugt zuweilen etwas absonderliche Effekte. Die anderen Stimmen sind samt und sonders Transmissionen, welches auf den ersten Blick bzw. beim ersten Hören nicht auffällt. Der Pedalklang grundiert das Werk durchweg angemessen und edel, ohne zu lärmen oder zu schwach zu sein.
Die Klangkombinationen der herrlichen Orgel sind zu vielfältig, um sie hier aufzuzählen. Durch die Oktavkoppeln sind noch Steigerungen der Farben möglich. Viele verschiedene Arten von Orgelmusik aller Stilistiken sind hier angenehm und nahezu mustergültig darstellbar. Die Traktur ist im Verhältnis zu den Wegen der Pneumatik angenehm präzise und direkt. Der Klang dringt unter der Empore in den Raum und deswegen für den Spielenden nicht zwingend unmittelbar erlebbar, woran man sich als Spielender gewöhnen muss.
Hervorzuheben sei noch unbedingt die vorbildliche Sanierungsarbeit der Fa. Sauer aus Müllrose, welche hier erstklassig arbeitete. Alle Stimmen sind ausgewogen und charaktervoll intoniert und sprechen gut an, die Trakturen arbeiten ohne Ausfälle und angenehm präzise. Die Windstabilität ist auch im vollen Werke durchweg gewährleistet.

Die Sauer-Orgel im Löwengebäude zu Halle ist wohl eines oder gar das bemerkenswerteste Instrument der Saalestadt, der letzte Zeuge des Beginns einer innovativen, verheißungsvollen Epoche voller Forscherdrang und Idealismus. Welch Wunder, dass diese Orgel heute hier so steht, und welch großer, kaum zu bemessender Dank gebührt allen daran beteiligten Personen!

Disposition

Aktuelle Disposition (=1928)

Manual I – Hauptwerk C – g”’

Principal 8′

Gedackt 8′

Octave 4′

Blockflöte 4′

Principal 2′ (1928)

Waldflöte 2′

Mixtur 4f. (1 1/3′, rep. c°, c’, c”, c”’)

Kornett 3-4f. (1928, 2 2/3′, ab C, ab c’ 4fach)

Rankett 16′

Bärpfeife 8′

Clairon 4′  (1928)

Manual II – Schwellwerk C – g”’

Kupfer-gedackt 8’*

Quintatön 8′

Gemshorn 8′

Principal 4′ (1928)*

Nachthorn 4′

Flachflöte 2′ (1928)*

Sifflöte 1′

Ses-quialter 2f.

Cimbel 3f. (1′, rep. E, A, e°, a°, e’, a’, e”, a”, e”’)

Trompete 8′ (1928)*

Krumbhorn 8′

Geigend Regal 4′

Pedal C – f’

Untersatz 16′

Octave 8′

Gedackt 8′ (Tr. I)

Flöte 4′ (Tr. I)

Rausch-pfeife 4f. (1928, 4′)

Posaune 16′ (1928)

Rankett 16′ (Tr. I)

Trompete 8′ (1928, Tr. II)

Sing. Cornett 2′

*- die mit * gekennzeichneten Register stehen nicht im Schwellwerk des 2. Manuals.

 

Disposition 1926

Manual I – Hauptwerk C – g”’

Principal 8′

Gedackt 8′

Octave 4′

Blockflöte 4′

Waldflöte 2′

Mixtur 4f. (1 1/3′, rep. c°, c’, c”, c”’)

Rankett 16′

Bärpfeife 8′

Manual II – Schwellwerk C – g”’

Quintatön 8′

Gemshorn 8′

Nachthorn 4′

Sifflöte 1′

Ses-quialter 2f.

