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Orgel: Halle (Saale) / Landrain – Gertraudenfriedhof (Große Feierhalle)

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Die Orgel der großen Feierhalle bedarf dringend einer Sanierung, als einzige Friedhofsorgel der Stadt und aufgrund der Gestaltung und Disposition nimmt das Instrument in der Saalestadt eine singuläre Stellung ein.




Gebäude oder Kirche

Große Feierhalle des Gertraudenfriedhofes

Konfession

Konfessionslos

Ort

Halle (Saale) / Landrain

Postleitzahl

06118

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1925 Errichtung einer vorderspieligen pneumatischen Kegelladenorgel II/10+1 durch W. Rühlmann/Zörbig als Opus 411.
1978 bei Fertigstellung der Innensanierung wurden Lautsprecher installiert, welche darauf hin deuten, dass die Orgel schon zu DDR-Zeiten als eher ungeliebtes „kirchliches Relikt“ wenig bzw. gar nicht gespielt wurde.
2022 die Orgel wird pro Jahr nur ca. 2-3 Mal genutzt und ist in dementsprechend eingeschränkt spielbar.

Der monumentale Raum der Großen Feierhalle beherbergt an der Stirnseite, nicht auf den ersten Blick ersichtlich, eine bemerkenswerte und leider kaum bemerkte Orgel der Firma Rühlmann aus Zörbig, welche hier ihr 411. Werk schuf. Angesichts der Ausmaße der großen Kuppelhalle und der damit einhergehenden sechs Sekunden Nachhallzeit (damit liegt die Feierhalle auf dem Niveau der Marktkirche!) mag man meinen, dass 11 Stimmen etwas zu gering dimensioniert seien, vor allem angesichts der monumentalen Ausmaße des Raumes und der veritablen Dimensionen der Orgelkammer. Doch der Eindruck täuscht! Zuerst sei gesagt, dass bei Instrumenten, die ausschließlich auf eine Nutzung bei Trauerfeiern hin konzipiert worden waren, nicht rauschende Plena, glitzernde Strahlkraft oder machtvolle Gravität im Vordergrund stand. Vielmehr wurde auf Zurückhaltung, hohe klangliche Verschmelzungsfähigkeit – ein weiches, dennoch breites Grundstimmenspektrum ohne Härten, dennoch mit Kraft und äußerste Ausdifferenzierung der Farbpalette geachtet, um den vielfältigen Aufgaben des Instrumentes im Rahmen der Trauerfeiern (Begleitung von Solisten und Ensembles, Begleitung der Gemeinde) Rechnung zu tragen. Die Kraft und Fülle wird hier ausschließlich durch Grundstimmen mit lediglich zwei dezenten 4′-Farbtupfern erzeugt, mit Ausnahme von 2 Stimmen sind alle Register der 8′- bzw. 16′-Lage zugeordnet. Durch die großartig austarierte Akustik, welche Gesang und Orgelspiel hervorragend trägt, sind tatsächlich nur 11 Stimmen vonnöten, die durch geschickte Aufstellung und feinfühlige Intonation durch die Erbauerfirma in vorbildlicher Art und Weise auf Raum und Gegebenheiten abgestimmt worden sind und das Innere tatsächlich voll ausfüllen – warm und grundtönig, aber nicht dick oder untransparent, sondern stets präsent und auf eine schwebend-ätherische Art und Weise durchsichtig und dennoch dem Irdischen verhaftet. Zu dieser Klangwirkung für den unkundigen Zuhörer mag auch beitragen, dass die Orgel ohne Prospekt in die Innenarchitektur eingelassen wurde – nur vier gusseiserne, floral gestaltete Gitter in den ansonsten nicht durchbrochenen Wänden deuten an, dass sich dort eine geräumige Kammer befindet, in welcher das Instrument seinen Platz gefunden hat. Heute würde man sagen, dass die Orgel dort ja auch zweimal hineinpassen würde – diese Tatsache ist auch nicht falsch, jedoch würde sie den Gegebenheiten eine völlig falsche Rechnung ausstellen. Die Orgel ist hier nicht Soloinstrument, sondern Begleiterin, Trösterin, klingende Himmelsleiter. Die Orgel sollte nicht präsent sein, ihr Klang sollte nicht sichtbar, wie aus der engelumkränzten Kuppel durch die Oberfenster herab wie ein Sonnenstrahl die Besucher umfassen und gleichzeitig Ensembles begleiten, welche ebenfalls unsichtbar vor der Orgel noch in der Kammer aufgestellt werden konnten – quasi sich dem Unsichtbaren, nur Hörbaren anschließend.

