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Orgel: Halle (Saale) / Altstadt – Evang. Hochschule für Kirchenmusik (Aula)

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Gebäude oder Kirche

Evangelische Hochschule für Kirchenmusik (Aula)

Konfession

Evangelisch

Ort

Halle (Saale) / Altstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Johannes Richter spielt Karl Wolfrum (1856 – 1937) – Choralvorspiel „Macht hoch die Tür“ aus Op.19

Johannes Richter spielt Alfred Grundmann (1857 – 19830) – Choralvorspiel „Den die Hirten lobeten sehre“ aus Op.2



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

2019 Neubau einer vorderspieligen Schleifladenorgel III/25+11 als Opus 699 durch Eule Orgelbau Bautzen als Ersatz für eine 2005 geschaffene Klop-Orgel, die in das Foyer umgestellt wurde.
29.6.2019 Aufbau des Instrumentes in der Werkstatt in Bautzen im Rahmen des Tages der offenen Tür mit Anspiel der Orgel durch Studierende der EHK – III/23.
17.11.2019 Einweihung der Orgel mit einem Festgottesdienst und zwei Konzerten am Abend mit Dozenten der Hochschule.

Die Eule-Orgel in der Aula der Hochschule für Kirchenmusik in Halle/Saale ist der erste Orgelneubau in der Saalestadt seit langer Zeit gewesen. Das Instrument ist das 699. Werk der renommierten Werkstatt aus Bautzen und mit 25 „echten“ und insgesamt 36 Stimmen ein veritables und überaus beeindruckendes Werk, welches nicht nur sehr vielseitig konzipiert, sondern dem nicht sehr großen Raum der Aula im Gebäude ideal in Form, Gestaltung und Intonation angepasst ist, sodass der Autor nicht übertreibt, wenn er hier von einem erstrangigen Meisterwerk spricht.
Die Orgel verbirgt sich in einem kompakten, geradlinigen Gehäuse, welches ohne große Schnörkel in einfachen Formen und in einem angenehm dunklen Aquamarinblau gehalten ist, zu welchem
die samt und sonders klingenden 45 Prospektpfeifen in ihrer silbernen Farbe einen überaus wirkungsvollen Kontrast bilden den Klang selbst zur Zierde des Gehäuses und der Schaufront werden lassen. Die einzelnen Pfeifenfelder werden durch dunkle senkrechte Holzleisten gegliedert. Einen oberen Abschluss über den Pfeifenmündungen gibt es nicht, der Prospekt scheint dadurch sehr wirkungsvoll aus dem Boden direkt in die Decke zu streben und in diese einzufließen. Die ansteigenden Labienverläufe verleihen dem Prospekt eine angenehme Dynamik, die durch die asymmetrische Position des Spieltisches am Gehäuse noch unterstrichen wird. Der Spieltisch mit seinem Oberteil aus hellem Holz ist ein wirkungsvoller Kontrapunkt vor dem dunklen Gehäuse. Bemerkenswert ist die Leichtigkeit der großen Orgel, welche den Raumeindruck und die Raumgröße nicht beeinträchtigt, obgleich das Gehäuse trotz seiner geringen Tiefe durchaus veritable Ausmaße (deutlich größer als die vorherige Orgel in der Aula) besitzt. (Zum Vergleich: Die vorherige Aula-Orgel besaß gerade einmal weniger als die Hälfte der Register der jetzigen Orgel!).
Die Anlage des Spieltisches ist ebenso einfach wie durchdacht, intuitiv und zweckmäßig: Auf der Ebene der jeweiligen Manualklaviaturen sind die Registerzüge und Koppeln der jeweiligen Manuale angeordnet, die des Pedals bilden die unterste Ebene der terassenförmigen Anlage. Alle Grundstimmen befinden sich links, hohe Register sowie die Zungen und Mixturen befinden sich intuitiv rechter Hand – eine Anordnung, die schnell durchschaut und verinnerlicht ist. Immer im Blickfeld des Spielenden befinden sich die „lebenswichtigen“ Anzeigen für Walzencrescendo, Setzerebene (diese können mit drei Druckknöpfen ohne Betätigung der Setzerschublade verändert werden) sowie Schwellerstellung in 99 Stufen. Bemerkenswert dürfte sein, dass der elektrisch betätigte Schweller sich in der Richtung umkehren lässt und damit der hier in der Region oftmals üblichen Schweller Rechnung trägt: Normalerweise öffnet sich beim Betätigen des Schwelltrittes das Schwellwerk – hier in Ostdeutschland ist es vielfach so, dass sich das Schwellwerk beim „Gas geben“ schließt. Dass dies hier so verwirklicht wurde, unterstreicht die bemerkenswerte Varianz des Werkes. Alle weiteren Spielhilfen, die nicht zwingend immer gebraucht werden (Einstellungen für Tremulanten, Handschweller, Setzerdisplay) befinden sich gut erreichbar, aber ansonsten versteckt und nicht ablenkend in den Schubladen. Auch die Pistons über dem Pedal sind auf Normalkoppeln, Walze an und Sequenzerbetätigung reduziert.
