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Orgel: Halle (Saale) / Böllberg – St. Nikolaus

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Gebäude oder Kirche

St. Nikolaus

Konfession

Evangelisch

Ort

Halle (Saale) / Böllberg

Postleitzahl

06128

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Orgelvorstellung 11 KOMPAKT – Halle (Saale) – Böllberg, ev. Kirche St.Nikolaus

 

Halle (Saale)/Böllberg (D-ST) – ev. Kirche St.Nikolaus – Einzel- und Vollgeläut (Turmaufnahme)

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891 – 1981) – Choralvorspiel “Tut mir auf die schöne Pforte” (1923)

 

Johannes Richter spielt Max Drischner (1891 – 1971) – Choralvorspiel “Wunderbarer König” (1931)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

Vor 1800 keine Orgel vorhanden.
1854 Verhandlungen mit A. F. Wäldner/Halle wegen Anschaffung eines Positivs mit 5 Registern – dies kam scheinbar nicht zustande.
1856 ist keine Orgel vorhanden.
1877 Anschaffung einer Orgel von Orgelbau Wäldner für 180 Mark, Disposition bis dato unbekannt.
1930/31 Abbau der Wäldner-Orgel und Anschaffung eines Harmoniums.
1979 Neubau einer einmanualigen hinterspieligen Schleifladenorgel mit mechanischer Traktur I/7 durch Gerhard Kühn/Merseburg.

Die kleine Kühn-Orgel ist ein dem kleinen, geborgenen Kirchenraum sehr angemessenes Instrument, das durch seinen kantig über Eck gebauten Prospekt in der ansonsten eher abgerundeten Innenausstattung einen wirkungsvollen Kontrapunkt setzt und die Empore bis zum Kruzifix der Südwand und damit nahezu bis zur Kanzel verlängert. Damit schafft das Gehäuse eine Symbiose bei gleichzeitiger Distanz: Die Musik wird durch die kantige Form des Prospektes abgehoben, durch die Nähe zu Kreuz und Kanzel (zum Gotteswort) aber auch mit diesem verwoben, was im Raum durchaus wirksam herüberkommt.
Besonderheit der Orgel sind die geteilten Schleifen bei drei Registern (Teilung zwischen b°/h°), die dadurch im begrenzten Rahmen obligates Spiel und eine Erhöhung der Farbigkeit ermöglichen. Das Gehäuse wirkt eher beengt, welches nicht nur die gesamte Orgel, sondern auch die komplette Windanlage samt Balg aufnimmt. Hinter dem Gehäuse ist der Spieltisch angebracht.
Durch die kurzen Wege der Traktur entsteht ein überaus sensibles und direktes, leider teilweise schwammiges Spielgefühl, was dennoch seinen großen Reiz hat.
Klanglich ist das Instrument, seiner Entstehungszeit entsprechend, in der neobarocken Ära beheimatet. Ein spuckendes, etwas raues, aber tragfähiges Gedackt 8′ wird durch eine perlende, etwas harte Rohrflöte sowie eine helle, weiche Waldflöte 2′ ergänzt zu einem Flötenchor, der allein schon großen Klang in der Kirche besitzt. Kraft wird durch einen singenden, etwas rauchigen Principal 4′ gegeben, die 1 1/3′-Quinte ist eher Gemshorn-artig intoniert und nicht zu laut, bekrönt den Klang angenehm und hell. Dass die hohen Stimmen flötig und im Raum rund und weich klingen ist auch vonnöten, denn die 3fache Mixtur ist dies nicht – ihr Klang ist silbrig-glitzernd, hell, fast gleißend und recht hart, aber noch an der Grenze zum Unangenehmen und fügt sich dennoch gut als Krone in das Werk ein. Der Subbaß allein ist recht dumpf und unbestimmt, benötigt eigentlich immer die Pedalkoppeln, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Der Gesamtklang ist hell, freudig, frisch, etwas spitz, aber noch im Rahmen des Angenehmen und der Größe des Raumes sowie dessen Volumen angemessen. Für barocke und neobarocke Musik ist dieses Instrument gut geeignet. Romantik gerät darauf naturgemäß immer zu einer Kompromisslösung, die aber auch durchaus überzeugen kann.
Somit ist die kleine Orgel zwar keines der großen, vielbesehenen Instrumente, hat aber dennoch ihren Wert und Reiz in der einzigen Kirche der Straße der Romanik in Halle an der Saale.

Disposition

Manual C – g”’

Gedackt 8’*

Prinzipal 4′

Rohrflöte 4’*

Waldflöte 2′

Spitzquinte 1 1/3’*

Mixtur 3f.

Pedal C – f’

Subbaß 16′

die mit * markierten Register sind in Bass und Diskant geteilt.

