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Orgel: Halle (Saale) / Kröllwitz – St. Petrus

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Gebäude oder Kirche

St. Petrus

Konfession

Evangelisch

Ort

Halle (Saale) / Kröllwitz

Postleitzahl

06120

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Johannes Richter spielt Vincenzo Antonio Petrali (1830-1889) – Versetti per il Gloria No.2 – Andante mosso

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891 – 1971) – Glatzer Variationen II – O laufet, ihr Hirten (1942)

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891-1971) – Norwegische Variationen V – Romsdaljsfjord-Variationen (1937)

 

Johannes Richter spielt Johann Sebastian Bach BWV622 – Orgelchoral “O Mensch, bewein’ dein’ Sünde groß” BWV622



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1901 Neubau einer vorderspieligen pneumatischen Kegelladenorgel durch Wilehlm Rühlmann aus Zörbig als Opus 230 mit 24 Registern auf zwei Manualen und Pedal hinter einem neogotischen Prospekt.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen und Ersatz durch Zinkpfeifen durch Rühlmann.
1936 Erweiterung, Umdisponierung, sowie technische Überholung durch Wilhelm Sauer (Frankfurt). Es wurde ein neuer frei beweglicher Spieltisch gebaut, die Orgel um 5 Register erweitert sowie teilweise das Pfeifenwerk umgestellt.
Um 1960 Umdisponierung und Änderung eines Registers durch Orgelbau Adam (Halle), die Vox coelestis 8′ wurde zur Quinte 1 1/3′.
2021 Leichte Änderungen der ESpieltischelektrik.
2021 spielbarer, jedoch schlechter Zustand, eine Sanierung ist geplant unter Beibehaltung der Disposition.