Cimbel 3f. (1′, rep. E, A, e°, a°, e’, a’, e”, a”, e”’)

Krumbhorn 8′

Geigend Regal 4′

Pedal C – f’

Untersatz 16′

Octave 8′

Gedackt 8′ (Tr. I)

Flöte 4′ (Tr. I)

Rankett 16′ (Tr. I)

Sing. Cornett 2′

 

Spielhilfen

Als Registerschalter rechts unten, von links: II/I, II/Ped., I/Ped., Sub II/I [nicht ausgebaut], Tremulant I, Tremulant II
Über den Registerschaltern als kleine Züge in grün/weiß: Züge für Fr. Komb. I, II
Über Manual II als kleine Züge: Zungeneinzelabsteller mit Beschriftung
Mittig über Manual II: “Walzenuhr” mit 15 Stufen
Als Drücker in der Vorsatzleiste unter Manual I, von links: Zungen “ab”, fr. Comb. [weiß], Mezzo_forte, Tutti, Auslöser, fr. Comb. 2 [grün], Handreg. z.fr.Comb., Hanreg. “ab”
Über dem Pedal links als Fußtritte aus Metall, wechselwirkend: fr. Comb. 1, fr. Comb. 2, Auslöser, Tutti, I/Pedal
Über dem Pedal mittig: Cresc. & Decresc. [Walze], Fußtritt Walze “ab”, Schwell II [Balanciertritt für Schweller II]

Gebäude oder Kirchengeschichte

1817 wurde nach Vereinigung der Universitäten Halle und Wittenberg ein neues Gebäudeensemble für die Universität notwendig.
1828 Abriss des einstigen Franziskanerklosters am Schulberg, w1elches bis dahin als Theater diente.
1832-34 Errichtung eines neuen, spätklassizistischen Auditoriengebäude nach Entwurf des Schinkel-Schülers Ernst Friedrich Zwirner (späterer Dombaumeister zu Köln) und Wilhelm Heinrich Matthias – eigentlich sollte das kubische Gebäude noch zwei Seitenflügel erhalten, diese wurden aber nie errichtet. Es handelt sich um einen würfelförmigen Zentralbau.
1834 Einweihung der Aula.
1868 Aufstellung zweier großer Löwenplastiken links und rechts der Treppe, welche vom Brunnen des Marktplatzes stammten – daher hat das Gebäude seinen markanten Namen.
1872-74 Errichtung des Rektorats- bzw. Verwaltungsgebäudes
1889 Errichtung eines weiteren Gebäudes (Robertinum)
1899-02 Errichtung eines weiteren Gebäudes “Melanchthonianum” als zusätzliches Auditoriumsgebäude anlässlich des 400. Jubiläums der Universität.
1910 Fertigstellung des vierten Gebäudes “Thomasianum”.
1911 erhält das Rektoratsgebäude eine historisierende Putzfassade, das “Melanchthonianum” erhält seinen Namen.
1944 Schäden am Gebäude durch Kriegseinwirkung.
1946 Instandsetzung des Gebäudes.
1983 Restaurierung des zentralen Treppenhauses, Einrichtung und Eröffnung des “Museum Universitatis” anlässlich des 500. Geburtstags Martin Luthers.
Nach 1990 Sanierung des Gebäudes und der Aula.
2002 Neugestaltung des Universitätsplatzes.
2017 Restaurierungsarbeiten an der Fassade und im ersten Obergeschoss.

