FACEBOOK   INSTAGRAM   YOUTUBE

Orgel: Halle (Saale) / Altstadt – Konzerthalle Ulrichskirche (ehem. St. Ulrich)

ACHTUNG: Liebe Besucher/innen, wir bitten Sie keine Inhalte wie Texte und Bilder vom Orgel-Verzeichnis auf andere Seiten/Medien zu übertragen (Datenschutz).

Für Anfragen kontaktieren Sie bitte das Orgel-Verzeichnis über das Kontaktformular.

Gebäude oder Kirche

Konzerthalle St.Ulrich

Konfession

konfessionslos - profaniert

Ort

Halle (Saale) / Altstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

Ansichten von außen

Bildergalerie Innenraum

Barockprospekt auf der Empore

Blick nach Osten zur Sauerorgel, Prospektansichten der Sauerorgel

Spieltisch der Sauer-Orgel Op.2100 (Stand 2022)

Zweitspieltisch der Sauer-Orgel



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1573 erbaute Esaias Beck eine Orgel auf der „Mittagsseite“ (also im Süden) der Kirche – die Orgel „stand“ an dieser Seite, das Gehäuse wurde vom Mahler Michael Treuding bemalt.
1663 wird berichtet, dass die Orgel „weil sie auf solche Art viel Platz eingenommen, und auch schadhaft worden [war]“ und deswegen auf die „Abendseite“ [in den Westen]
dem Altar gegenüber gesetzt worden war.
1673 wird die Orgel von Christian Förner/Halberstadt für 950 Reichsthaler „mit Zugabe der alten, neu verfertigt“, also mit alter Substanz neu gebaut – die Arbeiten übernahm Ludwig Compenius in Kommission für Förner.
1675 wird berichtet, dass das Instrument erst in diesem Jahr „zur völligen Perfection“ gebracht.
16. November 1675 Einweihung der Orgel, u.a. mit einer besonderen Orgelpredigt – das Instrument hat 2 Manuale (Hauptwerk und Rückpositiv) sowie Pedalwerk.
1716 Revision der Orgel durch Christoph Cunzius (auch: Kunzius, Kuntze, Contius, Cuntius), der u.a. in der Marktkirche zu Halle eine neue Orgel erbaute – er erweiterte das Werk um ein Brustpositiv, ohne Nebenregister hatte die Orgel 39 Stimmen auf drei Manualen und Pedal. Es wird aber angemerkt, dass dem Werk „Schleiffladen“ nebst „32 und 16 füßigen Bäßen“ fehlen – das Bassfundament scheint also den Zeitgenossen, gerade auch im Vergleich mit der neuen prachtvollen Orgel der Marktkirche zu schwach gewesen zu sein. Dennoch wird der Orgel bescheinigt, dass sie „gut in Stande“ und „wohl intoniret“ ist. (In einer anderen Datenbank wird das zweite Manual bei Förner als Brustwerk bezeichnet – dies ist jedoch offensichtlich nicht korrekt, da nach Dreyhaupt 1716 erst ein Brust-Positif eingebaut wurde.)
1827 Entfernung des nicht mehr zeitgemäßen Rückpositives durch Friedrich Wilhelm Wäldner, der es in die St. Markus-Kirche zu Ziegelroda umsetzte – zu diesem Zeitpunkt scheint das RP aber zwei Stimmen weniger gehabt zu haben als 1716. In den Akten erscheint aber eindeutig der „Ankauf eines Orgelwercks, welches vormals bereits in der St. Ulrichs-Kirche zu Halle gebraucht worden war“.
1886 nimmt die Orgel durch ungenügenden Schutz vor Staub bei der Renovierung des Innenraumes Schaden (laut Urania) – es erfolgt nur eine dürftige Reinigung einiger Register.
1888 auf Betreiben des Pfarrers erstellt August Ferdinand Wäldner einen Kostenvoranschlag für die Abtragung und Reinigung des Werkes über 1200M. Es wird berichtet, dass Wäldner in diesem Kostenanschlag allerdings nicht auf die dringend gewünschte Umstimmung der Orgel eingeht und auch für das simple Umstecken der Pfeifen auf den Stücken einen gesonderten Voranschlag über 960M erstellt (laut Urania).
1890 wird sich für Emil Heerwagen aus Klosterhäseler entschieden, welcher 1887 in der Filialkirche in Diemitz zur großen Zufriedenheit eine neue, kostengünstige Orgel aufgestellt hatte.
1890 große Umarbeitung der Orgel durch Emil Heerwagen/Klosterhäseler: Umbau des Spieltisches mit Einbau neuer Manualklaviaturen (D,E,F – d“‘ statt C,D,Dis – c“‘) die durch die Umstimmung der Orgel erforderlich wurden. Rückung der Pedalstimmen um einen Ganzton, sodass die Normalstimmung erreicht wird, C und D werden neu gebaut, Umdisponierung – Schleifladenorgel II/35.
Die Orgel scheint vorher schon einmal umdisponiert worden zu sein, es wird eine Quinte 5 1/3′ im Pedal erwähnt, die in den anderen Aufzeichnungen nicht erscheint.
1890 Abnahme der Orgel – Heerwagen wird bescheinigt ein „geschickter tüchtiger Meister zu sein“, ihm werden 1175 Mark ausgezahlt.
1890 wird ebenfalls berichtet, dass die Zungenstimmen einen unschönen, plärrenden Ton hatten [„Erbübel“] und das Heerwagen deshalb für 80 M. neue Holzaufsätze für die Posaune 16′ fertigt. Danach wird der Orgel bescheinigt, dass sie den „Billigen Anforderungen beim Gottesdienste entspricht und vielleicht über längere Zeit hinaus einen Neubau entbehrlich macht“.
1905 Neubau einer vorderspieligen pneumatischen Kegelladenorgel III/44 + 1 durch Wilhelm Rühlmann/Zörbig als Opus 270 hinter den barocken Prospekt – dieser wurde etwas nach vorne gezogen und an beiden Seiten dezent um ca. 70cm erweitert bzw. ein neues Gehäuse erbaut.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn.
1920er Jahre Ersatz durch Zinkpfeifen.
1930 Erweiterung des dritten Manuals um einen zusätzlichen Schwellkasten durch Rühlmann jun. – III/50 + 1, das Werk wurde nicht umdisponiert. Die zusätzlichen orgelbewegten Stimmen in einem neuen Schwellkasten eingebaut, die Schalter dezent im Spieltisch integriert – welch pietätvoller Umgang mit dem Material seines Vaters!
1971 endete die Nutzung von Kirche und Orgel – die Kirche wurde nicht mehr genutzt, die Orgel infolge dessen beschädigt und geplündert – nur wenige Pfeifen, die Windladen und der Spieltisch blieben von Rühlmanns Werk erhalten.
1980 Neubau einer dreimanualigen mechanischen Schleifladenorgel III/55 + 1 mit elektrischer Registertraktur durch VEB Frankfurter Orgelbau Sauer als Opus 2100 – der Prospekt nimmt dabei in seiner Bauweise die Form eines stehenden Kreuzes auf. Für Continuo-Spiel wurde auf der Bühne vor der Orgel ein elektrischer Spieltisch mit einem Manual und Pedal installiert über den die Register des RP und ein Register des SW separat angesteuert und von unten mit direktem Blick auf den Dirigenten gespielt werden können. Dieser Spieltisch ist auch heute noch rege in Gebrauch.
2019 Generalüberholung der Orgel durch Alexander Schuke – Austausch der Schleifenzugmotoren durch Schleifenzugmagnete, leichte Dispositionsänderung, Einbau einer elektrischen Setzeranlage, Umgestaltung des Spieltisches mit neuen Registerschaltern von Heuss, Einbau einer zweiten Walze für Registranten/Dozenten – der grundlegende Charakter des Werkes bleibt erhalten.
2019 Ausbau des alten Rühlmann-Spieltisches auf der Empore durch Studierende der EHK, dieser wurde anlässlich einer Orgelsanierung als Grundgerüst nach Magdeburg verbracht.
31.10.2019 Einweihung der Orgel mit einem Festkonzert – das Instrument wird für Unterricht und Prüfungen der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik sowie bei anderen Veranstaltungen reichlich und viel genutzt.
2022 Ernennung von Anna-Victoria Baltrusch, Dozentin an der EHK, zur Titularorganistin der Ulrichskirche.

