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Orgel: Halle (Saale) / Giebichenstein – St. Norbert

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Gebäude oder Kirche

St. Norbert

Konfession

Katholisch

Ort

Halle (Saale) / Giebeichenstein

Postleitzahl

06114

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

Kirche mit Sauer-Orgel

 

Dachbodenorgel



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1927 Einbau einer pneumatischen Kegelladen-Dachbodenorgel durch Anton Feith i.Fa. Franz Eggert aus Paderborn mit II/21 + 1 Windabschwächung, der Einbau des Werkes erfolgte mit einem pneumatisch betriebenen Generalschweller zum Dachboden, dessen Jalousien in die Flachdecke des Raumes eingelassen wurden, der Spieltisch befand sich auf der Empore.
1981 Beschluss zum Orgelneubau, da die alte Orgel unbrauchbar war und nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach – dies geschah mit Hinblick auf das 100jährige Jubiläum der Pfarrei im Jahre 1993.
1982 Angebot der Firma Sauer.
1982 Vertragsunterzeichnung, Kostenpunkt ca. 80.000 DM.
1989 Neubau auf der rechten Emporenseite als vorderspieliges Werk mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal bei rein mechanischen Schleifladen, es handelt sich um den Opus 2230 der Firma VEB Frankfurter Orgelbau Sauer.

Die Kirche St. Norbert ist organologisch wohl eine der faszinierendsten Kirchen der Stadt Halle, besitzt sie doch zwei völlig verschiedenartige Orgeln – eine davon in der besonders für die hiesige Region vollkommen unübliche Bauform der Dachbodenorgel mit Generalschweller in der Kirchendecke. Leider ist das Instrument nicht mehr spielbar und wurde aufgegeben. In der Orgelkammer, die direkt unter dem Kirchendach liegt (und damit im Sommer beträchtliche Temperaturen erzeugt!) liegen nebeneinander in gleicher Flucht zur Richtung des Kirchenschiffes die beiden Manualwerke, quer zum Schiff ausgerichtet befinden sich die Jalousien im Boden und darüber der pneumatische Apparat zur Betätigung der Jalousien. Dahinter befindet sich das Pedalwerk in C- und Cis-Aufstellung. Die beiden Manuale sind chromatisch aufgestellt. Der einst unten auf der Empore stehende pneumatische Spieltisch wurde in seine Einzelteile zerlegt und liegt heute unter den Windladen – die Registerschalter, das Pedal und die Manualklaviaturen sind noch erhalten. Bemerkenswert ist die pneumatische Schwellersteuerung des Dachbodenschwellers. Der Zustand des durch die Kammer gut geschützten Pfeifenwerkes ist gut, die Verschmutzung des völlig vergessenen Instrumentes hält sich gar in Grenzen. Die Pfeifen sind teilweise verbogen, vor allem die Becher des Clairon 4′ und einige Streicherpfeifen sind davon betroffen. Die Tuba 16′ des Pedals fehlt gänzlich, auch in anderen Registern fehlen Pfeifen – drei Register fehlen sogar ganz. Wurm- oder Anobienbefall ist nicht festzustellen.
Der Zustand der pneumatischen Anlage ist unklar, teilweise sind die Leitungen abgerissen und beschädigt. Das Instrument sollte sich aber wieder herrichten lassen, was ein großer Gewinn für die Hallesche Orgellandschaft und für die Orgellandschaft in Mitteldeutschland wäre, da eine (heute vollkommen vergessene) Dachbodenorgel eine absolute Rarität darstellt.
Immerhin wurde das Instrument nicht einfach aussortiert, sondern so belassen und eine neue Orgel auf die Empore gestellt, um den geänderten liturgischen Anforderungen gerecht zu werden. Die alte Orgel mit 22 Registern ist der neuen mit 12 Registern in Größe und Vielfalt deutlich überlegen gewesen – allerdings auch bedingt durch die damalige reiche Holzausstattung im Inneren, die einiges an Klang schluckte. Die reiche Disponierung mit Zungenregistern hat sicher einiges an Klangkraft bereit gehalten.
Die heutige Orgel ist ein eher neobarock angelegtes Instrument mit Rückpositiv. Die Disposition zeigt sich zwar sparsam, aber für den Raum ausreichend – die Akustik trägt den Klang der Orgel sehr gut. Der Holzprinzipal ist weich und tragfähig, ergänzt durch eine helle Oktave und eine kraftvoll glänzende Mixtur, abgerundet und gefüllt durch einen Sesquialter, der cornettartige Registrierungen ermöglicht. Das Rückpositiv ist eher solistisch angelegt und besitzt diverse Möglichkeiten für registrierungen, aber auch Plenafähigkeiten durch die Mixtur. Das Pedal (hinterständig in der Orgel stehend) besitzt drei Register, welche den Klang tragen und durch die Posaune Cantus Firmus-Möglichkeiten eröffnet. Klanglich ist das Instrument glitzernd-silbrig, aber mit ausreichend Grundtönigkeit ausgestattet. Die Traktur spielt sich angenehm und mit präzisem Druckpunkt. Hoffentlich ist es möglich, die einmalige Dachbodenorgel zu restaurieren und damit der Kirchenmusik zwei vollkommen unterschiedliche Instrumente zur Verfügung zu stellen.

