Orgel: Berga (Kyffhäuser) / Berga – St. Peter und Paul
Für Anfragen kontaktieren Sie bitte das Orgel-Verzeichnis über das Kontaktformular.
Gebäude oder Kirche
St. Peter und PaulKonfession
EvangelischOrt
Berga (Kyffhäuser)/BergaPostleitzahl
06536Bundesland / Kanton
Sachsen-AnhaltLand
DeutschlandBildergalerie + Videos
Paul Blumenthal: Fantasie No. 3 a-Moll Op.51 auf YouTube, Kanal „JRorgel“, eingespielt von Johannes Richter
Kirche Berga: Eindruck des Glockengeläutes auf selbigem YouTube-Kanal
Bildrechte: Datenschutz
Orgelgeschichte
1709 erhält die Kirche eine erste Orgel, die aus Gemeindemitteln finanziert wird.
1859 Neubau durch Julius Alexander Strobel (Bad Frankenhausen), II/29 auf mechanischen Schleifladen.
1895 Abtragung dieser Orgel und vermutlich Einlagerung während des Kirchenneubaus.
1898 Aufstellung in der neuen Kirche, dabei wird das Instrument mit einem neogotischen Prospekt versehen, der ausschließlich stumme Pfeifen aufweist.
1912 Umbau des vorhandenen Instrumentes durch Wilhelm Rühlmann sen. (Zörbig), großteils Übernahme des Pfeifenwerkes von Strobel einschließlich des stummen Prospektes, Umstellung auf pneumatische Kegelladen – II/29. Die Orgel wird als Op.354 von Rühlmann deklariert.
1917 Abgabe der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken, hernach Ersatz durch Zink.
1931 erhält die Orgel ein elektrisches Gebläse.
2004/05 umfassende Orgelreparatur durch Fa. Sauer (Müllrose) mit großer finanzieller Unterstützung der Einwohner aus Berga.
2026 die Orgel ist sehr gut spielbar und weist eine über das normale Maß hinausgehende Klangstärke auf.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Rühlmann eine große Anzahl von Registern der Vorgängerorgel übernahm – über 50% des Pfeifenmaterials stammen noch von Strobel 1859. Auf alten Fotos ist die reiche hölzerne Ausstattung der alten Kirche zu sehen, was die großzügigen Mensuren und den daraus resultierenden, in der heutigen Kirche fast zu kraftvollen Klang erklärt. Der Prospekt wurde vermutlich 1898 geschaffen und dürfte von Strobel aufgestellt worden sein. Er besitzt die typische stumme Prospektfassade. Der von Rühlmann gewählte innere Aufbau der Orgel ist bemerkenswert: Im Untergehäuse direkt hinter dem Spieltisch befindet sich eine ebenerdig stehende Kegellade chromatischer Bauart mit vier Registern (Zartflöte, Fugara, Rauschquinte, Lieb. Gedackt 8′) des zweiten Manuals, darüber auf Höhe der Prospektöffnungen stehen die restlichen Register dieses Werkes ebenfalls chromatisch. Auf dieser Höhe stehen – um 90° zur vorgenannten Windlade des zweiten Manuals gedreht und außen an den Gehäusewänden positioniert – die Stimmen 2 2/3′, 2′ und die gemischten Register des Hauptwerkes in C- und Cis-Seite geteilt. Mittig darüber auf der dritten Ebene befindet sich das Hauptwerk, um 90° zum Prospekt gedreht auf diatonischen Laden, die nebeneinander stehen. Das Pedal befindet sich in diatonischer Teilung um diese HW-Grundstimmen-Lade herum gruppiert, ebenerdig auf dem Emporenboden stehend. Die Balganlage befindet sich im Turmraum. Markant sind die ausladenden Kegelhubleisten unterhalb der Windladen.
Disposition
Manual I – Hauptwerk C – f“‘Bordun 16′ ab C, durchgehend Holz gedeckt – Strobel Principal 8′ C-H Holz offen – Strobel, ab c° Metall zylindrisch-offen, Spitzlabien – Strobel Gedackt 8′ Holz gedeckt, Strobel Hohlflöte 8′ C-H Holz gedeckt, ab c° Holz offen mit Stimmdeckeln und Deckblättern aus Obsholz – Strobel Gambe 8′ C-H Zink offen Rühlmann, ab c° Metall offen Dolce 8′ Rühlmann, C-H Holz gedeckt, ab c° Metall zylindrisch mit Expressionen Oktave 4′ C-D Zink offen Rühlmann, Forts. Strobel, Metall zylindrisch Hohlflöte 4′ Holz offen mit Stimmdeckeln, innenlabiiert – Strobel Quinte 2 2/3′ Strobel, C-H Metallpfeifen gedeckt mit Holzstopfen und -spund, Forts. Metall offen mit Stimmrollen Oktave 2′ Strobel, Metall zylindrisch Mixtur 4fach 2 2/3′, rep. c°, c‘, c“, Strobel, tiefster Chor mit Stimmrollen, Rest auf Ton geschnitten, Metall offen Cymbel 3fach 2′, rep. c°, c“ – Strobel, Metall offen mit Spitzlabien, auf Ton geschnitten Cornett 4fach ab g°, 4′ Strobel, Metall offen ohne Repetitionen, tiefster Chor mit Stimmrollen |