Die ehemalige Ulrichskirche, heute auch Konzerthalle am Boulevard genannt, blickt auf eine lange und wechselvolle Orgelgeschichte zurück. Namhafte Meister wie Esaias Compenius, Christoph Contius und Christian Förner (Erfinder der heute im Orgelbau stets gebräuchlichen Windwaage) und nicht zuletzt Vater und Sohn Rühlmann, VEB Frankfurter Orgelbau Sauer sowie Alexander Schuke Orgelbau Potsdam gaben dem Raum ein klingendes Gepräge. Der große barocke Orgelprospekt auf der Westseite ist heute stumm, blickt mit seinem vergoldeten Zierwerk und seinen Zinkpfeifen still und ernst in den Raum auf seinen Gegenpart, die Sauer-Orgel von 1980. Dabei ist dieses große Barock-Gehäuse sehr eindrucksvoll. Ein halbrund überhöhter Mittelturm wird von zwei kleinen Flachfeldern mit daran angrenzenden Spitztürmen flankiert. Reiches florales und vergoldetes Schnitzwerk verziert die Schaufront, die von geflügelten, Trompete blasenden Engeln auf den beiden Seitentürmen sowie dem Schriftzug „SOLI DEO GLORIA“ bekrönt wird. In der Mitte prangt unter einem geflügelten Puttenkopf voller Stolz das Hallesche Stadtwappen – ganz oben unter dem Gewölbe in einem Strahlenkranz ist der hebräische Gottesname zu sehen. Schon allein das Gehäuse offenbart die Bedeutung des Neubaus und auch den Stolz der Stadt, das „Soli Deo Gloria“ kurz oberhalb des Stadtwappens, zwischen Selbiges und den Gottesnamen zu setzen. Die Rühlmann-Orgel dort oben war mit ihren 51 Registern ein sinfonisches Werk. Der Spieltisch war mit seinen durchaus auf konzertantes Spiel angelegten Spielhilfen wie einer Walze für den Registranten, diversen festen Kombinationen und einem „Piano-Pedal“, welches zwei besonders leise Register aus dem dritten Manual nochmals im Pedal spielbar machte, ein Zeitzeugnis. Der Gedacktbaß 16′ hatte dabei zwei Registerschalter, einen in der normalen Reihe im Pedalwerk und einen an der Seite in der Piano-Sektion, wie Rühlmann es auch in Hettstedt baute. Eine Besonderheit war sicher das Schwellwerk – die 6 Stimmen, die 1930 durch W. Rühlmann jun. ergänzt wurden, fanden in einem separaten Schwellkasten Platz, dessen Ansteuerung an den schon vorhandenen Schwellkasten angebunden wurde. Durch die Zungen zu 16, 8 und 4 Fuß sowie die Mixtur erhielt das Werk eine auch für andere Musikrichtungen angemessene Disposition – leider ist diese Orgel bis auf die Windladen und wenige Pfeifenfragmente verschollen.
Die neue Konzertorgel, das 2100. Werk der Firma Sauer aus Frankfurt, fügt sich gut in den ehemaligen Chorraum ein. Ein ungewöhnlicher, aber gelungener Kunstgriff im damals sozialistisch-profanierten Kirchenraum ist die Gestaltung des Prospektes bzw. Gehäuses als stilisiertes Kreuz, passend zum Altarraum, sodass die Orgel überaus passend sich einfügt. Das Instrument ist in Werkgestalt aufgebaut, das bedeutet, dass alle Werke von außen sichtbar sind. Vorne steht das Rückpositiv, über dem Spieltisch hinter einem stummen dreitürmigen Prospekt das Schwellwerk mit seinen Jalousien, die mechanisch angesteuert werden. Darüber steht als Krönung des Prospektes das Hauptwerk, das Pedal flankiert mit zwei Türmen das Gehäuse und bildet gleichzeitig die Kreuzarme. Die Prospekte von Rückpositiv, Schwellwerk und Hauptwerk sind als Reminiszenz an die Prospektgestaltung der hiesigen Region gehalten – drei spitz zulaufende Pfeifentürme werden durch je zwei kleine Pfeifenfelder untergliedert, wobei hier die äußeren Türme deutlich überhöht sind. Der Spieltisch befindet sich hinter dem Rückpositiv, früher besaß er 8 elektrisch frei programmierbare Setzer, zudem noch zwei frei programmierbare elektrische Pedalkombinationen. Eine Registerfessel erleichterte das Umregistrieren, eine Aufgabe, die der Autor selbst noch übernehmen durfte und die mit den alten DDR-Druckknöpfen (mit Birnen beleuchtet, welche ab und an einmal ausfielen, sodass man nicht genau wusste, welches Register betätigt war und welches nicht) durchaus anspruchsvoll war. Seit 2019 wird dies durch die Setzeranlage immens erleichtert, zudem wurde auch noch eine zweite Walze für den Registranten integriert, welche sich links am Spieltisch befindet. Als Besonderheit darf noch angemerkt werden, dass neben dem geschweiften Pedal, welches normalerweise sich am Spieltisch befindet, auf Wunsch des Organisten ein zweites, doppelt geschweiftes Radialpedal nach amerikanischem Standard angebaut werden kann, sodass jeder Spieler an dieser Orgel seine Heimat finden und sich auf seine persönlichen Vorlieben einstellen kann. Desweiteren sei der Zweitspieltisch erwähnt, der für Continuo-Aufgaben das Rückpositiv von unten von der Bühne aus spielbar macht. Auch ein Register aus dem Schwellwerk ist dort vorhanden, allerdings gibt es aus unerfindlichen Gründen keine Möglichkeit, den Schweller von unten zu betätigen, sodass dieses Register etwas merkwürdig im Kontext wirkt.
