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Orgel: Halle (Saale) / Altstadt – Domgemeindehaus (Gemeindesaal)

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Gebäude oder Kirche

Domgemeindehaus

Konfession

Evangelisch-reformiert

Ort

Halle (Saale) / Altstadt

Postleitzahl

06108

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

Um 1800 Neubau einer einmanualigen vorderspieligen Schleifladenorgel I/8 durch einen unbekannten Orgelbauer, das Instrument soll nicht in einer Kirche gestanden haben.
1846 Umsetzung der Orgel für 310 Reichstaler in die Kirche zu Kirchedlau bei Könnern – wer diese Arbeiten ausführte, ist nicht bekannt.
Nach 1930 wird die Orgel in Kirchedlau nicht mehr gespielt und ist unspielbar sowie in schlechtem Zustand.
27. Oktober 1948 Beschluss des Presbyteriums der Domgemeinde, die Orgel aus Kirchedlau in den Saal des Domgemeindehaus umzusetzen und das Harmonium aus dem Saal in die Kirche Kirchedlau zu transferieren.
November 1948 Umsetzung der Orgel durch Domorganist Ehricht/Halle in Eigenarbeit.
Dezember 1948 Aufstellung der Orgel im Gemeindesaal durch Organist Ehricht.
Weihnachten 1948 ist die Orgel im Besitz der Domgemeinde.
1963 Generalüberholung der Orgel durch OBM Reinhard Adam/Halle, dabei wurde die Orgel durch den Abbau der Bühne umgesetzt, die Balgkammer neben der Orgel wurde abgebaut und die Balganlage auf dem Dachboden installiert, wofür ein 5m langer Windkanal geschaffen wurde.
1965 Einbau eines neuen Winderzeugers.
1988 kleinere Arbeiten an der Orgel, dabei wurden u.a. Pfeifen der Gedacktquinte 5 1/3′ der Domorgel in die Saalorgel umgesetzt.
1993 Beginn der Planungen für eine Überholung der Orgel.
2004 Kostenvoranschlag durch Jost Truthmann/Frankfurt a.d.Oder, der u.a. eine Umsetzung der Balganlage in die Orgel vorschlägt.
2004 Generalüberholung der Orgel durch Truthmann, dabei werden einige Pfeifen neu erbaut und andere angelängt, ebenso wurden die zwischenzeitlich angebrachten Ansprachehilfen an den Pfeifen entfernt – Änderung der Disposition, Quinte 2 2/3′ und Cimbel 1/2′ kommen neu hinzu (ersichtlich durch neue Registerschilder mit leicht anderer Schrift).
6. Januar 2005 die Orgel erklingt unter den Händen von KMD Prof. Konrad Brand erstmals wieder, die Stimmung ist leicht ungleichstufig.
2018/19 Ausbau der Wäldner-Pfeifen der Gedacktquinte 5 1/3′ aus der Saalorgel. Im Zuge der Sanierung der Domorgel wurden dort Pfeifen ausgebaut, die teilweise in die Saalorgel eingebaut wurden. Die Arbeiten führte die Werkstatt Wegscheider aus.
2020 finden durch die Corona-Pandemie keine Gottesdienste mehr im Saal statt, die bis dahin viel genutzte Orgel wird kaum noch gespielt.
2022/23 (geplant) Ausbau der Orgel wegen Sanierung der Räumlichkeiten durch Orgelbauer Zimmermann aus Halle