Klanglich schlägt die Orgel eine Brücke über diverse Stilrichtungen, ist also den Anforderungen eines vielseitigen Studienbetriebes entsprechend als Universalorgel konzipiert.
Das Hauptwerk ist als tragendes Manual mit romantischen Einsprengseln konzipiert, zum Beispiel einer nach Ladegast gebauten Flauto amabile. Auch ein kompletter, eher barock intonierter Principalchor von singender Intonation nebst einer recht dezenten, aber leuchtenden Mixtur findet sich hier. Ebenso wie eine recht dunkle, aber tragende Tromba 8′. Das zweite Manual ist als helles, eher barockes Positiv mit reichlich Aliquotstimmen disponiert. Eine für alte Musik unersetzliche, sehr melancholische und schmale Quintadena findet sich hier ebenso wie eine zerlegte Sesquialtera, die mit der Waldflöte 2′ und der elegant hellen Principalflöte 4′ zu einem bieg- und schmiegsamen Cornett decomposeé für französischen Barock und ebensolche Romantik erweitert werden kann und durch den Tremulanten für alle Musikrichtungen angereichert werden kann. Ein hell glitzernder Larigot 1 1/3′ sorgt für Aufhellung, dient gleichzeitig als eine Art kleine Mixtur. Das dritte Manual ist als großes, tragendes und gleichsam ergänzendes Schwellwerk konzipiert. Hier finden sich alle Register, die für deutsche und auch französische Romantik wichtig sind: Ein labialer, runder 16′ (auch als Transmission im HW nutzbar) sowie eine kraftvolle Zunge 16′ mit dunkler, voller Intonation. Reiche Grundstimmen bis hin zu einer aetherischen, himmlisch-entrückten Schwebung, nebst einem Streicherchor 8′-4′-2′, durch die Superkoppel auch auf 1′ bis c“‘ erweiterbar. Reiche Flötenstimmen wie eine teilweise überblasende, perlend-weiche Flöte traverso und eine spielfreudige Dolce-Flöte 4′ finden sich hier ebenso wie eine im Solospiel lyrisch-weiche, im akkordischen Spiel kraftvoll edel-dunkle Oboe 8′. Durch die Superkoppel kann der Zungenchor auf den für die französische Romantik unerlässlichen Klang 16′-8′-4′ zu einem bemerkenswerten Jeux d’Anches aufgebaut werden. Als Manko ist lediglich zu nennen, dass die Superkoppel nicht durchkoppelt – also nur auf dem dritten Manual nutzbar ist. Das Pedal deckt wichtige Funktionen der Tragfähigkeit ab, bietet mit den 4′-Stimmen (Flöte, Principal, Zunge als Tr.) aber auch gute Solomöglichkeiten ohne aufdringlich zu wirken. Für weitere klangliche Varianz ist ein Setzer sowie zwei einstellbare Tremulanten vorhanden.
Der Gesamtklang des Werkes ist kraftvoll, füllend und gravitätisch ohne dabei die Klangkapazitäten des Raumes zu überfordern. Er schöpft aus den Vollen, ohne den Hörer dabei zu ertränken oder zu erdrücken. Reiche Solomöglichkeiten und angemessene Farben für viele Stilrichtungen stehen dem Interpreten zur Verfügung und erfüllen voll und ganz die Anforderungen an eine Hochschulorgel mit den vielfältigen Stilrichtungen, die im Studium erkundet werden. Besonders hervorzuheben ist hier der Principalchor, der sowohl Barock als auch Romantik „kann“ und der samtig saftige Klang aller Grundstimmen.
Das Werk spielt sich gut, präzise und direkt ohne in die Extreme „zu leicht“ oder „zu schwer“ umzuschlagen. Alle Spielhilfen und Registerzüge sind leicht zu erreichen und gut zu bedienen. Technisch schlägt die Orgel den Bogen von Altbewährtem (mechanische Trakturen und Koppeln sowie teils mech. Extensionen) zu Neuem und Innovativem (elektrischer umkehrbarer Schweller, Setzer, Touchscreen) und ist damit auch mit der edlen handwerklichen Qualität und dem herrlichen Klang ein wunderbares, viel genutztes und gern gespieltes Studien- und Konzertinstrument.