Die Windladen sind als Schleifladen ausgeführt, die Registratur erfolgt elektrisch über Schleifenzugmagnete, die Spieltraktur selbst ist mechanisch. Balganlage und Gebläse befinden sich im Fuß des Orgelgehäuses. Jenes offenbart zumindest von der Seite betrachtet seine nicht unerhebliche Tiefe, und bewahrt sich dennoch eine bemerkenswerte Schlankheit, die vor der weißen Wand nahezu schwerelos zu sein scheint. Die Disposition zeigt sich auf Universalität angelegt – natürlich kann hier nicht auf jedes Einzelne der vier Werke eingegangen werden, doch einige charakteristische Stimmen seien genannt. Im Rückpositiv sei besonders das dunkel-weiche Holzgedackt und die lyrisch-melancholische Quintadena sowie das klagende Krummhorn hervorgehoben, welches unter Umständen auch als Vox-Humana-Ersatz dienen kann, vor allem mit dem Tremolo. Auch die Mixtur 4fach ist seit der Umintonation ein sehr angenehmes Register mit einem silbern-strahlenden Klang. Im Hauptwerk stehen durch die zwei Mixturen ein 16′-basiertes, großes, golden leuchtendes Plenum und ein 8′-basiertes, eher silbrig-helles Plenum zur Verfügung, die beide charakterlich sich gut zusammenfügen, aber doch unterschiedlich sind. Der Pommer 16′ ist fülliger und runder, als man es von einem solchen Register dem Namen nach vermuten will. Auch seien die transparenten, aber nicht „dünnen“, sehr cantablen Principalstimmen nebst der herb färbenden Quinte erwähnt. Das Cornett ist von großer Eleganz und Noblesse, die Spitzgamba hat eher Gemshorn-Charakter, die Flöte des Hauptwerkes ist eine herrlich perlend rund-weiche Stimme. Schmetternd und stark ist die Trompete 8′, ihre 16-füßige Schwester ist etwas weniger füllig, etwas schmaler, heller, schnarriger aber kraftvoll, hat eher Fagott-Charakter. Durch die schnelle und klare, direkte Ansprache der Zungen ist hier sowohl französische, als auch deutsche Barock-Musik und auch Romantik gut möglich. Das Schwellwerk überrascht mit weichen Grundstimmen und einer zurückhaltend himmlischen Schwebung, die allerdings weniger streicherhaft, eher flötig-gemshornartig ist. Für ungewöhnliche Effekte ist der Septquart mit seiner flirrend-bodenlosen Charakteristik gut geeignet, seit der Umintonation ist er auch nicht mehr gleißend-aufdringlich, sondern zurückhaltend und charaktervoll. Die drei Zungen 16′-8′-4′ offenbaren eine bemerkenswerte Kraft, wobei besonders die Oboe als vielseitiges, auch mal lyrisch-klagendes Register hervortritt, während der Clairon 4′ sehr hell und klar (am Spieltisch aber auch sehr dominant) auftritt. Das Schwellwerk wird durch wirkungsvolle Türen dynamisch flexibel, die Schwellersteuerung ist mechanisch. Das Pedal grundiert den Klang gut, ein akustischer 32′ mit angenehmem Effekt ist hier vorhanden und wirkt im Raum sehr gut. Der Principalbass ist fast etwas schwach. Wichtig: Anders als in anderen Datenbanken dargestellt ist der Zartbass KEINE Transmission in der Orgel, sondern eine Windabschwächung. Hervorzuheben sei im Pedal die bezaubernd-weiche Flöte 4′ mit ihrem perlenden 2′-Pendant sowie die markante Großsesquialtera, die im Zusammenhang mit den anderen Registern wie eine leise 16′-Zunge wirkt. Neben den drei starken Zungen, die den Klang mächtig grundieren und führen, ist auch eine (allerdings recht spitze) Mixtur vorhanden. Der Gesamtklang ist dementsprechend recht hell, aber nicht fundamentlos. Das Pedal grundiert ausreichend, dürfte aber noch etwas mehr Grundton aufweisen. Die einzelnen Werke sind charakterlich gut voneinander abgegrenzt, funktionieren als Ganzes aber sehr gut zusammen. Der Klang ist hell, mächtig, im Plenum etwas hart und scharf, raumfüllend und groß. Vor allem die Zungen sind auf prompte und etwas harte Ansprache hin ausgelegt, dies relativiert sich aber im Gesamtklang. Viele Klangfarben von alt bis modern sind, mit den entsprechenden Abstrichen einer Universalorgel, möglich und lassen dieses Instrument zu einer guten Unterrichts- und Konzertorgel werden, die seit dem Einbau des modernen Setzers ihre Qualitäten voll ausspielen kann.

