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Orgel: Allstedt / Winkel – St. Andreas

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Gebäude oder Kirche

St. Andreas

Konfession

Evangelisch

Ort

Allstedt/Winkel

Postleitzahl

06542

Bundesland / Kanton

Sachsen-Anhalt

Land

Deutschland

Bildergalerie + Videos




Bildrechte: Datenschutz

Orgelgeschichte

1817 werden Planungen zum Orgelneubau aufgenommen. Friedrich Wilhelm Wäldner (Halle) wird mit dem Neubau beauftragt. Er nimmt das Vorgängerinstrument in Zahlung.
1822 Vollendung der Orgel durch Wäldner – mechanische Schleifladenorgel I/12 mit Spielschrank, jener kann durch hinter die seitlichen Füllungen gleitende Schiebetüren verschlossen werden (diese Einrichtung findet sich auch in Höhnstedt und bei seinem Sohn August Ferdinand in Fienstedt). Da die Orgel wohl bereits fertig in Wäldners Werkstatt stand, ist von der Verwendung gebrauchter Teile auszugehen. Dafür spricht auch das fehlende C# im Pedal und die sichtbare Ergänzung des Spielschrankes in ein vermutlich ebenfalls gebrauchtes Gehäuse, falls es sich dabei nicht um das Gehäuse der Vorgängerorgel in Winkel handeln sollte.
1884 Kostenvoranschläge von Julius Alexander Strobel (Bad Frankenhausen) betreffs einer Dispositionsänderung. Aus finanziellen Gründen wird dies nicht ausgeführt.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken.
1920er Jahre Ersatz durch Zinkpfeifen, teilweise mit schlecht angepassten Fußverlängerungen und unterschiedlichen Labienformen und viel zu kurzen Körpern, die nicht bis hinter die schlichten Schleierbretter reichen.
1960 Reparaturarbeiten durch Wiegand Helfenbein (Gotha).
1985 erneute Arbeiten an der Orgel durch o.g. Orgelbauer, die Registerschilder werden aus Papier aufgeklebt und handschriftlich beschriftet (siehe Disposition).
2002 ist die Orgel zwar spielbar, bedarf aber einer umfassenden Reparatur.
2006/2007 Generalreparatur durch Orgelbau Schönefeld (Stadtilm), die Zinkpfeifen im Prospekt wurden beibehalten.
2026 die Orgel ist spielbar und in gutem Zustand, hat aber unter der Trockenheit der vergangenen Jahre gelitten. Sie ist etwa einen halben Ton höher gestimmt (a’=465 Hz bei 12 Grad).

Die Registerschilder aus grobem Papier mit Beschriftung in schwarzer Tinte stammen vermutlich von 2006/07 und weisen eine historisierende Schreibweise auf, die weder den sonst verwendeten Porzellanschildern noch der Typografie Wäldners entspricht. Sie entsprechen höchstwahrscheinlich nicht dem Zustand von 1822, was insbesondere für die fantasievolle Schreibweise der Traversflöte gilt. Bis 2006 waren Registerschilder aus Papier aufgeklebt, welche ebenfalls handschriftlich in dünner, feiner Kursivschrift beschriftet waren, die vermutlich um 1980 aufgebracht wurde und stark verblichen war (siehe folgendes Foto von 2002)
Im Prospekt ist das Mittelfeld bis auf eine Pfeife vollständig klingend, die seitlichen Harfenfelder weisen jeweils sieben stumme Pfeifen auf, die im Wechsel mit den klingenden Pfeifen stehen.
Es handelt sich bei diesem Instrument um die älteste erhaltene Orgel Friedrich Wilhelm Wäldners.