Die Rühlmann/Sauer-Orgel in St. Petrus zu Kröllwitz ist ein Instrument mit bewegter Geschichte. Einst als spätromantische Orgel in einem geschlossen neogotischen Gehäuse erbaut, zeigt sich ihr Erscheinungsbild heute durch die links und rechts durch Sauer aufgestellten Gehäuseergänzungen mit den oben herausragenden Bechern der Posaune 16′ etwas merkwürdig. Einst stand das Pedalwerk ganz hinten in der Orgel, die Balganlage steht noch heute im Turm. Beim Umbau 1936 wurde nahezu das ganze Pedal hinten aus der Orgel entnommen und in C- und Cis-Seite geteilt links und rechts neben der Orgel in zwei neu geschaffenen Holzanbauten aufgestellt – die Posaune steht dabei ganz vorne. Das erste Manual steht auf Höhe der Prospektöffnungen und ist in C- und Cis-Seite zur Mitte hin abfallend geteilt, darüber befindet sich das Schwellwerk, welches zum Teil oben leicht über den Prospekt ragt. Auch das Schwellwerk ist in C- und Cis-Seite geteilt, jedoch nach außen hin abfallend, sodass der Schwellkasten eine dreifach getreppte Form hat, die sich gut hinter der neogotischen Prospektbekrönung zu verbergen weiß und dem Betrachter nur bei genauem Hinsehen auffällt. Das Pedal flankiert rechts und links die Orgel, der große Doppelfaltenmagazinbalg steht im Turmraum hinter der Orgel.
Klanglich zeigt sich die Orgel als ein interessantes Instrument zwischen Romantik und Orgelbewegung. 1936 wurde bei der Einweihung von der “mordernsten Konzertorgel der Stadt” gesprochen. Neben einer reichen Grundstimmenpalette (samt bei Sauer noch vorhandener Vox celestis) sind orgelbewegte Stimmen wie ein Dulcian oder ein Krummhorn vorhanden. Hier wird das Vergangene nicht geleugnet, sondern alt und neu miteinander verbunden. Dazu gesellen sich reich ausgeführte Spielhilfen aller Arten bis hin zum später oft verschrieenen Piano-Pedal, welches beim Wechsel auf ein leise registriertes zweites Manual automatisch die starken Pedalstimmen abstößt. Bei der Orgel in Kröllwitz ist das Hauptwerk noch klar romantisch ausgerichtet: ein stark tragfähiger Principalchor nebst der in Einzelstimmen geteilten Rauschquinte von Rühlmann und der Mixtur ermöglichen ein raumfüllendes, edles Plenum. Die Mixtur wurde leicht “angespitzt”, ohne sich abzusetzen, sie bekrönt recht weich den Klang. Gravität wird durch einen Bordun 16′ gegeben, Farbschattierungen durch eine edel starke Doppelflöte und ein sanft streichendes Gemshorn, abgerundet durch eine perlend überblasende Flöte. Eine schmetternde Trompete 8′ mit leicht kratzigem Klang gibt Kraft und Stärke. Im zweiten Manual finden sich neben romantischen Farbstimmen (auch eine Vox celeste war bei Sauer noch vorgesehen – diese fiel leider später rigoros zum Opfer) vor allem orgelbewegte Register als Gegenstück zum Hauptwerk. Unverständlicherweise wurde der Geigenprinzipal 8′ von Rühlmann (wesentlich wichtig für das Gewicht dieses Werkes) wegrationalisiert, sodass es dem Schwellwerk heute an Grundsubstanz mangelt. Neben den weichen Grundstimmen gesellt sich ein spitzes, sehr dominantes Quintatön dazu und ein aus der Fugara gewonnener Principal 4′ gibt Gewicht und helle Klangkraft. Die hochliegenden Stimmen sind bis auf die Cymbel 2f. allesamt eher flötig-weich mensuriert und intoniert, sodass sich ein recht bruchlos heller Klang ergibt. Die beiden Zungenstimmen können wahlweise als Solo oder als Füllregister verwendet werden, beide haben einen etwas schnarrend-blechernen, aber nicht grundtonlosen Klang. Die Symbiose aus Vergangenheit und Gegenwart ist hier also als gelungen zu bezeichnen. Das Pedal (durch das Fehlen vom Violon 16′ empfindlich beschnitten) vermag den Klang zu tragen und zu stützen. Der Subbaß ist sehr weit und tragfähig, der Oktavbass stark und konturierend, Choralbass 4′ ist sehr durchsetzungsfähig und zeichnend. Die Posaune 16′ hat durch ihre freie Aufstellung einen sehr starken, harten, aber gut grundierenden Klang. Es fehlt aber hier deutlich der starke Violon 16′ zur Abdeckung der klanglichen Härten dieser Zungenstimme, quasi als “Weichzeichner” ist der Subbass alleine nicht geeignet. Der Klang zeigt sich heute einerseits gravitätisch und stark, andererseits aber auch weich, flötig, warm oder spitz und hell. Die Mischungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig und stets wohlklingend bzw. raumfüllend, was das Spiel an dieser Orgel sehr faszinierend macht.
Der technische Zustand heute (2021) ist leider kein allzu guter. Das Werk ist verstimmt und leidet besonders im 2. Manual unter dem Vibrieren eines Ausgleichbalges, sodass der Klang dort oftmals wie mit Tremulant gespielt erscheint. Windmangel herrscht auch teilweise beim vollgriffigen Spiel. Teilweise lassen sich Register nicht mehr ein- oder ausschalten, die freien Kombinationen sind durch einen Defekt nicht mehr nutzbar, desgleichen die Walze, bei der auch die Uhr nicht mehr funktioniert. Die Posaune spricht in einigen Tönen gar nicht mehr an, viele Tasten im zweiten Manual zeigen, dass die alte elektrische Anlage ihren Zenit überschritten hat – sie funktionieren nur verzögert, langsam oder gleich gar nicht mehr. Pedaltasten bleiben hängen oder funktionieren nicht mehr. Der Schweller hat teilweise Aussetzer, die Abdichtungen des ohnehin nicht sehr wirksamen Konstruktes müssen erneuert werden. Die Verzögerung zwischen Tastenanschlag und Ansprache der Pfeifen ist durch die Verbindung von alter Elektrik und Pneumatik teilweise immens, zügiges Spiel nur mit hoher Konzentration möglich. Positiverweise steht eine Sanierung mit Beibehaltung der Disposition in Aussicht – hoffen wir also, dass die Orgel bald wieder in altem Glanz erstrahlen darf. Die Klangbeispiele in diesem Beitrag mögen dem Leser einen kleinen Eindruck des Werkes vermitteln.