Das prospektlose Werk in der Kammer steht in einem schlichten Holzgehäuse mit zwei seitlichen Durchgängen, welche als einzige Zier schlichte Rechteckpilaster mit ionischen Kapitellen besitzen. Man betritt die Orgelkammer also von hinten, quasi unter der Orgel hindurch schreitend. In der Mitte befindet sich der Spieltisch, die seitlichen Prospektfüße sind mit schlichten Kassettenfeldern versehen. Das Pfeifenwerk ist hinter einer schlichten, gitterartigen Holzfassade aufgestellt. Alle folgenden Betrachtungen beziehen sich auf den Blickwinkel vor der Orgel stehend, zu dieser hinauf sehend. Im rechten Gehäusefuß ist das Gebläse mitsamt dem Doppelfaltenmagazinbalg untergebracht, auf der linken Seite gelangt man in die Orgel. Man sollte sich kein falsches Bild der Innenhöhe der Orgelkammer machen – unter den Windladen kann auch ein groß gewachsener Mann wie der Autor gut stehen, trotzdem findet auch ein offener 8′ auf den Windladen Platz! Die Windladen sind durchweg chromatisch aufgestellt, in Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal jeweils nach rechts abfallend. Links oben steht das Hauptwerk, dahinter das einzige Pedalregister, rechts daneben in einem Schwellkasten mit Jalousieschweller das Schwellwerk. Die Schwellerbetätigung erfolgt mechanisch. Der Spieltisch ist mittig frontal angebracht und zeigt sich in der typischen Gestaltung der Firma Rühlmann in den 1920er Jahren – die Registerschalter besitzen weiße Porzellanschilder mit schwarzer Frakturschrift, die festen Kombinationen sind auf das Nötigste reduziert und nebst der freien Kombination auch als wechselseitig wirkende Fußtritte über dem Pedal installiert. Die Gestaltung ist wie für die Firma typisch klar und leicht verständlich.
Die Disposition ist, wie eben angesprochen, auf äußerste Differenzierung, Mischfähigkeit und vor allem auf Klangfarben, nicht auf primäre Klangkraft ausgelegt. Dies wird erreicht durch eine verstärkte 8′-Lage bei gleichzeitig stark verringerten höheren Stimmen. Von 10+1 Stimmen sind zwei der 16′-, sechs der Äquallage und lediglich zwei (!) der 4′-Lage zugeordnet. Höhere Stimmen gibt es nicht, durch eine Oberoktavkoppel II/I kann noch ein wenig Helligkeit in Form eines leichten Leuchtens generiert werden. Leider war bei der Besichtigung nur das Hauptwerk und das Pedal spielbar, das Schwellwerk ist durch einen Heuler g°-d‘ in allen Registern nicht benutzbar und kann daher hier nicht im Klang berücksichtigt werden.
Im Hauptmanual befindet sich ein sehr warmer und breit gefächerter, singend-sanfter und doch raumfüllender Principal 8′, dem eine weich-perlende Hohlflöte 8′ zur Seite gestellt wurde. Eine dezent strahlende Fugara 4′ tritt an die Stelle einer Octave und ist auch im Vergleich mit anderen, gleichnamigen Registern der Firma nicht schneidig-hell, sondern zurückhaltend, eintauchend, dem Klang leichtes Leuchten schenkend, ohne eine exponierte Stellung einzunehmen. Der Klang des Hauptwerkes ist breit, weich und warm, durch die hervorragende Akustik auch präsent und tragfähig, ohne aufdringlich zu wirken. Das Schwellwerk beherbergt Farbregister der 8′-Lage. Auf den sonst stets disponierten Geigenprincipal 8′ wird hier verzichtet. Stattdessen ist ein voll ausgebauter 16′ (auch als Transmission im Pedal) vorhanden, welcher den Klang der Orgel sehr abdunkelt und ihm eine herrlich melancholische Schwere verleiht. Sodann finden sich hier weiche Stimmen wie Liebl. Gedackt und Traversflöte und die gerade für Beerdigungen wichtige Schwebung Vox coelestis, die vor allem mit geschlossenem Schweller und Benutzung dessen gemeinsam mit der Aeoline eine unwirklich-himmlische Klangfarbe gibt. Eine Rohrflöte 4′ setzt einen leichten Farbakzent. Das Pedal bildet sich aus einem eigenen Register – einem sehr tragfähigen, etwas dumpfen Subbass 16′, der durch die Transmission des Gedackt 16′ aus dem SW erweitert wird, sodass auch die leisesten Farben begleitet und gestützt werden können. Mehr Register besitzt das ausschließlich auf das Tragen des Klanges ausgelegte Pedal nicht.
Der Klang ist im Raum tragfähig und sehr weich, dennoch präsent, vor allem aber sehr vielfarbig. Leider ist der Zustand der Orgel nicht gut, sie hatte u.a. durch einen Wasserschaden, der zwar nicht die Orgel direkt, wohl aber die Orgelkammer betraf, zu leiden, überdies wird sie nur noch ein- oder zweimal im Jahre genutzt. Schon zu DDR-Zeiten wurde die Orgel oft durch eigens dafür installierte Lautsprecher ersetzt… Das Pfeifenwerk und die Windladen sind in gutem Zustand, ohne Holzwurmbefall oder Schimmel, lediglich eine Reinigung vom Staub der Jahre dürfte das Werk erfahren. Die Pfeifen sind durchweg unbeschädigt und in gutem Zustand, die Windanlage ist nach wie vor dicht. Die Spielhilfen funktionieren ebenso wie die Registereinschaltung ohne Probleme, leider ist im zweiten Manual ein Generalheuler in allen Stimmen auf der Quinte g°-d‘ festzustellen, sodass das zweite Manual momentan nicht gespielt werden kann.
Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Disposition und ihres speziellen Aufstellungsortes ist es ein großes Glück, dass die Orgel nie umgebaut oder entfernt wurde. Daher hat sie in der halleschen Orgellandschaft eine besondere Stellung inne, welche nicht unbeachtet bleiben sollte. Daneben sei darauf hingewiesen, dass das Instrument die einzige original erhaltene Orgel aus der Zwischenkriegszeit der Firma Rühlmann in Halle ist – sowohl die Orgel in der Lutherkirche, als auch die der Christuskirche wurden umgestaltet. Damit hat das Instrument gleich doppelt einen besonderen Wert, verrät es doch auch viel über die Trauerkultur vergangener Jahrzehnte. Vielleicht ist es ja eines Tages möglich, das Instrument in der wenig genutzten Halle zu besonderen Tagen konzertant erklingen zu lassen und damit wieder etwas in die Öffentlichkeit zu rücken – verdient hätte es die Königin mit der edlen Trauerkrone.

