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Orgel: Halle (Saale) / Altstadt – SELK Magdalenenkapelle (Moritzburg)

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Gebäude oder Kirche

Kapelle St. Maria Magdalena (Magdalenenkapelle - SELK)

Konfession

Selbstständig evangelisch-lutherisch

Ort

Halle (Saale) / Altstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1610 wird eine Orgel im Zusammenhang mit Samuel Scheidts Tätigkeit als Hof- und Schlossorganist erwähnt.
1618 Ankauf einer 1533 erbauten Orgel aus dem Kloster Zinna und Überführung in die Schlosskapelle.
1637 Vernichtung dieser Orgel durch einen Brand.
1733 Neubau durch Zuberbier/Köthen als mechanische Schleifladenorgel I/13 – diese Orgel wurde als „klein doch artigk“ beschrieben.
1810 Abverkauf der Zuberbierorgel nach Herzberg/Elster, wo sich ihre Spur verliert – die Gemeinde zog in den Dom um und die Orgel wurde durch die Umnutzung der Kirche zum Magazin obsolet.

Derzeitige Orgel

1899 Neubau einer pneumatischen Kegelladenorgel II/12 durch Wilhelm Rühlmann/Zörbig, Opus 210 als Stiftung des Halleschen Commerzienrates Hübner. Die Orgel erhielt ein neogotisches Gehäuse mit zwei Schaufronten nach Entwurf von Regierungsbaumeister Leibnitz und stand schon damals quasi frei im Raum.
Vor 1915 Einbau eines elektrischen Winderzeugers über der Empore mit dazugehöriger Kanalanlage (!) – es war das erste elektrische Orgelgebläse der Stadt Halle.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn.
Nach 1920 Ersatz durch Zinkpfeifen.
1963 Reinigung der Orgel durch OBM Fritz Jandeck/Halle, dabei Dispositionsänderung im neobarocken Stile.
Um 1980 Überlegungen zum Neubau, da die alte Orgel den Anforderungen nicht mehr genügen konnte.
1990 Neubau mit altem Material durch Kühn/Merseburg (Disposition: M. Rost/M. Schönheit, Bau. Th. Hildebrandt/Fa. Kühn), mechanische Schleifladenorgel II/16 + 2.