Wer das Domgemeindehaus von außen sieht oder es betritt, der wird kaum vermuten, dass sich hinter den Mauern eine Orgel mit einer der wechselhaftesten und im wahrsten Sinne bewegtesten Geschichte der Stadt Halle befindet, die zudem außergewöhnlich klangschön ist. Einst wurde das Werk um 1800 für die Harzregion geschaffen, von wem, ist ebenso unbekannt wie der Standort der Orgel. Es wird aber berichtet, dass die Orgel vor 1846 nicht in einer Kirche gestanden haben soll. Bei der Umsetzung des Werkes nach Kirchedlau bei Könnern ist es möglich, dass Friedrich Wilhelm Wäldner auch an der Orgel beteiligt war, die Registerschilder entsprechen denen, die die Hallesche Firma oft verbaute – zwingend zutreffend muss diese Vermutung jedoch nicht sein. Die Umsetzung nach Halle durch den damaligen Domorganisten geschah wohl auf abenteuerlichen Wegen mit PKW und Handwagen in Eigeninitiative, ebenso wie der Aufbau der Orgel im Gemeindesaal.
Der Prospekt der Orgel ist wohl weitgehend original, die seitlichen Gehäusewände wurden später ergänzt. Der Spieltisch mit seinen seitlichen Flügeltüren ist frontal als Spielschrank in die Schaufront eingelassen, die Registerschilder befinden sich beiderseits des Notenpultes in absoluter Symmetrie, die Zugstangen mit quadratischem Querschnitt wurden zwischenzeitlich erneuert. Zwei Registerschilder (Quinte 2 2/3′ und Cimbel 1/2′) zeigen eine auf den ersten Blick identische, auf den zweiten Blick aber in Farbe und Schriftform leicht andere Beschriftung und weisen damit auf eine Dispositionsänderung hin. Möglich wäre hier das Vorhandensein einer Flöte 8′ und einer Gambe 8′ oder eines Diskantregisters, z.B. Terz 1 3/5′.
Das Orgelinnere ist außerordentlich kompakt aufgebaut. Ganz hinten steht ebenerdig ein kleiner Schwimmerbalg für die Windversorgung, versorgt durch ein kleines Schleudergebläse. Davor steht die chromatische Windlade des Pedals, die durch eine Strahlentraktur angesteuert wird. Viele Pfeifen vor allem des Gedacktbaß 8′ sind neu gebaut worden, die Pfeifen des 16′ wurden teilweise durch Aufleimen wieder angelängt. Vor dem Stimmgang steht die chromatische Windlade des Manualwerkes, die großen Pfeifen stehen von vorne gesehen rechts, und werden dann von links absteigend fortgesetzt. Ganz vorne steht der Principal 4′ in C- und Cis-Seite geteilt. 28 Zinnpfeifen bilden die Prospektfront, ihre Mensuren sind recht schmal, sodass hier eine Erneuerung außer Frage steht. Alle Laden sind als mechanische Schleifladen ausgeführt, das Manualwerk wird durch ein Wellenbrett angesteuert. Das Pfeifenwerk ist sehr heterogen, teilweise finden sich unterschiedliche Pfeifen auch innerhalb eines Registers (z.B. Quinte 2 2/3′). Diverse Pfeifen sind neu angefertigt bzw. angelängt. Mehrere Orgelbauer waren definitiv an der Orgel tätig, das Pfeifenwerk weist deutlich darauf hin. Auch Pfeifen aus der Domorgel fanden sich in dem Werk, diese kamen 2018 zurück in die Domorgel im Tausch gegen dort nicht mehr benötigte Pfeifen.
Die Disposition zeigt sich heute eher spätbarock, ist dem Raum sehr gut angemessen und angepasst. Ein füllig-warmes, weiches Gedackt 8′ mit dezenten Anspracheklängen bildet die Grundlage des Manualwerkes. Hell und strahlend, aber schlank und edel zeigt sich der Principal 4′, auch wenn am Spieltisch ein deutlicher Unterschied zwischen Innen- und Prospektpfeifen spürbar ist, dieser verliert sich aber im Raum. Eine herbe, principalische Quinte 2 2/3′ mit angenehmer Kraft, eine leuchtend-helle, präsente, aber nicht unangenehm dominante Octave 2′ sowie eine herb-scharf färbende, aber im Gesamtklang nicht übermäßig dominante Cimbel 1/2′ im Diskant als Mixtur-Ersatz bilden die Klangpyramide. Ein perlend-kullerndes, weiches Gedackt 4′ rundet den Klang ab. Die Cimbel 1/2′ ist als obligates Soloregister im Diskant nutzbar, mit Gedackt 8′ ergeben sich hier interessante Klänge für weiche, glitzernde Soloregistrierungen, mit Gedackt 4′ noch weiterhin anreicher- und färbbar. Das Pedal grundiert den Klang angemessen und angenehm voll. Die Bezeichnung „Quintatönbass“ für den 16′ sollte nicht täuschen, diese Stimme ist ein veritabler Subbass mit angenehmen Oberton, aber ohne starkes Quintieren. Die Ansprache ist weich, der Ton voll und rund. Der Gedacktbass 8′ ist zwar recht schmal mensuriert, aber klanglich präsent, weich und gut zeichnend. Durch die Pedalkoppel kann der Klang noch weiter angereichert und verstärkt werden.
Klanglich ist die Orgel im Raum präsent, aber nicht zu laut, auch für kleinere Gemeinden kann das volle Klangspektrum im Gottesdienst genutzt werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Orgel am Spieltisch recht herb und stark, im Raum dann aber eher rund und grundtönig klingt – ein akustisches Phänomen der besonderen Art. Weiterhin ist das Werk so intoniert, dass sie den Raum gut füllt, aber nicht „knallig“ oder hart-laut tönt, im Gegensatz zum ebenfalls im Saal befindlichen Flügel. Im vollen Werk ist die Orgel rund und voll, aber transparent-hell, die einzelnen Stimmen sind charakterlich gut voneinander abgegrenzt und farbenfroh intoniert, sodass ein edel-farbiger, facettenreicher Gesamtklang entsteht, der durch die leicht ungleichstufige Stimmung noch gewinnt. Die Windstabilität ist durchweg gut. Zwar sind die Registerzüge etwas locker in ihren Führungen, aber das Spielgefühl ist überaus gut: Direkt, fein, mit gut differenzierbarem Druckpunkt, aber nicht zu leichtgängig. Gewöhnungsbedürftig ist nur die breite Mensur des Pedals.
Das kleine Werk harrt einer umfassenden Sanierung, ist allerdings soweit in gutem Zustand – die Orgel ist trotz ihrer „Stückelung“ bzw. Heterogenität in allen Teilen ein grundsolides Instrument mit angenehmen Begleit- und auch guten Soloqualitäten. Wie schön, dass dieses bemerkenswerte Instrument nach langer, wechselvoller Geschichte hier nun eine liebevolle, geschätzte Heimat gefunden hat – möge es noch viele Jahre so bleiben!

