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Orgel: Arneburg – Goldbeck / Arneburg – Stadtkirche St. Georg

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Gebäude oder Kirche

Stadtkirche St. Georg

Konfession

Evangelisch

Ort

Arneburg - Goldbeck / Arneburg

Postleitzahl

39596

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos

 

Arneburg-Goldbeck/Arneburg (D-ST) – ev. Stadtkirche St.Georg – Vollgeläut (Turmaufnahme)



Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1818-1821 Neubau einer mechanischen Schleifladenorgel I/13 durch Orgelbaumeister August Zabel/Tangermünde, die in der Vierung auf dem Boden zu stehen kam.
23.12.1821 (Vierter Advent) Einweihung der Orgel
1861 Umsetzung der Orgel auf die Westempore, dabei Erweiterung um ein Oberwerk II/20, die Arbeiten führte Robert Voigt/Stendal aus – dabei auch Einbau eines neuen
Spieltisches sowie eines neuen Pedals – Veränderungen am Gehäuse der Orgel.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen aus Zinn zu Rüstungszwecken.
1920er Jahre Ersatz durch Zinkpfeifen.
Nach 1990 stete Verschlechterung des Zustandes – Heuler, Durchstecher, Holzwurm und Windinstabilität erschwerten das Spiel auf der Orgel.
2007 Gründung eines Fördervereins auf Initiative von Pfarrer Schlase und G. Lamberts.
2011 Sanierung der Orgel durch die Fa. Hermann Eule Orgelbau Bautzen, Gesamtkosten rund 185.000 Euro.
19.12.2011 feierliche Wiedereinweihung der Orgel nach der Sanierung, bei der auch neue Prospektpfeifen aus Zinn eingebaut wurden.
2021 das Werk ist gut spielbar und wird rege in Gottesdienst und Konzert genutzt.