Die Orgel der Magdalenenkapelle Halle ist eines der jüngeren Instrumente der Saalestadt – ihre Vorgängerin, deren Möglichkeiten weder technisch noch klanglich überzeugten (wie es meist bei barockisierten Rühlmann-Orgel erlebt werden kann) genügte den Anforderungen auch als Üb- und Unterrichtsorgel für die Hochschule für Kirchenmusik nicht mehr – etwas Solides und Dauerhaftes musste her – so entstand das heutige Werk mit 16+2 Stimmen auf mechanischen Schleifladen. Das Interessanteste an dieser Orgel ist jedoch nicht vorrangig ihr Klang, denn die Disposition liest sich doch recht gewöhnlich-universal. Nein, vielmehr ist es das Gehäuse, welches durch einen recht unkonventionellen Entwurf überzeugt: Auf einem rechteckigen, nach oben geschwungen auskragenden Fuß ruht ein ebenfalls quaderförmiges Gehäuse mit zwei Prospektfronten, die Schmalere ist dabei dem Altar zugewandt, die Breitere zeigt sich gen Süden. Die neogotische Filialen- und Wimpergenzier mit ihren Querriegeln, Balustraden und Spitztürmchen umrahmt dabei die Pfeifen, verdeckt sie aber nicht ganz, wirkt wie ein Gerüst, welches durch die Pfeifen erst ein Gesicht erhält. Da die Pfeifenmündungen deutlich sichtbar, nicht durch Schleierwerk verdeckt sind, erhält das Gehäuse – eine sehr moderne, zeitlose Ästhetik. Einzelne Prospektelemente, vor allem die Kreuzblumen, sind im Kontrast zum dunklen Holzprospekt in Gold hervorgehoben. In der Mitte der Südfront ist eine Engelsfigur mit einer vergoldeten Fanfare angebracht. Die beiden anderen Gehäuseseiten sind aus schlichtem Holz, ohne weitere Zierde.
Der Spieltisch ist vom Kirchenschiff aus gesehen seitlich, vom Altar aus gesehen frontal am Gehäuse angebracht, er besitzt seitliche Flügeltüren. Die Registerzüge sind allesamt auf der linken Seite zu finden. Bemerkenswert ist die Gestaltung der Vorabzüge Nasard und Choralbaß: Ist der Zug nur halb gezogen, ertönt nur 2 2/3′ bzw. 4′, zieht man den Zug ganz, erklingen beide vorhandenen Pfeifenreihen – diese Lösung ist als überaus intuitiv und gelungen zu bezeichnen. Weitere Spielhilfen sind bis auf die rechts des Schwelltrittes angebrachten Koppeltritte nicht. Aus Sicht des Autors ist diese Anlage passend, die Tritte sind gut erreichbar und auch während des Spieles optimal zu bedienen. Allerdings wäre der Bau von Koppelzügen mit Wechselwirkung nach Meinung des Autors doch empfehlenswert gewesen, tut dem Werk an sich aber keinen Abbruch.
Während die Vorgängerorgel ein reines Gottesdienstwerk ohne große Ambitionen für konzertantes Spiel war, hat sich dies nach dem Neubau geändert – zwar ist die Orgel nach wie vor nicht übermäßig groß, doch klanglich mit Schwellwerk samt Zunge und Streicher und Pedal mit Cantus-Firmus-Zunge recht universell nutzbar disponiert. Schönerweise konnte das gesamte neue Werk im alten Gehäuse untergebracht werden. Auf der Höhe der Prospektöffnungen ist vom Altar aus gesehen vorne die Windlade des ersten Manuales, hinter dem Stimmgang die Windlade des zweiten Manuales samt dem (mechanisch gesteuerten) Schwellkasten angebracht. Haupt- und Schwellwerk sind beide in C- und Cis-Seite geteilt. Unter den Manualwindladen befindet sich im Untergehäuse die chromatisch aufgestellte Windlade des Pedalwerkes nebst den Wellenbrettern für die Manualwerke – die Wellen selbst laufen in Aluminiumhülsen und ruhen in Aluminiumdöckchen, die Abstrakten selbst bestehen aber klassisch aus Holz, was dem Spielgefühl entgegenkommt.