Disposition

Manual C – d“‘

Gedact 8 fuß durchgehend Holz gedeckt – bis 2006: Gedackt 8 Fuß

Flüette=traversire 8 fuß [sic!] C-f° Holz gedeckt, ab c° mit Spundgriffen, f#°-d“‘ Holz offen, außenlabiiert und mit Stimmdeckeln versehen – bis 2006: Hohlfloete 8 Fuß

Quinta=toena 8 fuß altes Pfeifenmaterial, Metall gedeckt mit Kastenbärten und Dreieckslabien in der tiefen Lage – bis 2006: Quintaden 8 Fuß

Principal 4 fuß ab C Prospekt, Zink, teilweise rückseitige Stimmrollen, Korpora deutlich zu kurz, ab a‘ innenstehend, Metall offen direkt hinter dem Prospekt 

Gedact 4 fuß altes Pfeifenmaterial, Metall gedeckt mit gedrückten Rundlabien und Seitenbärten, Hüte mit Lederdichtung. Ab d#“ Metall konisch-offen, Aufschnittbärte und hoch aufgeschnitten – bis 2006: Gedackt 4 Fuß

Quinte 3 fuß Pfeife C# Zink, Rest Zinn, offen und Principalmensur – bis 2006: Quinte 2 2/3 Fuß

Octave 2 fuß Metall offen, teilweise Stimmringe, Spitzlabien

Siffloet 1 fuß Metall offen in weiter Mensur und breiter Labiierung, ohne Repetition, Spitzlabien – bis 2006: Floite [sic] 1 Fuß

Mixtur 3 fach 1 1/3′, Metall offen, repetiert c°, c‘, c“

Cornett 3 fach ab c‘, 2 2/3’+2’+1 3/5′, Metallpfeifen in weiter Mensur, Spitzlabien 

Pedal C,D – c‘

Sub=Baß 16 fuß Holz gedeckt

Violon=Baß 8 fuß Holz offen, Vorschläge Kiefer, teilweise Stimmbleche – bis 2006: Violon 8 Fuß

Position der Register auf der Lade, vom Prospekt nach hinten:

Principal 4′ – Gedackt 8′ – Traversflöte 8′ – Cornett 3fach – Quintadena 8′ – Gedackt 4′ – Quinte 2 2/3′ – Octave 2′ – Sifflöte 1′ – Mixtur 3fach – Violon 8′ – Subbaß 16′

Winddruck: 75 mmWs 

Bezeichnungen der Register bis 2006:

 

Spielhilfen

Registerzug links unten: Pedal=Coppel [bis 2006: Coppel zum Pedal.]
Registerzug rechts unten: Calcant [heute ohne Funktion – bis 2006: Calcanten-wecker.]

Gebäude oder Kirchengeschichte

1499 Errichtung der heutigen Kirche in Winkel, Weihe am 18. September des Jahres. Vermutlich bestand schon vorher ein Gotteshaus an selbiger Stelle in der Mitte des Ortes.
1730 Stiftung des Kanzelaltares durch Eva Giersch und Dorothea Kaul.
1730 werden zudem biblische Gemälde als „Bilderbibel“ an den Emporenfeldern angebracht. Für diese 30 Gemälde stifteten die Bewohner des Ortes die benötigten Gelder, wurden dafür namentlich auf den Tafeln erwähnt. Ausführender Maler war Rudolf Christian Bruder (Allstedt).
1884 umfassende Renovation der Kirche, dabei Aufbringen einer neuen, dunklen Farbfassung auf den Kanzelaltar.
1899 Stiftung und Einbau neuer Buntglasfenster im Chorraum anlässlich des 400. Jubiläumsjahres der Kirche, u.a. durch die Kinder des Geheimen Kirchenraths D. M. Köhler, der 1830 – 1859 Pastor in Winkel war. Andere Stifter waren die Gemeinde und Ortspastor Köhler.
1997 Erneuerung des vorderen Portals
2011 Restauration des Christus-Gemäldes über dem Kanzelaltar.
2026 die Kirche ist in gutem Zustand und wird genutzt und durch die Ortsgemeinde gepflegt und instand gehalten.

Anfahrt

Quellenangaben


Orgelbeitrag erstellt von:

Orgelgeschichte: Johannes Richter, Sichtung vor Ort 2026 und Spiel
-Wünsche, Michael (Hrsg.): „Winkel“ in: Die Orgelbauerfamilie Wäldner – Leben und Werk (Webauftritt, abgerufen 10. August 2026 über Wayback-Machine)

Kirchengeschichte: Sichtung vor Ort mit Inschriften und Jahreszahlen am Bauwerk, ergänzt durch:
-Wölbing, Lucas: „Andreaskirche in Winkel: Was in den Turmknöpfen verborgen liegt“ in: Mitteldeutsche Zeitung, 8. Juni 2016, abgerufen am 9. August 2026 (LINK)

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