Disposition

Disposition Stand 2022

Manual I – Rückpositiv C – c““

Holz-gedackt 8′

Quintadena 8′

Prinzipal 4′ (teilw. Prospekt)

Rohrflöte 4′

Oktave 2′

Blockflöte 2′

Sifflöte 1 1/3′

Sesquialtera 2f. (C-H 2 2/3’+1 3/5′, ab c° wieder 2 2/3’+1 3/5′)

Mixtur 4f. (1 1/3′, rep. g#°, f#‘, e“, d“‘, g“‘ – 2019 neu aus Scharff 4f.)

Zimbel 3f. (rep. G#, e°, c‘, g#‘, d#“, a“, d#“‘, g#“‘)

Holzdulzian 16′

Krummhorn 8′

Manual II – Hauptwerk C – c““

Pommer 16′

Prinzipal 8′ (teilw. Prospekt)

Koppelflöte 8′

Spitzgambe 8′

Oktave 4′

Klein Gedackt 4′

Quinte 2 2/3′

Oktave 2′

Larigot 1 1/3’+1′ (rep. d#“‘)

Mixtur I 5f. (2′, rep. c°, c‘, c“, c“‘)

Mixtur II 4f.

Kornett g° 5f. [sic!]

Trompete 16′

Trompete 8′

 

Manual III – Schwellwerk C – c““

Bordun 16′

Holz-prinzipal 8′

Gedackt 8′

Salizional 8′ (2019 angelängt, Expressionen)

Schwebung 8′ (ab c°)

Oktave 4′

Nachthorn 4′

Nasat 2 2/3′

Ital. Prinzipal 2′

Terz 1 3/5′

Oktave 1′ (rep. d#“)

Septquart 1 1/7′-8/11′ (rep. c°, g°, g‘, g“, d“‘, a“‘)

Mixtur 5-7f. (ab H 6f., ab b° 7f., rep. a‘, g#“)

Cor Anglais 16′ (Halbe Becherlänge, C-H Porsthornkröpfung)

Hautbois 8′

Clairon 4′

Pedalwerk C – f‘

Prinzipalbaß 16′ (teilw. Prospekt)

Subbaß 16′

Zartbaß 16′ (Windabschw. Subbaß)

Quintbaß 10 2/3′

Oktavbaß 8′

Baßflöte 8′

Choralbaß 4′

Hohlflöte 4′

Flachflöte 2′

Groß-sesquialtera 3f. (5 1/3′)

Hintersatz 5f. (2 2/3′)

Posaune 16′

Baß-trompete 8′

Feld-trompete 4′

 

Disposition des elektrischen Spieltisches unten

Manual C – c““

Gedackt 8′ (SW)

Holz-gedackt 8′ (RP)

Quintadena 8′ (RP)

Prinzipal 4′ (RP)

Rohrflöte 4′ (RP)

Oktave 2′ (RP)

Blockflöte 2′ (RP)

Sifflöte 1 1/3′ (RP)

Sesqui-altera 2f. (RP)

Scharff 4′ [sic!] (RP)

Cymbel 3f. (RP)

Holz-dulzian 16′ (RP)

Krumm-horn 8′ (RP)

 

 

 

 

Disposition der Förner/Compenius-Orgel 1675

Manual I -Rückpositiv (kurze Oktave, bis c“‘)

Still Gedact 8′

Quintadehn  8′

Principal 4′

Quinta 3′

Octava 2′

Sufflöt 2′

Sesquialtera [2f.]

Mixtur 3f.

Schallmey 4′

Manual II – Hauptwerk (kurze Oktave, bis c“‘)

Quintadehn 16′

Principal 8′

Grob Gedact 8′

Flach-Flöte 8′

Octava 4′

Klein-Gedact 4′

Quinta 3′

Super-Octava 2′

Sesquialtera [2f.]

Mixtur 4f.

Trompeta 16′

Trompeta 8′

Pedal (kurze Oktave, bis c‘)

Subbaß 16′

Principal 8′

Octava 4′

Quinta 3′

Superoctava 2′

Mixtur 4f.

Posaunbaß 16′

Trompetenbaß 8′

Cornet-Baß 2′

*bei diesen Registern handelt es sich zumindest dem Namen nach eventuell um Transmissionen aus dem HW, was zu dieser Zeit nicht unüblich war.