Wie eben schon angesprochen ist die Disposition im Rahmen der raumtechnisch begrenzten Möglichkeiten doch sehr vielfarbig gehalten und teilt sich in ein eher mitteldeutsch-barock anmutendes Hauptwerk, ein eher frühromantisches Schwellwerk sowie das tragende Pedal mit Cantus-Firmus-Möglichkeiten. Das Hauptwerk basiert auf einem füllig-warmen Bordun 16′ ab F, der in dem großen Raum die nötige Gravität und Fülle verleiht, ohne den Klang aber zu arg abzudunkeln oder einzudicken. Ein samtig-singender, sehr klangschöner und recht klangkräftiger Principal 8′, eine etwas schlankere, strahlende Octave 4′ sowie eine strahlend-silbrige, aber nicht harte Mixtur 4fach bilden die Principalpyramide und damit das klangliche Rückgrat der Orgel. Die 2′-Lage ist durch eine leuchtend-weiche, aber im Raum recht präsente Waldflöte 2′ vertreten, der hier eigentlich zugehörige Principal 2′ steht zur Kräftigung des Charakters im Schwellwerk. Ein stilles, warm-rundes, gut mischendes Gedackt 8′ rundet die Äquallage des Hauptwerkes ab und füllt den Klang auf. Das zweite Manual besitzt mit dem ätherisch streichenden, recht scharfen, aber nicht lauten Salicional und dem warmen, dunkel-melancholischen Lieblich Gedackt 8′ zwei für romantische Musik wichtige Charakterstimmen der 8′-Lage. Eine spielfreudige, fröhlich-spritzige Rohrflöte 4′ bildet die 4′-Lage, strahlend hell, glitzernd und etwas hart, gleichsam als Klangkrone ist der Principal 2′ intoniert – es tut der Orgel gut, dass nicht noch eine hoch liegende Mixtur disponiert wurde. Dafür fungiert der Principal 2′ als kleine Klangkrone, mit der herben Sesquialtera 2fach und deren Vorabzug (der herben Quinte 2 2/3′) – bei Bedarf noch als Terzmixtur bzw. Cornett erweiterbar. Eine etwas dunkle, mit dem Tremulant aber durchaus lyrisch-klagende, im akkordischen Spiel auch mal etwas schmetternde Oboe 8′ gibt dem Schwellwerk abdunkelnde Kraft und gute Durchsetzungsfähigkeit sowie durch die schnelle Ansprache der Zungenstimme gute Präsenz im Raum. Die Schwelltüren sind dabei recht wirkungsvoll. Das Pedal bietet quasi „von allem etwas“. Ein runder, fülliger Subbass trägt den Klang vor allem im Raum gut, er entfaltet in der Kirche unten ein gutes Bassfundament. Sanft streichend, aber nicht dünn oder säuselnd ist das Gemshorn, welches dem Pedal angenehme Zeichnungsfähigkeit verleiht. Gut nutzbar ist der Vorabzugs-Vierfuß, er fügt sich angenehm in den Pedalklang ein ohne aufdringlich zu sein und zeigt gute Solomöglichkeiten im Raum, mit dem 2′ dazu ist dies schon fast etwas viel des Guten – der 2′ ist recht stark. Die Trompete 8′ ist im Raum präsent, kraftvoll, aber nicht aufdringlich oder lärmend, sie spricht schnell an und gibt dem Pedal auch für starke Cantus-Firmus-Bearbeitungen eine gute und durchsetzungsfähige Stimme. Der Klang der Orgel ist vielfarbig, mächtig, silbrig-glänzend, aber auch melancholisch und zurückhaltend weich – diese Vielfalt verdankt das Werk u.a. der klugen Wiederverwendung von Material aus der alten Rühlmann-Orgel, sodass das Instrument trotz aller Umbauten und trotz der auf dem Papier recht gewöhnlichen Disposition vielfarbig und kraftvoll den Raum füllt, wobei freilich die ein oder andere Stimme dem exponiert stehenden Werk nicht schlecht zu Gesichte stehen würde. Dennoch ist die Orgel in Klang und Mensur dem Raum durchaus angemessen und erfreut mit vielen Klangmöglichkeiten und Farben, die man aber leider oft am Spieltisch durch die Lage desselben nicht oder nur eingeschränkt genießen kann.
Der Zustand des Werkes ist gut, die Orgel ist trotz zweier heiß trockener Sommer vollständig spielbar, ohne Heuler und Durchstecher. Einziges Manko ist das durch die Aluminiumhülsen um die Wellen herum etwas teigig-unpräzise Spielgefühl, welches sich mit gekoppelten Manualen noch verstärkt. Der Schwelltritt ist zudem relativ leichtgängig. Dennoch bereitet das Werk Freude beim Spielen und überzeugt mit seiner farbigen Vielfalt, die dem Erbauer und den Planern sowie der Raumakustik ein gutes Zeugnis ausstellt.