Die Zabel-Orgel in Arneburg ist das größte und zugleich wohl auch einzige erhaltene Werk ihres Tangermünder Erbauers, der seine Fähigkeiten in der Silbermann-Schule erwarb.
Inwiefern der Fakt, dass dies die einzige Orgel seiner Provinienz ist, mag Aufschlüsse über die Qualität seines Schaffens geben, muss es aber nicht zwangsläufig.
Nach der Erweiterung durch Robert Voigt aus Stendal besitzt das Werk heute 20 Register auf zwei Manualen und Pedal bei mechanischen Trakturen. Das schlichte Gehäuse aus braun
gefasstem Holz besitzt eine Quaderform. Die Schaufront des bis unter die Decke reichenden Gehäuses wird durch drei rundbogige Flachfelder gebildet, das Mittlere ist deutlich größer als die seitlichen Felder. Ein breites, mehrfach abgestuftes Gesims schließt den schlichten Prospekt nach oben ab, der durch breite Pilaster gegliedert wird. Der Spielschrank ist frontal in das Gehäuse eingelassen und besitzt
seitliche Türen. Die Registerzüge befinden sich beiderseits des Notenpultes, die Züge des Oberwerkes müssen im gezogenen Zustande eingehakt fixiert werden, die auf den ersten Blick etwas
unintuitive Anordnung der Registerzüge erschließt sich bald – die des Hauptwerkes befinden sich ganz außen, auf der unteren Ebene sind die des Pedals angebracht, weiter oben befinden sich die Züge für das zweite Manual. Die Klaviaturen sind als Reminiszenz an den barocken Orgelbau mit schwarzen Ebenholz-Untertasten und Obertasten mit weißen Knochenbelägen gefertigt.
Im Inneren befindet sich auf Höhe der Prospektöffnungen das erste Manual, nach innen aufsteigend in C- und Cis-Seite geteilt. Hinter dem Stimmgang leicht erhöht steht das komplett durch Voigt 1861 hinzugefügte Oberwerk, ebenfalls in C- und Cis-Seite zur Mitte hin aufsteigend geteilt. Das Pedal bildet ebenerdig stehend die Rückwand der Orgel, auch die Pedalwindlade ist in C- und Cis-Seite geteilt – aber nach außen hin aufsteigend. Alle Werke besitzen Wellenbretter, über die die mechanische Traktur die Ventile ansteuert. Der große Doppelfaltenmagazinbalg befindet sich in einem Balghaus mit schrägem Dach im Turmuntergeschoss hinter der Orgel, auch der Winderzeuger steht dort.
Die Disposition der Orgel zeigt sich hochromantisch, noch durch den Spätbarock geprägt. Das erste Manual wird durch einen fülligen Bordun 16′ gravitätisch grundiert. Darauf baut sich eine komplette Principalpyramide mit massigem, aber obertönigen Principal 8′, heller, kraftvoll-strahlender Octave 4′, glitzernder Octave 2′ sowie golden glänzender 4facher Mixtur auf. Eine flötig herbe Quinte 2 2/3′ färbt diesen Klang. Zwei Charakterstimmen der 8′-Lage als schneidende, aber eher zarte Gambe 8′ und stiller, zurückhaltender Bordun füllen die Äquallage auf. Eine perlende, spielfreudige und präsente Rohrflöte 4′ hellt den Klang auf und füllt ihn zugleich. Die schmetternde, präsente und nicht besonders runde, eher helle Trompete 8′ gibt dem Klang ein feierliches, gravitätisches Gepräge und lässt auch französische Musik gut spielbar werden. Das zweite Manual besitzt mit einem schlank singenden Geigenprincipal, einem scharf schneidenden, aber dennoch edlen Salicional sowie einem füllig edel-runden Gedackt drei gut grundierende Stimmen der Achtfußlage. Ein helles, schlank-scharfes Salicional 4′ nebst einer perlenden 4′-Flöte bilden die Octavlage, eine Waldflöte 2′ hellt den Klang auf und fungiert zusammen mit der lyrischen, aber edel-mischfähigen Sesquialtera als Klangkrone etwas zurückgenommen zum Hauptwerk. Das Salicional fungiert dabei als Pendant zur 4′-Octave und zugleich als Gegengewicht. Das zweite Manual mit seinem etwas zurückgenommenen Klangcharakter, der durch die erhöhte Lage wieder ausgeglichen wird, kann ein gutes Gegengewicht zum Hauptwerk abgeben und ermöglicht auch Triospiel. Das Pedal besitzt die nötigsten Stimmen als voller 16′, tragend zeichnender 8′, konturierend durchdringender 4′ sowie kraftvoll-tragende Posaune 16′ um den Klang zu tragen und auch Cantus-Firmus-Spiel zu ermöglichen – die Pedalkoppel wird aber oft benutzt werden müssen.
Die klanglichen Möglichkeiten der Orgel sind schier unbegrenzt – von lyrischen Soli über klagende Mischungen bis hin zu vollen Grundstimmenfarben und einem edel golden-strahlendem Plenum sind viele Mischungen möglich, die eine klangvolle Wiedergabe vieler Epochen der Orgelmusik erlauben. Die Trakturen spielen sich dabei überaus angenehm, leicht schwergängig, aber mit gut dosierbarem Druckpunkt. Beachtung sollte der Spieler dem Pedal schenken, welches einen kurzen Weg bei gleichzeitig recht schwerer Spielbarkeit aufweist verbunden mit einer ungewohnten Form der Obertasten, die durch die abgerundete Form zum Abgleiten verleiten.
Es ist ein großer Verdienst des Förderkreises Kirchenorgel Arneburg, dass dieses einmalige, vielfältige und edle Werk hier so glänzend und glanzvoll nach wie vor stehen und erklingen darf – dafür ist den Beteiligten ein Dank auszusprechen, der kaum hoch genug eingeschätzt werden kann und zu höchster Bewunderung nötigt, sodass die Zabel-Orgel noch heute ein lebendiges Zeugnis ihres sonst längst vergessenen Erbauers darstellt.