Disposition

Disposition 2021

Manual I – Hauptwerk C – f”’

Bourdon 16′ R

Prinzipal 8′ R

Doppel-flöte 8′ R

Gemshorn 8′ R

Oktave 4′ R

Flut harm. 4′ R

Quinte 2 2/3′ R

Oktave 2′ R

Mixtur 3-4fach S/R

Trompete 8′ S

 

Manual II – Schwellwerk C – f”’

Liebl. Gedeckt 8′ R

Salicional 8′ R

Quintatön 8′ S

Prinzipal 4′ S/R

Fl. amabile  4′ R

Nachthorn 2′ S

Quinte 1 1/3′ (ehem. Vox coelestis 8′)

Sifflöte 1′ S

Sesquialtera 2fach S

Cymbel 2f. S

Dulcian 16′ S

Krummhorn 8′  S

 

Pedal C – f’

Subbass 16′ R

Oktav-bass 8′ R

Bassflöte 8′ R

Choral-bass 4′ S

Nachthorn 2′ S

Posaune 16′ S/R

R – Rühlmann / S – Sauer

Disposition 1901

Manual I – Hauptwerk C – f”’

Bordun 16′

Principal 8′

Doppelflöte 8′

Gemshorn 8′

Gamba 8′

Octave 4′

Flauto harm. 4′

Quinte&Octave 2 2/3′ u. 2′

Mixtur 3-4 fach

 

Manual II – Schwellwerk C – f”’

Liebl. Gedeckt 16′

Geigenprincipal 8′

Liebl. Gedackt 8′

Flauto traverso 8′

Aeoline 8′

Voix céleste 8′

Fugara 4′

Fl. amabile 4′

Flautino 2′

Oboe 8′ (durchschlagend)

Pedal C – d’

Subbaß 16′

Violon 16′

Principalbass 8′

Gedacktbass 8′

Posaune 16′ (aufschl.)

 

Spielhilfen

Als Kippschalter in grün/weiß über den Registerschaltern: Schalter für freie Kombinationen
Als Registerschalter links: II/Ped., I/Ped., II/I, Tremulant [für II]
Als kleine Züge links neben den Registerzügen: Ausschaltungen [Zungeneinzelabsteller]
Mittig zwischen den Registerschaltern: Anzeige [“Uhr”] mit 15 Stufen für Rollschweller
Rechts neben den Klaviaturen: Voltmeter für Spannung der Spieltraktur
Als Drücker in der Vorsatzleiste unter Manual I, halblinks: Handreg. “ab”, Tutti, Auslöser, fr.Comb.I [weiß], fr.Comb.II [grün]
Als Fußtritte, links über dem Pedal, zum Einhaken: Zungen “ab”, II/Pedal, I/Pedal, II/I [nicht wechselwirkend]
Mittig über dem Pedal: Crescendo&Decrescendo [Walze], Fußtritt Walze “ab”, Schweller II.Man. [Balanciertritt für Jalousieschweller]
Rechts über dem Pedal, als Fußtritte: Auslöser, Tutti [rot], fr.Combination I [weiß], fr. Combination II [grün], Piano-Pedal [heute defekt]