Disposition

Disposition Sauer-Orgel

Manual I – Hauptwerk C – g”’ (weiß)

Holzprinzipal 8′

Oktave 4′ (teilw. Prospekt)

Sesquialtera 2f (2 2/3’+1 3/5′)

Mixtur 4f  (1 1/3′)

 

Manual II – Rückpositiv C – g”’ (gelb)

Holzgedackt 8′

Rohrflöte 4′

Prinzipal 2′ (teilw. Prospekt)

Sifflöte 1 1/3′

Scharff 3f (1′)

Pedal C – f’ (weiß)

Subbass 16′

Pommer 8′

Posaune 8′ (Stiefel/Becher Holz)

 

Disposition Feith-Eggert-Orgel (komplett im Generalschweller)

Manual I – Hauptwerk C – f”’ (schwarz)

Prinzipal 8′

Gemshorn 8′

Gedeckt 8′

Gamba 8′

Fugara 4′

Flöte 2’*

Sesquialter 2 2/3+1 3/5′

Trompete 8′ [Vermutung, Registerschild unleserlich]

Manual II – Nebenwerk C – f”’ (rot)

Quintatön 16′

Geig-Prinzipal 8′

Hohlflöte 8′

Aeoline 8′

Vox coelestis 8′

Konzert-flöte 4′

Mixtur 2 2/3′ 2-3fach

Clarinette 8′

Clairon 4′

 

Pedal C – d’ (grün)

Subbass 16′

Zartbass 16′ (Windabschwächung)

Cello 8′

Choralbaß 4′ *

Tuba 16′

*Registerschild überschrieben mit Bleistift

Spielhilfen

Sauer-Orgel (1989)

als Registerzüge links: Tremolo HW, Tremolo RP
als Fußtritte rechts, zum Einhaken: I-P, II-P, II-I

Feith-Eggert-Orgel (1927)

unter den Registerschaltern: Züge für freie Kombination
Als Registerschalter links: SuperOct. Coppel II-I, SubOct. Coppel II-I, Ped.Coppel II, Ped.Coppel I, Man.Coppel [II/I]
weiterhin waren vorhanden: Kollektivdrücker und Schweller für Generalschweller im Dachboden, mehr als die Registerschalter, die Klaviaturen und das Pedal sind vom Spieltisch nicht erhalten 

Gebäude oder Kirchengeschichte

1886 Gründung einer Missionschule mit eigener kleiner Kapelle.
1890 Grundsteinlegung für den ersten katholischen Kirchenneubau seit der Reformation in Halle nach Plänen von Kretzke (Halle)
1891 Weihe der Kirche.
1913 Erhebung von St. Norbert zur Pfarrei.
1934 Purifizierung der Kirche mit Entfernung der neogotischen Ausstattung.
1964 Schaffung des Altarmosaikes durch den Künstler Meinolf Splett von der Hochschule Burg Giebichenstein.
1988 Sanierung der Kirche als Vorbereitung zum 100jährigen Pfarreijubiläum, dabei auch Umgestaltung des Innenraumes.

Die Kirche St. Norbert in Giebichenstein liegt unauffällig an einer Straßenecke im Wohngebiet, eingebettet in die städtische Bebauung. Das Bauwerk ist umgekehrt angelegt, der Altar steht quasi im Westen. Der Bau zeigt sich als zweischiffige Hallenkirche aus hellem Ziegelstein in schlicht neogotischen Formen mit geradem Chorabschluss. 1938 wurde die Sakristei hinzugefügt. Der Kirchturm besitzt einen schlichten spitzen Turmhelm und einen seitlich angefügten polygonalen Treppenturm. Das zweischiffige Bauwerk zeigt sich im Inneren hell und freundlich. Das durch Spitzbögen mit aufgemalten Ziersteinen abgetrennte Seitenschiff ist deutlich niedriger und besitzt ein farblich durch Gurte abgesetztes Spitzbogengewölbe. Das Hauptschiff besitzt seit 1927 eine flache Holzbalkendecke und der gerade Chorraum besitzt ein gotisierendes Bogengewölbe mit durch Ziegel abgesetzte Bögen. Die Wände sind in elegantem Weiß gehalten und durch graue Akzente farblich gegliedert. Die neogotischen Fenster sind mit Buntglaselementen umrahmt. Bemerkenswert ist das monumental den Blick auf den Altar dominierende Mosaik über dem Altar, welches die Wiederkunft Christi samt Visionen zeigt. Das schlichte Altarkreuz und der Tabernakel stammen aus der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein und zeigen, wie der Rest des Raumes, klar deutliche Formen und Linien. Der Tabernakel ist mit goldenem Gitter vor blauem Grund verziert und mit diversen verschiedenen Kreuzdarstellungen versehen. Rechts vom Altar befindet sich eine durch Fritz Leweke geschaffene Madonnenstatue als Nachbildung der gotischen Madonna in der Autobahnkirche Rothenschirmbach. Zwischen den beiden Spitzbögen, welche die Orgelempore tragen, befindet sich eine Statue des Hl. Norbert unbekannter Herkunft. Der ganze Kirchenraum hat zwar seine neogotische Pracht verloren, erhält aber durch die klare und künstlerisch hochwertige Ausstattung eine edle und klar strukturierte Wirkung, die auf das Wort Gottes konzentriert ist.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter
Kirchengeschichte: Webauftritt der Kirchen in Halle, ergänzt durch Informationen aus Peggy Grötschel, Matthias Behne: Die Kirchen in der Stadt Halle. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2006, ISBN 3-89812-352-9, S. 126–127.

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