Disposition

Manual I – Hauptwerk C – c““

Bordun 16′ Tr. (Tr.III)

Principal 8′ (C-a° Prospekt, Zinn, ab b° innen)

Flauto amabile 8′ (C-G# aus Rohrflöte 8′ II, ab A offen)

Lieblich Gedackt 8′ Tr. (Tr. III)

Octave 4′ (C-D# Prospekt, Zinn, ab E innen, Zinn)

Superoctave 2′

Mixtur 2-3 fach (1 1/3′, ab c‘ dreifach 2 2/3’+2’+1 1/3′)

Tromba 8′ (volle Länge, ab g#“‘ labial)

Manual II – Positiv C – c““

Rohrflöte 8′ (C-H gedeckt, ab c° Rohrflöte)

Quintadena 8′

Principal flöte 4′

Nassat 2 2/3′ (C-g‘ gedeckt, ab g#‘ offen, Zinn)

Waldflöte 2′

Terz 1 3/5′

Larigot 1 1/3′

Manual III – Schwellwerk C – c““

Bourdon 16′

Geigen-principal 8′ (C-Gis aus Flauto trav., ab A offen)

Flauto traverso 8′ (C-F gedeckt, ab F# offen, ab f#‘ überblasend)

Lieblich Gedackt 8′ (Ext. Bourdon 16′)

Viola d‘ amour 8′ (C-F gedeckt, ab F# offen, Zinn)

Vox coelestis 8′ (ab c°, überschwebend)

Fugara 4′

Flauto dolce 4′ (durchg. offen)

Violine 2′

Cor anglais 16′ (volle Becherlänge)

Oboe 8′ (ab g#“‘ labial)

Pedal C – f‘

Subbass 16′ (durchg. Holz, gedeckt)

Bourdon 16′ Tr. (Tr.III)

Principal-bass 8′ (C-f#° Prospekt, Zinn, ab g° innen, Zinn offen)

Bassflöte 8′ (Ext. Subbass, gedeckt)

Gedacktbass 8′ Tr. (Tr. III)

Choralbass 4′ (Ext. Principalbass)

Flötenbass 4′ Tr. (Tr. Liebl. Gedackt 8′ III c°-f“)

Trombone 16′ (C-H eigene Pfeifen, ab c° Tr. Tromba 8′ I oktaviert)

Trombabass 8′ Tr. (Tr. I)

Corno 4′ Tr. (Tr. Tromba 8′ I c°-f“)

 

Spielhilfen

Als Registerzüge rechts, obere Ebene: Tremulant III, Superkoppel III-III
Als Registerzüge rechts, zweite Ebene von oben: Tremulant II, Koppel III-II, Walze an
Als Registerzüge rechts, zweite Ebene von unten: Koppel II-I, Koppel III-I
Als Registerzüge rechts, unterste Ebene: Koppel I-P, Koppel II-P, Koppel III-P
Mittig im Spieltisch über den Klaviaturen: Digitalanzeige für Walze, Setzer (mit Knöpfen darunter zum Wechsel der Ebene) und Schweller (99 Stufen)
Rechts neben der Digitalanzeige: Beleuchteter Druckknopf „SW“ [Richtungsumnkehrung Schwelltritt]
In der Vorsatzleiste unter Manual I als beleuchtete Druckknöpfe, von links: S [Speichern], Setzer 0-4, <,>, Setzer 5-9, C [Cancel=Generalrücksteller]
Links in Schublade unter den Registerzügen: Drehregler jeweils für Tremulanten II und III, vorne beleuchteter Druckknopf „Hand SW“ und Drehregler [Schweller
für Registrant per Hand], daneben Sequenzer <,>

Rechts in Schublade unter den Registerzügen: Touchdisplay für Setzerbedienung für Setzer System Eule mit unbegrenzten Speichermöglichkeiten und unbegrenzten Benutzern,
Druckknöpfe <,> für Sequenzer

Über dem Pedal links als wechselwirkende Pistons: III-P, II-P, I-P, Sequenzer <, Cr.an [Walze an], Sequenzer >
Über dem Pedal rechts als wechselwirkende Pistons: Sequenzer >, II-I, Sequenzer <, III-I, III-II
Über dem Pedal mittig: Walze [Rollschweller] mit 4 einstellbaren Programmen, Schwelltritt für Jalousieschweller III [elektrische Ansteuerung]

Gebäude oder Kirchengeschichte

1926 Gründung der Kirchenmusikschule, damaliger Standort Aschersleben.
1938 Umzug des Institutes in die Räumlichkeiten des Schlesischen Konviktes Halle.
1939 Eröffnung am neuen Standort.
1993 erfolgt die staatliche Anerkennung als Hochschule. Das Institut heißt fortan Evangelische Hochschule für Kirchenmusik.
2001/02 Umzug in das neu errichtete Gebäude im Händelhaus-Karree in der kleinen Ulrichstraße.
2019 Umbaumaßnamen am Foyer – Ausbau zum Andachts- und Unterrichtsraum.

Das Hochschulgebäude zeigt sich als schlichter, geradliniger Bau mit großen Fensterfronten und diversen Räumlichkeiten für Unterricht und Üben mit guter Schallabschottung und Klimatisierung. Die Aula liegt im ersten Obergeschoss.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter
Kirchengeschichte: Beitrag auf der Seite der Hochschule, abgerufen am 07.12.2021
Internetauftritt der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle

Youtube-Videos von Johannes Richter auf dem Kanal JRorgel

Ein herzlicher Dank sei Rektor Prof. Peter Kopp für die Genehmigung der Vorstellung gesagt!

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