Gebäude oder Kirchengeschichte

1900 Grundsteinlegung für eine neue Kirche des stark wachsenden Stadtteils Kröllwitz auf einem hohen Felsen an der Saale.
1901 Einweihung der Kirche.
1901 Guss vierer Glocken durch Ulrich (Laucha) – Tonfolge f-as-b-des.
1917 Abgabe der drei kleineren Glocken.
1925 Guss von zwei neuen Glocken durch Schilling (Apolda), Tonfolge nun des’-f’-as’.
Um 1940 Abgabe der beiden großen Glocken.
1940 Umgestaltung des Altars durch Fritz Leweke.
1945 Schädigung des Kirchendaches durch Trümmer von der gesprengten Kröllwitzer Brücke.
1955 Reparatur des Daches, Neueindeckung, Ankauf zweier Glocken, Tonfolge nun fis’-gis’-h’.
1961 Schaffung eines neuen Altartisches aus Sandstein.
1996 Gründung des Fördervereins Petruskirche.
Ab 1997 umfassende Sanierung des Baukörpers und des Innenraumes.
2021 Erneuerung des Fußbodens des Kirchenschiffes – Asbestsanierung.

Die Petruskirche in Kröllwitz ist mit ihrer Lage 30m über der Saale auf einem Porphyr Felsen ein markantes Wahrzeichen des Stadtteils Kröllwitz, gegenüber gelegen von der Burg Giebichenstein.
Durch die Beschaffenheit des Felsens und die Grundbesitzverhältnisse zum Zeitpunkt des Neubaus, ist die Kirche nicht geostet – der Altar steht im Norden. Die Kirche wurde nach Plänen des auch an der Pauluskirche beteiligten Architekten Johann Matz errichtet und zeigt sich als dreischiffige, stilecht neogotische Hallenkirche mit steil schlanken 45m hohen Turm. Links und rechts vom Turm (mit seinen neogotischen Schallfenstern) befinden sich zwei Treppentürme. Der Chor ist polygonal ausgeführt und besitzt einen an die Backsteingotik mahnenden Treppengiebel. Formsteine und angedeutete Strebepfeiler gliedern das durch weite Spitzbogenfenster dominierte Äußere. Die Kirche ist im Inneren dreischiffig angelegt, von angenehm heller Ausstrahlung und durch backsteinverblendete Pfeiler und Gurtbögen gegliedert. Das Hauptschiff ist mit einem Kreuzgewölbe zwischen Gurtbögen versehen – die schmalen Seitenschiffe tragen ein flaches Gewölbe. Weite und flache Bögen teilen die Seitenschiffe – durch Backsteinverblendungen akzentuiert – vom Hauptschiff ab. Die Fenster sind dreiteilig von einem Spitzbogen umfasst, der Mittelteil ist dabei deutlich erhöht. Jedes Fenster ist mit geometrischen Buntglasmustern versehen. Ein großes, reich mit Polimentvergoldung und umlaufenden Inschriften versehenes Kreuz mit Kruzifix in der Mitte, geschaffen durch Fritz Leweke, bekrönt den 1961 geschaffenen Altartisch aus Nebraer Sandstein. Die Buntglasfenster hinter dem Altar zeigen Szenen aus dem Leben Christi. Links neben dem Altar im Chorbogen ist eine Statue des Hl. Petrus zu sehen, rechts gegenüber die polygonal schlichte Kanzel mit sich verjüngendem Fuß und schlichten, mit Maßwerk versehenen Flachfeldern. Der Schalldeckel ist mit Filialen und Kreuzblumen verziert. In der Mitte befindet sich eine besonders große Filiale mit Kreuzblume. Die Empore umläuft eingeschossig den Raum in u-Form, ihre holzsichtige Brüstung ist mit schlichten galerieartigen Feldern versehen. Die abgerundet vorspringenden Stützbalken dienen gleichzeitig als Akzente vor dem hellen Hintergrund. Die Orgelempore steigt terrassenartig an, der neogotische Orgelprospekt korrespondiert ideal mit den Formen der Kanzel und schafft eine Einheit zwischen Wort und Musik. Die Ausstrahlung des Raumes ist durch die Gurtbögen und das dunkle Holz vor hellem Grund eine freundlich helle, aber an das Ernste und Heilige erinnernde – bekrönt vom Kruzifix. Daneben ist die Akustik eine überaus Gute und angenehme, sodass die Kirche gerne und viel für Konzerte aller Art genutzt wird.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter
Kirchengeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen des Webauftritts der Gemeinde

Videos von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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