Disposition

Manual I – Hauptwerk C – f“‘

Bordun 16′

Prinzipal 8′

Bordun 8′

Gamba 8′

Octave 4′

Rohrflöte 4′

Nasard 2 2/3′

Octave 2′

Mixtur 2′ 4fach

Trompete 8′

Manual II – Oberwerk C – f“‘

Geigen-prinzipal 8′

Gedackt 8′

Salicional 8′

Salicional 4′

Flöte 4′

Waldflöte 2′

Ses-quialtera 2 fach [2 2/3’+ 1 3/5′]

Pedalwerk C – d‘

Subbass 16′

Octav-bass 8′

Choral-bass 4′

Posaune 16′

 

Spielhilfen

Als Registerzüge auf der linken Seite, zum Einhaken: Sperr-ventil Pedal, Manual-koppel [II/I], Sperr-ventil II. Man.
Als Registerzüge rechts: Pedal-koppel [I/P], Sperr-ventil I. Man.
Als Zug rechts unter dem Klaviaturblock an der Seite des Spieltisches: Kalkant [unbeschriftet, heute Motorschalter, gleichzeitig auch für Spieltischlicht)

Gebäude oder Kirchengeschichte

12. Jahrhundert Errichtung einer ersten Kirche mit breitem Westquerturm, der vermutlich eine Patronatsloge beherbergte.
13. Jahrhundert Errichtung von Chor und Querhaus – die Kirche erhielt einen kreuzförmigen Grundriss.
Um 1450 Einsturz des westlichen Turmteils, der Östliche blieb bestehen – in der Folge Wiederaufbau des Westteils aus Feldsteinmauerwerk, im Zuge dessen auch Aufmauerung der Landhauswände auf die Höhe der Wände von Chor und Querhaus.
1767 Stadtbrand, auch das Innere der Kirche brannte dabei vollständig aus.
1774 Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche. Erneuerung der Innenausstattung, dabei auch Einbau der großen Gemeindeemporen.
1868 Erhöhung des Turmes um ein neogotisches Glockengeschoss aus Backsteinen – Erneuerung der Innenausstattung.
1917 Abgabe der Glocken zu Rüstungszwecken.
1924 Guss von vier neuen Glocken aus Eisen bei Schilling&Lattermann – Nominalfolge c‘- d‘- f‘- a‘, Gesamtgewicht ca. 7500kg.
1975 Aufstellung eines Gedenksteins, welcher aus der Kirche zu Niedergörne übernommen wurde, die wegen eines KKW’s abgerissen wurde.
1979-85 Umgestaltung des Innenraumes. Purifizierung – Entfernung des Chorgestühls, Aufstellung eines schlichten Altartisches, Öffnung zweier zugemauerter Fenster, Einbau eines barocken Altars und einer barocken Kanzel aus der Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals Quedlinburg.
2020/21 Überholung der Läuteanlage.