Disposition

Manual I – Hauptwerk C – g“‘

Principal 8′

Hohlflöte 8′

Fugara 4′

Manual II – Schwellwerk C – g“‘

Zart-gedackt 16′ (ab C)

Liebl. gedackt 8′

Flauto trav. 8′

Aeoline 8′

Vox coelestis 8′ (ab c°)

Rohrflöte 4′

Pedal C – f‘

Subbass 16′

Still-gedackt 16′ (Tr. II)

 

Spielhilfen

Als Registerschalter links, von links: Manual-koppel, Pedal-koppel z.M.I, Pedal-koppel z.M.II, Unter-oktav-koppel II z. I, Ober-oktav-koppel II z. I
[Oktavkoppeln nicht ausgebaut]

Als Registerschalter ganz rechts: Kalkant [heute ohne Funktion]
Über den Registerschaltern als kleine, nummerierte Schalter: Schalter für freie Kombination
In der Vorsatzleiste unter Manual I als Drücker: Handreg., freie Komb., Tutti
Über dem Pedal mittig links als Fußtritte zum Einhaken: Hand-register, Freie Kombination, Tutti [wechselwirkend mit Drückern unter I]
Über dem Pedal mittig rechts: Balanciertritt (Schwelltritt) für Jalousieschweller II