Disposition

Disposition Stand 2022

Manual I – Hauptwerk C – g“‘

Bordun 16′ (ab F)*

Principal 8’*

Gedackt 8’*

Oktave 4’*

Waldflöte 2′

Mixtur 4f. (1 1/3′)

Manual II – Schwellwerk C – g“‘

Liebl. Gedackt 8’*

Salicional 8’*

Rohrflöte 4’*

Nasard 2 2/3′ (Halbzug Sesquialtera 2f.)

Principal 2′

Oboe 8′

Pedal C – f‘

Subbaß 16’*

Gemshorn 8′

Choralbaß 4′ (Halbzug Choralbaß 4’+2′)

Choralbaß 4’+2′

Trompete 8′

*Register ganz oder teilweise von Rühlmann

 

Disposition Rühlmann 1899 (Op.210)

Manual I – Hauptwerk C – f“‘

Bordun 16′

Principal 8′

Gambe 8′

Hohlflöte 8′

Octave 4′

Rauschquinte 2fach (2 2/3’+2′)

Manual II – Oberwerk C – f“‘

Liebl. Gedackt 8′

Flauto trav. 8′

Viola 8′

Rohrflöte 4′

Pedal C – d‘

Subbaß 16′

Principalbaß 8′

 

Disposition der Zuberbier-Orgel 1733

Manual C,D – c“‘

Bordun 16′

Principal 8′

Gedact 8′

Octav 4′

Gemshorn 4′

Quinta 3′

Tertie 1 3/5′

Mixtur 3fach

Trompet 8′

Pedal C,D – c‘

Subbaß 16′

Octavbaß 8′

Waldflöte 4′

Posaunenbaß 16′

 

Spielhilfen

Spielhilfen Kühn-Orgel (1990)
Als Registerzug links unten: Tremulant (für Manual II)
Über dem Pedal mittig: Balanciertritt für Jalousieschweller Manual II
Über dem Pedal mittig rechts als Fußtritte zum Einhaken: HW/P, SW/P, HW/SW
Rechts neben den Klaviaturen: Druckknöpfe „Ein“ [grün] und „Aus“ [rot] für Motor

Spielhilfen Rühlmann-Orgel Op.210 (1899)
Manualcoppel II/I, Pedalcoppel I/P, Pedalcoppel II/P, Oberoctavkoppel II/I, Collectivschalter „Volles Werk“

Spielhilfen Zuberbier-Orgel 1733
Pedal-Coppel, Tremulant (aufs Manual)

Gebäude oder Kirchengeschichte

1484 Beginn eines Kapellenbaus im Zusammenhang mit der Erbauung der Moritzburg, der ab 1484 erfolgte.
1503 werden erste Messen in der Kirche durch Erzbischof Ernst von Magdeburg.
1509 erste Weihe der Kapelle durch Erzbischof Ernst von Magdeburg.
22.07.1514 am Festtag der Hl. Maria Magdalena, der Kirchenpatronin, wird die Kirche durch Kardinal Albrecht von Brandenburg als Hofkapelle geweiht.
Nach 1517 wurde die Kapelle durch Kardinal Albrecht nicht mehr genutzt, dieser war durch die Reformation de facto vertrieben worden.
1637 Burgbrand, dabei wurde auch die Kapelle in Mitleidenschaft gezogen, das Gewölbe stürzte ein.
1637 Einbau einer Flachdecke, erneute Nutzung der Kirche.
Ab 1690 Nutzung der Kirche durch die franz.-reformierten Hugenotten, welche die Kirche nach ihren Vorstellungen umgestalten.
1805 Umzug der reformierten Gemeinde in den Halleschen „Dom“.
Ab 1805 Aufgabe der kirchlichen Nutzung, das Gebäude diente als Vorratsraum, Strohmagazin und später als Lazarett.
1817 Vermietung des Gebäudes an die Universität Halle, die es u.a. als Reifenlager für die Böttcherschaft der Saline nutzte.
1847 Ankauf der Kapelle durch den preußischen Staat.
1870 Nutzung als Lazarett für verwundete französische Soldaten.
1894 anlässlich des Jubiläums der Universität Halle Planungen für eine Rekonstruktion und Nutzung als Universitätskirche.
1895 Neueinwölbung der Kirche, das Gewölbe ist mit reich verzierten Schlusssteinen versehen.
1898/99 Ausmalung der Kapelle durch Maler August Oetken.
09.Mai 1899 Weihe der restaurierten und wiederhergestellten Kirche.
1921 Übertragung des Nutzungsrechtes an die altlutherische Gemeinde zu Halle.
1988 Sanierung der Buntglasfenster durch B. Haase.
1993 Restaurierung der gesamten Kapelle.
1999 Abschluss der Sanierung, Herausgabe der Festschrift zur Sanierung der Kapelle.