Disposition

Disposition Stand 2022

Manual C – d“‘

Gedackt 8 Fuß. (durchg. Holz, gedeckt, C-H altes Pfeifenwerk um 1850, ab c° neu, ab c“ Pfeifenwerk alt, Spunde und Spundgriffe neu)

Principal 4 Fuß. (C-E innen, Metall offen, F#-b‘ Zinn, Prospekt, ab h‘ innen, Metall offen)

Klein,,gedackt 4 Fuß. (C-f“ Metall, gedeckt, ab f#“ Metall, offen konisch, neu, ab c° Lochgedackt)

Quinte. 2 2/3 Fuß. (durchg. Metall, offen, teilw. neues Pfeifenmaterial, in der Mensur voneinander abweichend)

Octave 2 Fuß. (Metall, offen)

Cimbel. 1/2 Fuß. (ab c‘, ohne Rep., durchg. Metall offen)

Pedal C – d‘

Quintatön,,bass 16 Fuß. (durchg. Holz, gedeckt, altes Pfeifenwerk, teilw. angelängt)

Gedackt,,Bass 8 Fuß. (durchg. Holz, gedeckt, C-D# alte Pfeifen um 1850, ab E neu)

Das Zeichen „,,“ fungiert auf den Registerschildern als Zeilentrenner/Bindestrich.

Spielhilfen

Als Registerzug rechts unten: Pedal,,Coppel.

Gebäude oder Kirchengeschichte

1912 Neubau des Domgemeindehauses, im Obergeschoss wurde der Gemeindesaal eingerichtet.
Um 1960 Sanierung des Bauwerkes.
2021-23 Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes, Erneuerung der Beleuchtung, der Innenräume, der sanitären Anlagen und der Elektrik.

Der Gemeindesaal im Obergeschoss ist ein schlichter, heller und weiter Raum. An der Stirnfront ist eine kleine Erhöhung angebracht. Die Wände sind hell und schmucklos, durch die Nutzung als Gottesdienstraum ist auch ein schlichter Altartisch vorhanden. Der Raum ist hell und licht, sehr edel, warm und harrt gerade der Sanierung.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter
Orgelgeschichte: Johannes Richter, Gespräche mit Domkantor G. Noetzel, Mail von G. Noetzel vom 19.12.2019, ergänzt durch Informationen aus: W. Stüven – Orgel und Orgelbau im Halleschen Land vor 1800, Breitkopf&Härtel, Wiesbaden 1964
Kirchengeschichte: Beitrag zum Reformierten Convict auf Wikipedia, abgerufen am 22. Februar 2022.
Webauftritt der Domgemeinde

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Domkantor Gerhard Noetzel, dem ein herzlicher Dank dafür gebührt!

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