Manual II – Oberwerk C – f“‘Liebl. Gedackt 16′ ab F, Strobel – Holz gedeckt, außenlabiiert, keilförmige Vorschläge Geigen-principal 8′ C-H Holz offen, ab c° Metall offen Strobel, Spitzlabien und teilweise Seitenbärte Liebl. Gedackt 8′ C-c“‘ Holz gedeckt, teilw. Strobel, ab c#“‘ Metall gedeckt mit Holzstopfen und -spundgriff sowie massiven Seitenbärten – Strobel Flauto trav. 8′ C-H Holz gedeckt, Forts. Holz offen innenlabiiert mit Stimmdeckeln – teilweise Strobel Salicional 8′ Rühlmann, Metall zylindrisch mit Seitenbärten Vox celestis 8′ sic, ab c°, Rühlmann – Metall zylindrisch mit Expressionen Fugara 4′ Metall offen, großteils Strobel – gedrückte, lange Spitzlabien, recht hohe Aufschnitte, viele feine enge Kernstiche, Pfeife C mit Aufschnittbärten Zartflöte 4′ C-f#“ Holz offen, innenlabiiert – Strobel, ab g“ Metall konisch Rausch-quinte 2 2/3′-2′ Metall, 2′-Reihe Principalmensur, aus Octave 2′ von Strobel, Quinte C-H Metall gedeckt, Pfeife C Rühlmann mit Metalldeckel, ab C# Holzstopfen mit Spundgriff Strobel, ab c° konisch, weite Mensur |
Pedal C – d‘Subbass 16′ Holz gedeckt, Strobel Violon 16′ Holz offen, Strobel Quint-bass 10 2/3′ Holz gedeckt, Strobel Principal-bass 8′ Holz offen, Strobel, Stimmschieber Gedackt-bass 8′ Holz gedeckt, Strobel – 1HT nach oben gerückt, tiefe Oktave mit hölzernen Seitenbärten von Rühlmann versehen Cello 8′ Holz offen Posaune 16′ Rühlmann, Stiefel Holz, Nüsse aus Blei mit Messingzungen in aufschlagender Bauweise, volle Becherlänge – Becher Holz |
Spielhilfen
Registerschalter mittig, von links: Manual-koppel, Pedal-koppel z.I.M., Pedal-koppel z.II.M., Super-oktav-koppel II-I [nicht ausgebaut], Piano-pedal [automatisch, zu Manual II]
Über den Registerschaltern: Schalter für freie Kombination
Drücker in der Vorsatzleiste unter Manual I, von links: Freie Kombination, Auslöser, Piano, mezzoforte, forte, fortissimo [diese drei ohne Beschriftung], Tutti, Handregister an/ab, Rohrwerke an/ab
Gebäude oder Kirchengeschichte
um 1280 wird eine Zuckerhutglocke durch einen unbekannten Gießer geschaffen, die heute als Uhrschlag dient. In dieser Zeit wurde vermutlich die erste Kirche errichtet.
13. Jahrhundert Schenkung der Kirche durch die Grafen von Klettenberg an das Kloster Kelbra.
1315 kommt die Kirche unter das Patronat des Klosters Ilfeld.
1709 Errichtung des Kirchturms aus Gemeindemitteln, er besaß ein oktogonales Glockengeschoss in Fachwerkbauweise mit Schweifhaube auf dem steinernen Unterbau, der noch von der alten Kirche stammte.
1840 Reparatur des Turmhelmes.
1872 wird von einer grundhaften „Auffrischung“ der Kirche berichtet, vermutlich wurde also die Farbfassung erneuert.
1885 Anschaffung eines Taufsteins aus Terrakotta.
1889 erwägen die Kirchenältesten bereits den Neubau der Kirche.
1893 Gutachten zum Zustand der Kirche, eine Reparatur wird als nicht sinnvoll erachtet. Der Turm war damals Eigentum der politischen Gemeinde und sollte beibehalten werden.
1895 fiel der Entschluss, das Turmuntergeschoss zu belassen.
1895 Errichtung einer Interimskirche aus Klinkersteinen, die nach dem letzten Gottesdienst im April des Jahres mit dem Inventar aus der alten Kirche versehen und genutzt wurde.
29. Juni 1896 Grundsteinlegung für die neue Kirche im neogotischen Stil unter Leitung des Architekten Memminger. Das gesamte Bauwerk besteht aus Backsteinen und wurde mit Sandsteinplatten verkleidet. Die Zierelemente bestehen aus Sandstein. Die farbigen Fenster mit Szenen der drei Hochfeste Ostern, Weihnachten, Pfingsten schuf die Firma Wilhelm Franke (Naumburg)
9. Juli 1898 Weihe der neuen Kirche.
1917 Abgabe zweier Glocken zu Rüstungszwecken.
1919 Anschaffung und Aufzug eines dreistimmigen Geläutes von Schilling&Lattermann aus Eisenhartguss (Nominalfolge: es‘-g‘-b‘) mit etwa 3300kg Gesamtmasse. Dafür wurde die verbleibende Bronzeglocke in Zahlung gegeben.
1965 Instandsetzungsarbeiten außen und innen mit Neueindeckung des Daches und Ersatz der Dachrinnen. Im Inneren werden die ursprünglichen Malereien überstrichen, ebenso wird der neogotische Altaraufsatz entfernt.
1967 Wiedereinweihung nach den Arbeiten.
Anfahrt
Quellenangaben
Orgelbeitrag erstellt von: Johannes Richter
Dateien Bilder Kirche und Orgel: Johannes Richter, Sichtung vor Ort und Spiel 2026
Orgelgeschichte: Sichtung vor Ort und Spiel 2026
-Kirchengemeinde Berga (Hrsg.): Kirche St. Petri und Pauli. Neugotische Kirche zu Berga, 1898 geweiht (Kleiner Kirchenführer 2023), Inaugenscheinnahme vor Ort 2026
Kirchengeschichte:
-Kirchengemeinde Berga (Hrsg.): Kirche St. Petri und Pauli. Neugotische Kirche zu Berga, 1898 geweiht (Kleiner Kirchenführer 2023), Inaugenscheinnahme vor Ort 2026




Deutschland
Schweiz
Österreich
Andere