Die Magdalenenkapelle, wie sie im Volksmund genannt wird (eigentlich trägt sie das Patrozinium der Hl. Maria Magdalena) ist zwar von außen gut an den Mauern der Moritzburg zu sehen, bleibt aber oftmals ein Geheimtipp und ist eines der halleschen Kleinode. Vor der Reformation beherbergte das Gotteshaus bis 1519 den wohl größten Reliquienschatz des Abendlandes, das „Hallesche Heiligtum“, sodass die Kapelle auch als Wallfahrts- und Ablassort diente. Der Name „Kapelle“ ist dabei fast ein wenig Tiefstaplerei, ist die Kirche doch größer als so manche Dorfkirche hier in der Umgebung. Die Kirche selbst wurde an der Nordostecke der inneren Maueranlage der Moritzburg als einschiffige Wandpfeiler- bzw. Hallenkirche im spätgotisch-sächsischen Stil mit dreiseitigem Chorabschluss erbaut. Die Nordwand der Kapelle schließt plan mit den Außenmauern der heutigen Moritzburg ab, im Westen ist das Gotteshaus direkt an die Gebäude des Innenhofes angeschlossen, fast verschämt versteckt liegt der Eingang in einer Häuserecke, nur zwei (neo)gotische Maßwerkfenster macht auf die einstige Schlosskapelle aufmerksam. Das Gotteshaus ist als einschiffige Hallenkirche in Wandpfeilerbauweise mit dreiseitigem Ostabschluss erbaut. Hohe Spitzbogenfenster durchbrechen das Mauerwerk und lassen Licht in das Innere der Kirche fallen. Betritt man das Innere, wird man durch das 15m hohe Gewölbe mit einem geräumigen, himmelstrebenden Inneren überrascht, welches vor allem durch die geringen Ausmaße des Grundrisses von ca. 14 bzw. 23m und den Kunstgriff der hohen Gewölbe beeindruckend wirkt. Die runden, durch Mauerwerk mit der Wand verbundenen Pfeiler erzeugen zusammen mit den Stichbogenarkaden, welche die den ganzen Raum umlaufende Empore tragen, einen dreischiffigen Eindruck. Die dadurch gebildeten Seitenräume besitzen ein Netzgewölbe. Ab der Höhe der Emporenbrüstung sind die runden Pfeiler dann freistehend und nehmen die Bögen der drei großen Netzgewölbe-Joche auf. Das Mittelfenster hinter dem Altar zeigt gotisierendes Maßwerk. Das Innere zeigt eine gut erhaltene Ausstattung der Erbauungszeit, ergänzt durch eine farbige Ausmalung mit geometrischen Mustern und biblischen Bildern durch den bekannten Kirchenmaler August Oetken, der auch die Rundpfeiler mit angedeuteten Mauerfugen bemalte. Die Bemalung der Emporenbrüstung erweckt in ihrer durchbrochenen Arbeit vor farbigem Hintergrund dabei von unten gesehen fast den Eindruck einer gotischen Steinbalustrade. Auch die Wände im unteren Teil des Kirchenschiffes sind mit angedeuteten Mauerfugen bemalt. In der nordwestlichen Ecke der Kirche ist die Orgelempore angebracht, die quadratisch in den Raum hinein ragt und wie die Gemeindeempore von einer runden Steinsäule getragen wird. Direkt beim Betreten des Gotteshauses fällt an der großen, planen Wandfläche jener Empore dem Besucher ein Gemälde Oetkens in den Blick: Die Geburt Jesu, die Szene von Maria und Josef im Stall, dargestellt in einem runden Medaillon, umspielt von ockernen Floral-Elementen auf rotem Grund, erzeugt das Bild eines innerlichen Neubeginns beim Betreten der Kapelle. Rechts des Altars ist eine ebenfalls gemalte Szene der Frauen am offenen, leeren Grabe Jesu, wobei der Engel ein Spruchband trägt. Links des Altars ist eine Malerei der Kreuzigung zu sehen. Links und rechts des Altaraufsatzes sind zwei Engel auf die Wand gemalt, die Gewölbe der Seitenräume sind mit geometrischen Mustern verziert. Der hochwertig geschnitzte Altaraufsatz ist im Unterteil dreiteilig – zwei gotische Spitzbögen, die an Biforien erinnern, flankieren den Mittelteil mit dem in goldener Fraktur aufgebrachten Spruch „Kommt her zu mir alle…“ aus Matth.11, 28, der sich an vielen Altären in der Region findet. Der linke