Spielhilfen

Als Fußtritt zum Einhaken mittig über dem Pedal: Pedalkoppel

Gebäude oder Kirchengeschichte

12. Jahrhundert Errichtung der heutigen Kirche im romanischen Stil durch flämische Siedler.
12. Jahrhundert Einbau von Taufstein, Altarplatte und Sakramentsnische.
1291 Erste Erwähnung der Kirche.
1307 Erhebung zur Pfarrkirche – vorher Filiale des Klosters St. Georgen/Glaucha.
15. Jhd. Schaffung der hölzernen Flachdecke mit spätgotischen Schablonenmalereien.
16. Jahrhundert Sanierung der Kirche – Einbau von Altar, Kanzel und Lutherbüste.
1735 Neueindeckung des Kirchturms.
1787 – 1800 Einbau von Emporen in die Kirche.
1830 Kopie der Deckenmalerei durch Karl Friedrich Schinkel.
1844 die Kirche war seit bereits 20 Jahren nicht genutzt – die Gemeinde nutzte die Kirche in Wörmlitz.
Um 1850 Abriss der Kirche war geplant – Verhinderung durch Landeskonservator von Quast.
1921 Guss der großen Glocke durch Schilling/Apolda (Nominal cis”).
1928 Einbau einer Kirchenheizung.
1930/31 Sanierung der Kirche, Erneuerung der Deckenmalerei im Westen unter Fritz Leweke.
1982/83 Errichtung des schalenförmigen Glockenturmes – die Glocke hing zuvor in einem Dachreiter der heute nicht mehr vorhandenen Friedhofskapelle.
2005/06 Sanierung der Kirche.
2014 Umbau des Glockenturmes und Einbau von Schalljalousien, sowie eines Holzglockenstuhles.
2016 Guss einer zweiten Glocke bei Mark-Maas in Brockscheid in der Eifeler Glockengießerei (Nominal: dis”).

Die kleine Kirche in Böllberg, heute direkt an einer vierspurigen Hauptstraße gelegen, ist die älteste erhaltene und vor allem einzige im original erhaltene romanische Kirche der Stadt und somit auch die einzige Kirche der Saalemetropole, welche der “Straße der Romanik” zugehörig ist. Das Bauwerk ist ein einschiffiger, turmloser Bruchsteinkirchsaal mit angefügter Ostapsis, der schalenförmige Glockenturm jüngeren Datums, der südlich der Kirche steht, ergänzt das Ensemble als Symbiose aus alt und neu sehr wirkungsvoll und dezent. Die Fenster, teilweise im 19. Jhd. vergrößert, sind allesamt als Rundbogenfenster ausgeführt. Bemerkenswert ist das halbbogige Tympanon am Portal, das aus dem 12. Jhd. stammt und zwei verwitterte Rosetten zeigt. Ebenfalls an selbiger Wand angebracht ist das Epitaph für die Patronsfamilie Hildebrand, die bis 1945 Patron der Kirche und Besitzer der Böllberger Mühle, deren Überreste hinter der Kirche sichtbar sind, war. Im Inneren beeindruckt den Betrachter zuerst die hölzerne Flachdecke mit den farbigen Schablonenmalereien aus dem 15. Jahrhundert – ein Unikum in Halle. Die Apsis wird von einem Tonnengewölbe überspannt. Die Wände in weißer Farbe lassen den Raum sehr hell und licht wirken. An der Nordwand der Apsis hat sich ein spitzbogiges, frühgotisches Sakramentshäuschen erhalten. Der kleine Altar zeigt im Zentrum ein Bild des betenden Christus samt Engel, darunter die Worte des letzten Abendmahles auf schwarzem Grund in Gold. Zwei Säulen flankieren das Altarbild, die eine mit Rebenwerk, die andere mit Kornähren umwunden – als Sinnbild für die Sakramente Brot und Wein. In den Akanthusschnitzwangen sind zwei kleine Zierkartuschen mit Bibelworten eingelassen. Die Bekrönung des Altars bildet ein mehrfach abgesetzter Giebel, in dessen Zentrum in goldenen Lettern der hebräische Gottesname in einem Strahlenkranz unter dem halbrunden Giebel zu sehen ist. Die Farbgebung des Altarretabels ist durchweg warm und hell, durch goldene Akzente aufgelockert. Die Altarmensa zeigt noch Weihekreuze und eine Reliquienöffnung. Die Kanzel stammt aus der Renaissance. Ihr Kanzelkorb besitzt durch Pilaster mit goldenen Kapitellen abgetrennte Rechteckfelder, in denen mit Namen versehen Heilige dargestellt sind: Jacobus, Bartholomäus, Paulus und Petrus. Die Darstellungen stammen aus dem 20. Jahrhundert und sind fast expressionistisch. Ein breites Gesims schließt die Kanzel nach oben ab. An der Nordwand der Kirche befindet sich eine kleine, schlichte Loge mit Gitterfenstern, an der Südwand ein großes Kruzifix aus der Zeit um 1700 in bemerkenswert lebensechten Formen. Bemerkenswert ist gleichfalls der massive, sehr große Taufstein aus Sandstein, der ein großer, kreisrunder und sehr tiefer Kelch und als solcher sehr eindrucksvoll ist. Die Empore besitzt farblich abgesetzte Rechteckfelder und ruht auf schwingenden Säulen – sie ist L-förmig angelegt. Der Raum ist von einer edlen, geborgenen, warm-freundlichen, aber dennoch erhabenen Atmosphäre und wird viel und gerne zu Gottesdiensten genutzt. Eine Besichtigung sei herzlichst empfohlen!

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, ergänzt durch Informationen aus: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964
Kirchengeschichte: Johannes Richter – eigene Sichtung, ergänzt durch Aushänge in der Kirche

Videos von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

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