Das “Löwengebäude”, benannt nach den beiden charakteristischen Bronzelöwen links und rechts des Hauptportals bzw. dessen Treppe, ist nicht nur das erste im 19. Jahrhundert neu errichtete Universitätsgebäude Deutschlands, sondern auch heute noch einer der Mittelpunkte der Universität. Nicht nur große Versammlungen und Proben des Akademischen Orchesters Halle finden hier statt, auch das Studierendencenter und die Information sowie das Immatrikulationsamt befinden sich hier. Dass das heutige Gebäude eigentlich nur der Torso eines Baukomplexes ist, dürfte vielen nicht bekannt sein. Durch seine massiv-kubische Form mit der mittigen, quadratischen Laterne hat das Gebäude auch den Spitznamen “Kaffeemühle”. Das würfelartige Gebäude besitzt zum Universitätsplatz hin gewandt eine große, prachtvolle Schaufassade mit Freitreppe mit den flankierenden Löwen. Am Ende dieser Treppe befinden sich drei zweiflüglige Portale. Zwei Fensterbänder aus hohen Rechteckfenstern gliedern die Fassade und verstärken die horizontale, machtvolle Wirkung. Dazwischen befinden sich Pilaster mit Kanneluren und fein gestalteten korinthischen Kapitellen. Unter dem das Dach tragenden Blendfries befindet sich eine breite, die ganze Fassade durchmessende Inschrift folgenden Wortlautes:
FRIDERICVS. GVILELMUS. III. REX. VNIVERSITATI. LITTERARIAE. FRIDERICIANAE. A. MDCCCXXXIV. Auf dem Dach mittig thront die quadratische Laterne mit sehr flachem Pyramidendach. Auf den vier Ecken der Laterne sind zierende Vasen bzw. Pokale zu sehen. Auch die Laterne besitzt durch kannelurenlose Pilaster mit schmucklosen Kapitellen geteilte Rechteckfenster.
Im Inneren liegt zentral als Mittelpunkt des Gebäudes ein prunkvolles Treppenhaus, um welches die jeweiligen Räume gruppiert worden sind. Das Treppenhaus ist als Atrium mit Säulengalerien gestaltet. Durch die große Höhe des Treppenhauses in Verbindung mit der nach oben hin scheinbar zunehmenden lichten Weite offenbart sich ein überaus eindrucksvolles Raumkonzept. Die einzelnen Etagen sind emporengleich als Galerien ausgeführt, die Geländer bestehen aus kunstvoll floral verschlungenen Metallgittern. Getragen wird das Innere von massiven Rundsäulen dunkler Färbung mit korinthischen Kapitellen. Durch die Dachlaterne wird das Innere des Treppenhauses hell mit Licht erfüllt. Die Wände rings um die Laterne sind mit allegorischen Darstellungen geschmückt, zudem finden sich hier Wandfriese mit den Darstellungen der vier Fakultäten (juristische, philosophische, medizinische und theologische F.).
Die Flachdecke der Laterne ist mit geometrischen, an den Himmel gemahnenden Mustern geschmückt.
Die Aula im ersten Obergeschoss ist als rechteckiger Saal konzipiert, der durch drei zweiflüglige Portale betreten werden kann. An den Stirnseiten befindet sich je eine auf korinthischen Rundsäulen ruhende Empore. Vorne im Saal ist ein Podest angebracht, hinter dem sich die Orgel befindet. Die Emporenbrüstungen sind mit goldenen Einlagen verziert, die Decke zeigt nahezu überreiche, fein gestaltete Stuckatur. Auf der den Fenstern gegenüberliegenden Wand sind große Wandgemälde mit Szenen der Antike im Stil von antiken Wandbildern angebracht. Durch die Farbgestaltung in grün, weiß, gold und weinrot in Verbindung mit farbigen Zierbändern erhält der auch akustisch ausgezeichnete Raum ein feierliches, erhabenes Gepräge.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Gebäude und Orgel: Johannes Richter, Sichtung und Anspiel
Orgelgeschichte: Johannes Richter mit mündl. Informationen von Prof. W. Kupke, ergänzt durch Informationen aus einem Beitrag auf der Webseite der Fa. Sauer, abgerufen am 7. Mai 2005.
Gebäudegeschichte: Holger Brülls, Thomas Dietzsch: Architekturführer Halle an der Saale. Reimer, Berlin 2000, S. 44., ergänzt durch Informationen eines Beitrages der Mitteldeutschen Zeitung von Michael Falgowski, 21.8.2016, abgerufen am 7. Mai 2022 und Informationen einer Schautafel auf dem Universitätsplatz.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Universitätsorganist KMD Prof. Wolfgang Kupke.

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