Spitzbogen ist mit Kornähren, der Rechte mit Weinreben bzw. Trauben gefüllt, die Früchte sind in Gold hervorgehoben und symbolisieren so Leib und Blut Jesu, also Brot und Wein, das Hl. Abendmahl als eine der zentralen Säulen des Christentums. Über dem Spruchband sind zwei geschnitzte Engel als Relief zu sehen, die am rechteckigen Kanzelkorb angebracht sind, welcher nahtlos in das Unterteil des Altars übergeht. Auf zwei schmalen Ständern dahinter ruht der reich mit neogotischer, teils vergoldeter Filialen- und Wimpergenzier sowie ebenso wie der Altaraufsatz mit Kreuzblumen versehene Schalldeckel von achteckiger Form, der von einem Kreuz bekrönt wird. Das Innere des Gesprenge artigen Schalldeckels nimmt die Form des Netzgewölbes wieder auf und zeigt im Zentrum eine goldene Taube. Bemerkenswert sind auch die drei Buntglasfenster hinter dem Altar: alle drei wurden nach historischen Vorbildern vom Atelier Linnemann und Söhne/Frankfurt a.M. gefertigt. Sie beziehen allesamt die Legenden der Hl. Magdalena und ihre Beziehung zu Christus mit ein. Im Mittelfenster ist die im Johannesevangelium beschriebene Begegnung zwischen der reuigen Sünderin Maria Magdalena und dem Auferstandenen zu sehen, das linke Fenster zeigt die Kreuzabnahme Christi, im rechten Fenster ist die Grablegung Jesu zu sehen. Bemerkenswert ist auch das Netzgewölbe: Die einzelnen Bögen sind nicht nur farbig ausgemalt, auch 15 Schlusssteine sind als Wappensteine mit farbigen Wappen gestaltet (Wappen der Hohenzollern, umgeben von vier weiteren preußischen Wappen, Wappen der Universität mit den Symbolen von vier Fakultäten, sowie das Wappen der Provinz Sachen mit vier weiteren Städtesymbolen). Zudem ist über dem Eingang noch das Stadtwappen von Halle zu sehen. An der Nordwand unter der Empore befindet sich eine Weihetafel, welche über die prunkvolle Weihe der Magdalenenkapelle durch den Kirchenfürsten Kardinal Albrecht von Brandenburg berichtet, sowie über den Reichtum an Reliquien, die in der Kapelle ausgestellt waren. Die Wappen der durch Albrecht von Brandenburg beherrschten Bistümer (Mainz, Magdeburg, Halberstadt, deren Bischof er in Personalunion war) sowie das Hohenzollernwappen und der brandenburgische Adler dokumentieren Albrechts Macht und die Pracht seines Hofes. Deutlich schlichter ist der eigentliche Weihestein der Kapelle ausgefallen: Er befindet sich in der Westwand fast unter dem Gewölbe und zeigt in quadratischer Form jeweils Salbgefäße als Symbol der Kirchenpatronin sowie Salzkörbe als Symbol für die Stadt Halle und als Erinnerung an die Menschen, die den Bau der Kirche finanziell tragen mussten.
Die Wandmalereien sollten wieder einmal erneuert werden, sie zeigen deutliche Spuren überbordender Feuchtigkeit. Insgesamt ist der Raum zwar weit und sehr elegant und erhaben, überraschend groß, aber durch die hoch liegenden und kleinen Fenster sowie die Umbauung auf der Südseite durch den Innenhof nicht besonders hell, dennoch freundlich und einladend – durch die neogotische Ausstattung gleichzeitig auch sehr elegant wirkend, zumal die Zier im Orgelprospekt wieder aufgenommen wird und somit die Einheit aus Musik und Wort demonstriert.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Hans-Karl Hähnel „Die Orgel und ihre Vorgänger, in: Die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg zu Halle“ – Verlag Janos Stekovics, 1999, ISBN-10 3932863356, S.71ff.
Kirchengeschichte: Beitrag auf der Webseite der Gemeinde, abgerufen am 24.01.2022

Historische Dispositionen in: Die Maria-Magdalenen-Kapelle der Moritzburg zu Halle – Verlag Janos Stekovics, 1999, ISBN-10 3932863356, S.71ff. (Hans-Karl Hähnel: Die Orgel und ihre Vorgänger)

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