Die Stadtkirche St. Georg in Arneburg liegt unweit des steil ins Tal abfallenden Hanges, der unten in das Elbtal mündet. Das Gotteshaus liegt eingebettet in einen malerischen kleinen Anger – grün und lebendig umwachsen zeigt sich die mächtige Kirche im Sommer. Die Kirche ist heute als einschiffige Saalkirche mit Querhaus und rechteckigem Ostchor erhalten, besitzt mit Langhaus und Turm den Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der Turm ist teilweise aus Backsteinen, teilweise aus Bruchsteinmauerwerk erbaut, was auf den Einsturz im Mittelalter hindeutet, als der Turm aus vorhandenen Materialien heterogen erneuert wurde. Das Glockengeschoss mit seinen spitzbogigen Biforien besteht komplett aus roten Klinkersteinen – die Biforien werden von Sechspaßfenstern bekrönt. Das Satteldach des Turmes ist an den Seiten abgewalmt und trägt einen Dachreiter, der das Ziffernblatt der Uhr trägt. Der Spitzhelm ist pyramidenförmig und vierseitig. Das Kirchenschiff besteht aus Bruchsteinmauerwerk – im Langhaus zeigen sich deutliche Mauerabsätze als Spuren einer früheren Erhöhung des Mauerwerkes. Mit Backsteinen vermauerte Fensteröffnungen sind in den Wänden zu sehen. Die Stirnseiten von Chor und Querschiffen sind mit Spitzbogenfriesen aus Backsteinen verziert. Die Fenster sind als Segmentbogenfenster ausgeführt – teilweise zeigen sich auch hier Spuren früherer Fensteröffnungen. Im Zentrum an der Ostseite des Chores zeigt sich von außen ein vermauertes Rundbogenfenster.
Das Innere des Bauwerkes zeigt sich hell, weit und schlicht. Die Wände sind durchweg weiß gekalkt. Im Langhaus zeigt das Mauerwerk innen einen deutlichen Absatz. Ein breites Gesims zeigt, dass die Aufmauerung deutlich geringere Dicke des Mauerwerkes aufweist, als das alte Mauerwerk. Die Vierung ist nicht ausgeschieden, sondern wird von zwei großen romanischen Rundbögen als Triumphbögen von Langhaus und Chor getrennt – die Querhäuser des einschiffigen Bauwerkes besitzen keine dergleichen ausgeführten Bögen. Eine flache, dunkle Holzbalkendecke mit breiten Querbalken überspannt den Raum. Der barocke Altar, der mit seiner dunklen Farbe vor der hellen Wand einen markanten Akzent setzt, stammt aus der Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals zu Quedlinburg. In der Predella ist eine Darstellung des letzten Abendmahls zu sehen, darüber ist eine Golgatha-Darstellung mit dem Kruzifix und Maria Magdalena sowie der Maria Mutter Gottes zu sehen, flankiert von zwei Kreuzen, an denen nach der Bibel zwei Sünder mit Christus gekreuzigt wurden. Im Hintergrund des Mittelfeldes sind zwei Jünger Jesu als Ölgemälde zu sehen. Zwei Jakobsmuscheln bekrönen diese Kreuze. Seitlich wird der Altar von zwei goldenen, mit gedrehtem Akanthusschnitzwerk verzierten korinthischen Säulen mit seitlichen Schnitzwangen flankiert – am Fuße der Säulen sind zwei Puttenköpfe angebracht. Bekrönt wird der Altar von einer Christusfigur mit der Siegesfahne. Knorpelschnitzwerk verziert den weiß-dunkel-golden gefassten Altar. Auf der Nordseite des Altarraumes ist eine hölzerne Gedenktafel für die Toten des ersten Weltkrieges angebracht. Das achteckige Taufbecken aus Sandstein zeigt neogotische Spitzbögen und ist neben den Bänken der letzte Zeuge der einstigen neogotischen Innenausstattung. Ebenerdig auf der Nordseite des Langhauses steht der barocke Kanzelkorb, der mit Puttenköpfen verziert ist. Seine einzelnen Felder zeigten die vier Evangelisten mit einem Namenszug darunter – die Felder werden durch gedrehte Holzsäulen gegliedert. Heute sind die Bogenfelder des Kanzelkorbes schwarz übermalt – nur die Namen erinnern noch an die einst sichtbaren Gemälde. Ein Silberrelief des Hl. Georg ist am Kanzelkorb angebracht. Die Empore umfasst hufeisenförmig das Langhaus und besitzt holzsichtige Flachfelder, auch die tragenden Säulen sind mit Blendwerk verziert. Die Emporen im Querhaus weisen eine gitterförmige Brüstung auf. Der heutige Altar im Zentrum der Vierung ist ein schlichter Holzaltar. Das Innere ist hell, edel und schlicht, auf das Wesentliche fixiert. Durch den edlen Holzprospekt der Orgel vom Wechselspiel aus Wort und Klang gekennzeichnet und geprägt – ein wertvolles Zeugnis klingenden, erhabenen, heiligen Kirchbaus.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter, 04.07.2021
Orgelgeschichte: Johannes Richter mit mündlichen Informationen von Pfr. i. R. M. Schlase sowie eigene SIchtung vor Ort 4.7.2021
Kirchengeschichte: Johannes Richter mit Informationen eines Aushanges in der Kirche

Glockenvideo von Johannes Richter auf dem Youtube-Kanal JRorgel

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Pfarramtes Arneburg.

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