 

Disposition 1716 nach der Erweiterung durch Christoph Contius (nach Dreyhaupt – Pagvs Nelitici et Nvdzici 1749, Schreibweisen übernommen)

Unter=Clavier oder Rückpositiv  (I) C, D – c“‘

Gedackt 8 F.

Quintadena 8 F.

Principal 4 Fuß.

Quinta 3 Fuß

Octava 2 F.

Sifflöte [2′]

Sesquialtera

Mixtur 3fach

Schallmey [4′]

 

Manual [sic!] oder Mittel=Clavier  (II) C ,D – c“‘

Principal 16 Fuß.

Quintadena 16 F.

Octava 8 F.

Gedackt 8 F.

Flachflöte 8 F.

Octava 4 F.

Gedackt 4 F.

Quinta 3 F.

Octava 2 F.

Sesquialtera [2f.]

Mixtur 5fach

Fagot 16 Fuß

Trompete 8 Fuß

Oberwerck oder Ober=Clavier (III) C, D – c“‘

Holzflöte 8 F.

Fleute douce 4 F.

Principal 2 Fuß.

Spitzflöte 2 F.

Waldflöte 1 F.

Mixtur 3fach

Hautbois 8 Fuß.

Pedal C, D – c‘

Sub=baß 16 Fuß.

Principal 8 Fuß.

Gedackt 8 F.

Octava 4 F.

Octava 2 F.

Mixtur 4 fach

Posaune 16 F.

Trompete 8 F.

Cornet 2 Fuß.

 

Disposition der Orgel nach dem Umbau durch Heerwagen 1890 (nach Urania, Schreibweise übernommen)

I Hauptmanual D,E,F – d“‘ (mit Dis, Dis aus dis° umgehängt)

Prinzipal 16′

Bordun 16′

Oktave 8′

Doppelflöte 8′

Hohlflöte 8′ [c‘-c“‘ Heerwagen neu]

Gedeckt 8′

Gamba 8′

Oktave 4′

Gedeckt 4′

Gemsquinte 2 2/3′

Oktave 2′

Terz 1 3/5′ [aus Sifflöte 2′]

Mixtur 4fach

Cymbel 3fach

Trompete 8′ [aufschl]

 

II Obermanual D,E,F – d“‘ (mit Dis, Dis aus dis° umgehängt)

Quintatön 16′

Prinzipal 8′

Rohrflöte 8′

Flauto traverso 8′

Quinatön 8′

Salicional 8′

Oktave 4′

Spitzflöte 2 2/3′

Oktave 2′

Mixtur 3f.

Cornett 4fach

Fagott 8′ [aufschl.]

Pedal C, D – c‘

Subbaß 16′

Violonbaß 16′

Quintbaß 10 2/3′ [neu aus Quinte 5 1/3′]

Prinzipalbaß 8′

Gedackt 8′

Violoncello 8′

Oktave 4′

Posaune 16′ [neue Holzaufsätze durch Heerwagen, aufschl.]

 

Disposition Rühlmann-Orgel Op.270 (1905)

Manual I – Hauptwerk C – g“‘

Principal 16′

Bordun 16′

Principal 8′

Hohlflöte 8′

Rohrflöte 8′

Gedackt 8′

Gemshorn 8′

Gambe 8′

Octave 4′

Flûte harm. 4′

Quinte 2 2/3′

Octave 2′

Cornett 3-4fach

Mixtur 5fach

Trompete 8′ (aufschl.)

Manual II – Oberwerk C – g“‘

Gedackt 16′

Geigenprincipal 8′

Doppelflöte 8′

Flauto trav. 8′

Salicional 8′

Dolce 8′

Principal 4′

Flauto amab. 4′

Gemshornquinte 2 2/3′

Waldflöte 2′

Mixtur 3fach

Clarinette 8′ (durchschl.)

Manual III – Schwellwerk C – g“‘

Liebl. Gedackt 16′

Flötenprincipal 8′

Konzertflöte 8′

Liebl. Gedackt 8′

Viola d’amore 8′

Vox celestis 8′

Fugara 4′

Rohrflöte 4′

Pedalwerk C – f‘

Principalbaß 16′

Violon 16′

Subbaß 16′

Gedacktbaß 16′ (Tr.III)

Quintbaß 10 2/3′

Octavbaß 8′

Gedacktbaß 8′

Violoncello 8′

Posaune 16′ (aufschl.)

Echo-Pedal:

Gedacktbaß 16′ (Tr.III)

Viola 8′ (Tr.III)

 

Disposition Rühlmann Op.270 nach Erweiterung durch W.Rühlmann jun. 1930

Manual I – Hauptwerk C – g“‘

Principal 16′

Bordun 16′

Principal 8′

Hohlflöte 8′

Rohrflöte 8′

Gedackt 8′

Gemshorn 8′

Gambe 8′

Octave 4′

Flûte harm. 4′

Quinte 2 2/3′

Octave 2′

Cornett 3-4fach

Mixtur 5fach

Trompete 8′ (aufschl.)

Manual II – Oberwerk C – g“‘

Gedackt 16′

Geigenprincipal 8′

Doppelflöte 8′

Flauto trav. 8′

Salicional 8′

Dolce 8′

Principal 4′

Flauto amab. 4′

Gemshornquinte 2 2/3′

Waldflöte 2′

Mixtur 3fach

Clarinette 8′ (durchschl.)