Gebäude oder Kirchengeschichte

1904 – 1909 Beginn der Planungen für einen ca. 40 ha großen Zentralfriedhof in Halle – die anderen Friedhöfe der Stadt sollten im Zuge dessen geschlossen und nur noch der Zentralfriedhof genutzt werden.
1913 – 16 Erbauung des Friedhofes mit zwei großen Verwaltungshäusern sowie einer monumentalen großen und einer kleinen Feierhalle und des umliegenden Geländes unter Leitung des halleschen Stadtbaurates Wilhelm Jost (1874-1944). Mit erbaut wurden damals Gebäude eines Krematoriums in kleinem Ausmaße, da diese Art der Bestattung erst begann, das Bewusstsein der Menschen zu erreichen.
1914 Beginn der Nutzung des Geländes – die Schließung der anderen Friedhöfe blieb kriegsbedingt aber auch, sodass nie mehr als nur 1/3 der Fläche bewirtschaftet wurden.
1915 Ausmalung der Kuppel der Großen Feierhalle mit Engelsdarstellungen durch den Maler Karl Völker.
1938 Erweiterung des Eingangsbereiches um offene Säulenhallen.
1944 Bombenschaden auf dem Gelände des Friedhofes durch Angriff auf die Siebel-Flugzeugwerke in der frohen Zukunft, dabei wurden die zwei einst links und rechts des heutigen Haupteingangs stehenden Gebäude für Inspektor, Aufseher und Obergärtner sowie ein Teil der Steinsäulen zerstört.
Nach 1945 wurden diese Gebäude nicht wieder aufgebaut.
1967 Beseitigung der Säulenhallen an der Dessauer Straße für eine Straßenerweiterung.
1976-78 Innensanierung der Großen Feierhalle mit Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, dabei Veränderung der Farbfassung und der Engelsdarstellungen.
1978 Wiederinbetriebnahme, u.a. wurde eine neue Beleuchtung und eine Lautsprecheranlage installiert.
1988 Abbau der Monumentalskulpturen auf den Säulen vor der Feierhalle.
1993 Errichtung einer neuen Einäscherungsanlage auf dem Gelände des Feuerbestattungsvereins.
2020 Rekonstruktion der beiden Monumentalfiguren auf den Säulen der Terrasse durch die Schweizer Künstlerin Maya Graber.
2022 die große, monumentale Feierhalle wird durch ihre Größe und schwierige Akustik nur ca. 10-12 Mal im Jahr genutzt.