Manual III – Schwellwerk C – g“‘

Liebl. Gedackt 16′

Flötenprincipal 8′

Konzertflöte 8′

Liebl. Gedackt 8′

Viola d’amore 8′

Vox celestis 8′

Fugara 4′

Rohrflöte 4′

Schwiegel 2′ (1930)

Sesquialtera 2fach (1930)

Mixtur 3-4fach (1930)

Fagott 16′ (1930)

Oboe 8′ (1930)

Trompete 4′ (1930) 

Pedalwerk C – f‘

Principalbaß 16′

Violon 16′

Subbaß 16′

Gedacktbaß 16′ (Tr.III)

Quintbaß 10 2/3′

Octavbaß 8′

Gedacktbaß 8′

Violoncello 8′

Posaune 16′ (aufschl.)

Echo-Pedal:

Gedacktbaß 16′ (Tr.III)

Viola 8′ (Tr.III)

 

 

Spielhilfen

Sauer-Orgel Op.2100 Stand 2022
Als Registerschalter links, 1. Reihe von oben: Tremolo [SW]
Als Registerschalter links, 2. Reihe v.o.: III/II, I/II
Als Registerschalter links, 3. Reihe v.o.: Tremolo [RP], III/I, Walze an
Als Registerschalter links, unterste Reihe: III/P, II/P, I/P
Als Digitalanzeigen rechts, Mitte, links über Manual III: Anzeige Walzenstellung, Setzerkombinationen, Schwellwerksstellung (99 Stufen)
Als beleuchtete Druckknöpfe links, über den Registerschaltern: Sequenzer <,>
Als beleuchtete Druckknöpfe links unter den Registerschaltern: Zungeneinzelabsteller, RF (Registerfessel)
In der Vorsatzleiste unter Manual I, als beleuchtete Druckknöpfe, von links: S (Speichern), Setzer 1-4, <,>, Setzer 5-9, piano (feste Kombination, für jede Setzerebene individuell programmierbar), Tutti, R (Generalrücksteller)
Rechts der Klaviaturen, oben, als beleuchtete Druckknöpfe: Sequenter <,>
Darunter rechts im Spieltisch: Bedienelemente für Setzeranlage, u.a. Display, Anzeige für Kombinationen, Ebenenauswahl, Komb. einfügen, Komb. löschen, Kopieren, Rückgängig,
USB lesen, USB schreiben, USB-Port, Manualsequenzer ab, Licht, Traktur, Wind (beleuchtete Druckknöpfe als Schalter)

Rechts im Spieltisch, ganz unten: Drehregler für Frequenzeinstellung Tremolo SW, Tremolo RP (Manual I und III – 16 Stufen von 1-16, stufenlos einstellbar)
Über Manual I und Manual II als beleuchtete kleine Druckknöpfe, von links: >, >, > (3 Knöpfe für Sequenzer vor)
Über dem Pedal ganz links: Walze für Registrant
Über dem Pedal links mittig als Pistons mit roter Kontrolllampe, von links: III-P, II-P, I-P, > [untere Reihe], <, Walze an [obere Reihe]
Über dem Pedal mittig: Walze, Balanciertritt für Jalousieschweller III
Über dem Pedal mittig rechts als Pistons mit roter Kontrolllampe, von links: >, I-II, III-II, III-I [untere Reihe], < [obere Reihe]

Zweitspieltisch unten auf der Bühne (Stand 2022)
Als Druckknöpfe mit roter Kontrolllampe rechts der Registerschalter: Tremolo I, Tremolo III
Als große Druckknöpfe mit weißer Kontrolllampe: Motor an [unbeschriftet, schwarz], Motor aus [unbeschr., rot]

Sauer-Orgel Op.2100 1980 – 2019
Als kleine Druckknöpfe mittig über Manual III, mit Namensbeschriftung: Zungeneinzelabsteller
Links über Manual III: Anzeiger für Walzenstellung
Rechts über Manual III: Anzeiger für Stellung Schwellwerk
Als beleuchtete Druckknöpfe unter Manual I: S (Setzen), Setzer A-H, Pleno, Tutti, R (Generalrücksteller)
Als Registerschalter links: Tremolo III, Tremolo I, Walze an, III/II, I/II, III/I, I/P, II/P, III/P
Unter den Registerschaltern als beleuchtete Druckknöpfe: S (Setzen), Setzer A-H, Piano, Pleno, Tutti, RF (Registerfessel),
Kombinationen i, k (Setzer nur für Pedalwerk)

Als Pistons über dem Pedal, mit Kontrollleuchte: Setzer A-H, i, k, Tutti, alle Koppeln wechselwirkend auch als Pistons
Über dem Pedal mittig: Walze, Balanciertritt für Jalousieschweller III

Rühlmann-Orgel Op.270 (1905/1930 – 1970)

Über dem Pedal: Walze mit Anzeiger, Walze für Registrant (rechts), Balanciertritt für Jalousieschweller Manual III
Als Registerschalter: Manualkoppeln II/I, III/I, III/II, Pedalkoppeln I/P, II/P, III/P, Oberoctavkoppel II/I [nicht ausgebaut], Autom. Piano-Pedal
In der Vorsatzleiste unter Manual I: Freie Kombination, Auslöser, 6 feste Kombinationen (Collective – pp, mp, mf, f, ff, tutti), Rohrwerke an/ab, Handregister an/ab
Über den Registerschaltern als kleine Schalter: Freie Kombination
Als extra aufgeführte Registerschalter rechts: Echo-Pedal (bestehend aus Gedacktbaß 16′ und Viola 8′ (Tr.III))
Als Schalter am Gehäuse, separat montiert: Sperrventile (pneumatisch) für jedes Werk, ähnlich wie Hettstedt

Förner-Orgel nach der Erweiterung durch Cuntius 1716 (nach Dreyhaupt 1749)

1 Tremulant in allen 3 Wercken, 4 Sperrventile, I Coppel zu allen 3 Clavieren, 4 Bälge, 1 Cymbelstern, Vogelgesang [von Dreyhaupt weiter oben erwähnt]

Spielhilfen nach dem Umbau durch Heerwagen 1890 (Nach Urania 1890)

3 Schlußventile (Sperrventile), 2 Koppeln (I/P, II/I)

Gebäude oder Kirchengeschichte

1216 erste Errichtung einer Einsiedelei der Servitenmönche (Marienknechte – Servi Mariae) in der Nähe von Trotha.
1339 wurde die Warte der Patrizierfamilie Hagedorn in der Leipziger Straße den Serviten geschenkt.
1339-41 Abriss der alten Warte.
Ab 1341 Beginn der Errichtung von Kirche und Klostergebäuden.
1373 Guss der mittleren Glocke (Nominal: c‘, Gewicht 35 Zentner – 3500kg) – Dreyhaupt erwähnt, dass sie „schadhaft“ sei und schon einmal „gewendet“ [=gedreht] wurde – diese heute nicht unübliche Praxis gab es also schon damals.
1373 Guss der kleinen Glocke (Nominal: d‘, Gewicht 26 Zentner – 2600kg).
1435 Fertigung des aus Metall gegossenen Taufbeckens durch Ludolf und Heinrich von Braunschweig [ähnlich dem in der Marktkirche zu Halle von den selben Meistern].
1488 wurde der dreiflüglige gotische Schnitzaltar vollendet, der nach Dreyhaupt mit „Bildern“ [=Figuren] in Lebensgröße verziert war, die stark vergoldet waren. Ebenfalls besaß der Altar einen Aufsatz, ähnlich wie der in der Moritzkirche.
1496 Vollendung der Klostergebäude – diese lange Bauzeit war nicht nur der Armut des Bettelordens geschuldet, sondern auch dem Einfluss des Klosters Neuwerk, welches das Vorhaben mit Missgunst und Argwohn betrachtete.
1510 Vollendung der Einwölbung der Kirche – nach Dreyhaupt (1749) war diese der Hl. Jungfrau Maria geweiht. Dreyhaupt bezeichnet sie als „die kleinste und schlechteste Kirche der Stadt“.
24. August 1527 die Servitenmönche verlassen aufgrund der fortschreitenden Reformation um Martin Luther die Stadt Halle.
1527-31 stand die Kirche leer, die Klostergebäude wurden als Schule der Stadt Halle genutzt.
1531 zog die St. Ulrichs-Gemeinde mit einer feierlichen Prozession in die neue Kirche um, die alte Kirche St.Ulrich in der Stadt wurde abgerissen.
1541 wurde die Ulrichskirche evangelisch-lutherisch.
1588 Neubau der Kanzel.
1600 sprang eine Glocke der Kirche (sie wog 38 1/4 Zentner) und wurde im selben Jahr durch Georg Wolgast/Halle neu gegossen (Nominal: H, Gewicht 51 Zentner – 5100kg).
1645 wurde die Kanzel renoviert und ein neuer Schalldeckel zur besseren Verständlichkeit der Prediger angebracht.
31. August 1645 Einweihung der Kanzel, deren Bilder der Gemeinde in einer gesonderten Predigt erklärt wurden.
1665 Aufsatz der Turmspitze der benachbarten Wolfgangskapelle, die im selben Jahre abgerissen wurde.
1665 Errichtung eines „Glocken=Gehäuses“ für die drei Kirchenglocken auf der Nordwestseite der Kirche.
5. November 1665 Einweihung des neuen Glocken-Gehäuses mit einer „Glockenpredigt“.
1667 stürzte ein Uhrgewicht der mechanischen Turmuhr auf das Gewölbe der Kirche, richtete aber bis auf „einige herabfallende Steine“ keinen weiteren Schaden an.
Ab 1715 wurden die Glocken per Tretbohle geläutet, bis 1715 wurden sie gezogen.
1726 wurde durch die preußischen Königin Sophie Dorothea kostbarer Altarschmuck („Geschmeid“) gestiftet – auf dieses „Geschmeide“ gründet sich der alte Hallesche Spruch:
St. Moritz hat das schönste Gebäud‘, St. Ulrich hat das schönste Geschmeid‘, St.Marien aber hat das schönste Geläut.
1806-36 Nutzung der Kirche durch die Universität als Universitätskirche.
1883 Dachreparaturen an der Kirche.
1886 Innenrenovation der Kirche (laut Urania) für 20.000M, die aus Spenden der Gemeinde aufgewendet wurden – der Eindruck der Kirche nach der Renovierung soll laut Urania die Leute mit „großer Freude“ erfüllt haben.
1901 Stiftung der Buntglasfenster in der Südwand.
1917 Abgabe der beiden großen Glocken zu Rüstungszwecken, ein Ersatz wurde nie beschafft.
1944/45 Schäden durch Kriegseinwirkung.
1946 wurde die Kirche nach der Erneuerung wieder eingeweiht.
Ab 1946 fanden auch verschiedene kulturelle, nicht-kirchliche Veranstaltungen in der Kirche statt.
1963 Erneuerung des Schieferdaches.
April 1972 Vertragsschluss der Evangelischen Kirche und dem Rat der Stadt Halle über eine zukünftige rein kulturelle Nutzung der Kirche.
1975/76 Umbau der Kirche zur Konzerthalle mit einer Kapazität von ca. 500 Besuchern. Im Zuge dessen werden Emporen, Kanzel, Altar und Taufbecken entfernt und der Wallonerkirche zu Magdeburg übergeben.
2020 Erneuerung der Stühle in der Konzerthalle.
2022 durch die Corona-Pandemie wird die Ulrichskirche auch temporär als Sitzungssaal für den Stadtrat genutzt.