Seitlich der Hauptstraße zum Stadtteil „Frohe Zukunft“, auf den ersten Blick nur durch den Blumenladen am Eingang gekennzeichnet, erhebt sich das große, ca. 40ha umfassende Areal des Gertraudenfriedhofes – in seinem Zentrum, von der Straße aus nicht sichtbar, der Monumentalkomplex mit Krematorium und großer Feierhalle. Einst war der Gertraudenfriedhof durch den halleschen Stadtbaurat Wilhelm Jost als Zentralfriedhof der Stadt angedacht, der alle anderen Friedhöfe in sich vereinen sollte – daher die gigantischen Dimensionen und die monumentale bauliche Ausstattung. Jost selbst liegt auf dem Friedhof in direkter Sichtachse zu der von ihm erdachten großen Feierhalle. Der erste Weltkrieg verhinderte die Ausführung der Planungen, sodass die weiteren städtischen Friedhöfe erhalten blieben und der Gertraudenfriedhof weder als Zentralfriedhof genutzt wird, noch mehr als 1/3 seiner Kapazität ausschöpfen konnte. Auch der Friedhof wurde im Krieg, eher unfreiwillig, getroffen – links und rechts des heutigen, fünfteiligen Hauptportales in der Straße „Am Landrain“ erhoben sich einst zwei große Wohn- und Wirtschaftsgebäude, in denen der Inspektor, der Aufseher und der Obergärtner wohnten und arbeiteten. Diese heute verschwundenen Gebäude waren Teil des großen Gebäudekomplexes, welcher in seiner Gestaltung an antike Grabmäler und Mausoleen erinnert. Links und rechts des Einganges sind zwei überdachte Säulenreihen zu sehen, welche wie der Eingang zu einer malerischen Parkanlage wirken. Schreitet man nach rechts und etwas weiter geradeaus, so steht man am Ende eines Wasserbeckens, in dem sich der Gebäudekomplex mit der großen Feierhalle in der Mitte im Wasser, tränen- und himmelsgleich in Einem, spiegelt.
Auf dieses mehrflüglige Gebäudeensemble ist der ganze Friedhof im Stile antiker Memorialbauten ausgerichtet. Die große Feierhalle bildet mit ihrer blockartigen Gestalt als Zentralbau das Zentrum des Gebäudekomplexes. Auf beiden Seiten sind um 90 Grad gedrehte, schlichte Seitenflügel angesetzt, denen überdachte Säulengänge vorgelagert sind, welche in nach vorn laufende, überdachte Säulenhallen mit einem kleinen Funktionsraum auf jeder Seite münden. Eine große Freitreppe, die zur Terrasse vor dem Gebäudekomplex emporläuft, verstärkt den beherrschenden Gesamteindruck des Ensembles. Die Feierhalle im Zentrum ist als im Grundriss quadratischer, blockartiger Bau ausgeführt. Rundbogige Blenden, getragen von Pilastern, gliedern das Äußere. Nach oben hin ist ein Obergaden mit rundbogigen Fenstern aufgesetzt, der ein gewölbtes Walmdach mit bekrönendem Kreuz besitzt. Im antiken Stil ist als Haupteingang unten ein Portal mit Spitzgiebel und Zierfries angebracht, der durch vier markante Säulen dorischen Stils getragen wird und damit die antike Wirkung ebenso unterstreicht wie die beiden monumentalen Malsäulen links und rechts auf der Terrasse, welche mit Totentanzreliefs mit Schriftzug versehen sind. Auf den Säulen stehen zwei überlebensgroße Figuren, welche Alpha und Omega im antiken Stil symbolisieren: Links eine männliche Statue mit einer brennenden Fackel, rechts eine Weibliche mit einer zur Erde gerichteten, erloschenen Fackel. Auch die Figuren sind im ebenmäßig-antiken Stil gestaltet und verstärken den geradlinigen, kantig-klaren, erhabenen Eindruck der monumentalen Anlage. Hinter der Feierhalle befinden sich in dreifacher Staffelung die Räume des Feuerbestattungsvereins. Die gesamte Anlage ist auf eine ernsthafte, würdevoll-erhabene, feierliche Stimmung hin ausgelegt – der Tod, der Abschied, der Aufstieg zum Himmel als letztes Monument des Lebens.
Das Innere der außen schlicht verputzten Feierhalle ist bemerkenswerterweise als runde Kuppelhalle gestaltet, welche einen scharfen Kontrast zum kantigen Äußeren darstellt. Es dominieren kühle, gedeckte Farbtöne, welche das Erhabene und Ernste verdeutlichen können. 12 Säulen mit Kanneluren mit dorischen, archaisch-klassischen Kapitellen mit floralem Zierwerk tragen die die Kuppel und gliedern die Wände, deren emporstrebende Wirkung durch farblich abgesetzte Lisenen verstärkt wird. Der Fuß der Kuppel ist mit einem breiten Schriftband in goldener Schrift auf dunklem Grund verziert. Höhepunkt des Innenraumes ist die große, blau gefärbte Kuppel mit ihren sechzehn Fenstern- Im Zentrum der Kuppel ist eine in gedeckten Farben und harten Zügen gestaltete Kreuzigungsszene zu sehen, zwischen den Fenstern befinden sich 16 unterschiedlich gestaltete Engel, welche heute leider nicht mehr die ursprüngliche Darstellung Völkers aufweisen, aber auf den Requiemstext hindeuten: In paradisum deducant te angeli – Ins Paradies mögen Engel dich geleiten. In dieser Gestaltung ist die runde Kuppel der Höhepunkt des Innenraumes. Im Zentrum des Blickes befindet sich ein spitzgiebliges Portal, welches auf zwei Säulen ruht und ein schmuckloses Tympanon besitzt – hier wurden früher die Toten aufgebahrt. Darüber sind die durchbrochenen Gusseisengitter der Orgelkammer zu sehen. Zwei Eingänge links und rechts besitzen ebenfalls Spitzgiebelportale, welche an die antiken Hallen erinnern. Mehrere halbrunde Apsiden sind als Seitenkammern mit zierendem Aspekt in die Wände eingelassen. Der Innenraum ist sehr erhaben und monumental, mit einer überraschend großen Akustik (6 Sekunden Nachhall!). Leider wird die große Feierhalle nur noch selten genutzt, was angesichts ihrer in Halle singulären, überaus monumentalen und erhabenen Atmosphäre sehr bedauerlich ist.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, Sichtung vor Ort, mit mündl. Informationen vor Ort.
Kirchengeschichte: Johannes Richter mit mündl. Informationen vor Ort und Informationen aus einem Beitrag im Webauftritt Friedhofskultur Halle, abgerufen am 23. März 2022.

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