Die ehemalige Servitenkirche St. Marien, später Pfarrkirche St. Ulrich – heute Konzerthalle am Boulevard, erlebte eine wechselvolle Geschichte. Kleinkriege mit dem mächtigen Kloster Neuwerk, die Reformation, Leerstand, mangelnde Pflege und nicht zuletzt die staatlich verordnete Säkularisation zu DDR-Zeiten prägten das Gesicht dieses eindrucksvollen Bauwerkes, welches in seiner Schlichtheit den drei anderen gotischen Kirchen der Stadt eigentlich um nichts nachsteht. Getreu den baulichen Grundsätzen der Bettelorden ist die Ulrichskirche (wie auch St. Moritz und der Dom) als Hallenkirche ohne Turm und Querhaus im schlichten hoch- bzw. spätgotischen Stil erbaut. Die Ulrichskirche ist als zweischiffige Hallenkirche erbaut worden, das Seitenschiff befindet sich im Norden. Im Osten ist ein polygonaler Chor angebaut, dessen große Spitzbogenfenster mit dezentem Maßwerk versehen sind. Strebepfeiler gliedern das Äußere des Bauwerkes. Auf der nordwestlichen Ecke des Mauerwerkes ist ein rechteckiges Glockenhaus aufgesetzt, dessen Fenster heute verbrettert sind. Diverse Dachgauben durchbrechen das schiefergedeckte Satteldach, im Osten ist ein Dachreiter mit welscher Haube aufgesetzt, im Westen befindet sich ein Weiterer, der gewissermaßen als letzter Überlebender von der Wolfangs-Kapelle berichtet, dieser besitzt einen hohen und schlanken Spitzhelm. Im Westen sind zwei zugemauerte Fenster sowie ein verschlossenes Portal zu erkennen. Bemerkenswert ist das zweiflüglige Portal an der Nordwand der Kirche, welches im Tympanon fein ausgestaltet die Lazarus-Szene mit Lazarus auf der Bare, darüber Christus als Weltenherrscher zeigt. Am Chor ist zudem eine große Bronzetafel an Matthias Günwald angebracht, die an den „Maler des Kardinals, Mitstreiter der Bauern, Wasserkunstmacher der Bürger“ erinnert, welcher 1528 in Halle gestorben sein soll. Grünwald war einer der bedeutendsten Künstler der Renaissance. Der ganze Kirchenbau ist durch ein Schieferdach nach oben abgeschlossen. Das weite Innere des zweischiffigen Baus wird von einem gotischen Netzgewölbe überspannt, dessen einzelne Bögen in rostrot gehalten und die Zwischenräume fein floral ausgemalt sind. Der Innenraum ist heute sehr schlicht, der Nutzung als profanierter Konzertraum angemessen gestaltet. Parkettboden durchzieht das Hauptschiff, im Seitenschiff besteht der Boden aus Backsteinen. Die Wände sind in schlichtem Weiß gehalten. Bemerkenswert sind die beiden erhaltenen Buntglasfenster im Süden des Hauptschiffes. Das Linke zeigt die Apostel im himmlischen Jerusalem, bekrönt von der Friedenstaube, das Rechte zeigt Christus und die drei schlafenden Jünger im Garten Gethsemane, darunter zwei dazu passende Spruchtafeln. Drei weitere Fenster sind in ihrem Maßwerk mit schlicht-farbigem Buntglas versehen, welches das Licht aus Süden sehr warm durchtränkt und angenehm in den Raum fallen lässt. Die einstige Orgelempore im Westen mit ihrer mittig vorschwingenden, durchbrochenen Balustrade ruht heute auf drei steinernen Spitzbögen. Unter der Empore ist heute die Garderobe der Konzerthalle untergebracht. Bemerkenswert, fast schamvoll versteckt, ist das edel gestaltete Sakramentshäuschen an der Nordwand des Chores. Es wird von zwei Pilastern gerahmt, gewundene florale Zier streckt sich nach oben und wird an der Spitze von einem Adler bekrönt. Der Chorraum ist heute mit der großen, nach hinten stufenförmigen Bühne gefüllt. Die einstige Kirche wurde so in den Grundzügen erhalten, aber für die kommende Zeit erneuert. Der Raum profitiert von der überaus guten Akustik des gotischen Gewölbes und wird, auch wegen seiner hellen und freundlichen Atmosphäre, gern und viel genutzt. Durch die frei beweglichen Stühle ist auch die Bestuhlung und die Anordnung der Sitzgelegenheiten vollkommen flexibel, sodass durch die Abstandsregeln der Corona-Pandemie bedingt hier auch Sitzungen des Rates der Stadt Halle stattfinden.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter – eigene Sichtung vor Ort, ergänzt durch Informationen aus: Johann Christoph von Dreyhaupt – Pagvs Nelitici et Nudzici (1749)
als Digitalisat auf der Seite der Universität Halle, S.1055 [PDF S.1138] – darinnen auf S.1138 des PDF-Dokumentes die Disposition der Orgel zum Zeitpunkt der Aufzeichnung.
sowie: Hans-Joachim Falkenberg – Zwischen Romantik und Orgelbewegung – die Rühlmanns. Orgelbau-Fachverlag Rensch, 1993, ISBN-13: ‎978-3921848197,
Urania: Musik-Zeitschrift für Orgelbau – 47. Jahrgang (1890) – S.10ff. – abrufbar als PDF hier – Abrufdatum 27.01.2022
Kirchengeschichte: Johannes Richter mit Angaben einer Schautafel in der Kirche (Stand 2022) und Angaben aus: Johann Christoph von Dreyhaupt – Pagvs Nelitici et Nudzici (1749) als Digitalisat auf der Seite der Universität Halle, S. 1053ff. [PDF S.1136ff.] – darinnen enthalten auch die Angaben zu den Glocken.

PARTNER | IMPRESSUM | Datenschutz | Cookie-Richtlinie (EU) | designed by st-reway.de

You cannot copy content of this page